Livestream

Bremen Zwei Sendungen Gesprächszeit

Gesprächszeit

Manuela Rousseau

Aufsichtsrätin bei Beiersdorf

8. Oktober 2019, 18:05 Uhr

Manuela Rousseau hat mit Erwartungen gebrochen – ihr Leben lang: Eigentlich, weil sie "nur ein Mädchen" war, sollte sie im schleswig-holsteinischen Neumünster im Einzelhandel Radios verkaufen. Mehr Ideen zur Karriere ihrer Tochter hatte die Mutter nicht. Manuela Rousseau war Hauptschülerin – heute ist sie Aufsichtsrätin in einem Dax-Konzern und Professorin.

Manuela Rousseau [Quelle: Henriette Pogoda]
Manuela Rousseau [Quelle: Henriette Pogoda]

Das Gespräch zum Anhören:
"Mädchen können nicht alles, sagte meine Mutter" – Manuela Rousseau [38:45 Minuten]

Dass die heute 63-jährige Manuela Rousseau eine der ersten Aufsichtsrätinnen in einem Dax-Konzern wird, Professorin und Trägerin der Bundesverdienstmedaille ist, hat vermutlich niemand erwartet. Noch nicht einmal sie selbst. Denn ihre Mutter gab ihr alles andere als Selbstvertrauen mit auf den Weg.

Ich war ungefähr vier Jahre alt, als ich hörte, dass meine Geburt eine sehr große Enttäuschung für sie war. Weil sie sich einen Stammhalter gewünscht hat. Diesen Satz habe ich als Vierjährige mit Sicherheit nicht verstanden, aber sie hat ihn auch kontuinuierlich in ihrem Leben wiederholt: 'Mädchen können nicht alles, Mädchen werden sowieso heiraten, Mädchen brauchen keine Schulbildung'.

Nach einer unverschuldeten Insolvenz ihres Start-Ups findet sich Manuela Rousseau in einer scheinbar ausweglosen Situation wieder: Ihre berufliche Existenz ist kaputt, ihre Ehe zerbrochen, sie ist verschuldet und sie hat keine eigene Wohnung mehr. Doch auch wenn alles ausweglos erscheint – Manuela Rousseau will nicht kapitulieren.

Mit 26 Jahren hat man eine Situation, in der man sich nicht entscheiden kann, liegen zu bleiben.

Einfach immer den nächsten Schritt machen

Rousseau entscheidet, ganz neu in ein unabhängiges Leben zu starten. Sie verordnet sich, einen Job in einem möglichst krisensicheren Konzern zu finden, so bald wie möglich eine erschwingliche Eigentumswohnung zu kaufen und immer darauf zu achten, finanziell unabhängig zu bleiben. Ihr Weg führt sie zu dem DAX-Konzern Beiersdorf in Hamburg und zu einem Chef, der ihre Potentiale erkennt. Und sie findet mehr und mehr zu sich selbst:

Ich habe immer besser meine Grenzen kennengelernt und auch gelernt, wie ich diese Grenzen überwinden kann. Und bin mutig einfach immer den nächsten Schritt gegangen.

"Wir brauchen Frauen, die sich trauen"

Heute könnte sich Manuela Rousseau zurücklehnen und sich auf ihren Lorbeeren ausruhen. Denn sie hat es weit gebracht in ihrem Leben: Sie hat es von der jungen Hauptschülerin geschafft, Aufsichtsrätin bei Beiersdorf zu werden. Diesen Mut, mehr aus sich zu machen, sichtbar und hörbar zu werden, Netzwerke aufzubauen und sich einzusetzen, gibt Michaela Rousseau mittlerweile an viele Frauen weiter.

Sie berät seit 30 Jahren ehrenamtlich als Mentorin junge Frauen am Beginn ihrer Karriere und setzt sich in der Initiative "Für mehr Frauen in die Aufsichtsräte" ein. Nach vielen Vorträgen hat sie jetzt ein Buch geschrieben, in dem sie ihre Erfahrungen als Tipps für Frauen zusammenfasst.

Kommunikation, Konsens- und Kooperationsfähigkeit sind eher weiblich konnotierte Eigenschaften. Sie werden in diesen Zeiten bei der Führung eines Unternehmens dringend gebraucht.

Manuela Rousseau setzt auf mehr Frauen in Führungspositionen, weil sie überzeugt ist, dass Männer und Frauen zusammen die Probleme der Zukunft am besten meistern können.

Moderation: Julia Meichsner

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 8. Oktober 2019, 18:05 Uhr

Mehr interessante Gespräche:

Fischfeinkost-Unternehmerin Erika Siegel Medizinerin Kristina Hänel Finanzberaterin und Autorin Helma Sick
Gesprächszeit
Mehr zur Sendereihe "Gesprächszeit"