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Madeleine von Hohenthal

Umweltberaterin und Gründerin

2. März 2020, 18:05 Uhr

Beim Schnorcheln 2015 in Tansania entdeckten Madeleine von Hohenthal und ihr Mann Benjamin Wenke kilometerlange alte Fischernetze unter Wasser – eine tödliche Falle für Schildkröten, Krabben und Fische. Nach dem Schock kam die Idee: aus den Geisternetzen Armbänder zu machen. Mittlerweile verkaufen sie ihr Produkt in alle Welt und beraten große Unternehmen in Umweltfragen.

Madeleine von Hodenthal  [Quelle: Radio Bremen, Jessica Liedtke]
Madeleine von Hohenthal fertigt aus Geisternetzen Armbänder [Quelle: Radio Bremen, Jessica Liedtke]

Das Gespräch zum Anhören:
"Wir wollen uns selber abschaffen" – Unternehmerin Madeleine von Hohenthal [37:20 Minuten]

Die Vermüllung der Meere durch Plastik ist ein gigantisches Problem und Geisternetze spielen dabei eine entscheidende Rolle: Die herrenlosen Netze machen fast die Hälfte des Plastikmülls im Meer aus. Mit ihrem Unternehmen "Bracenet" tragen Madeleine von Hohenthal und ihr Mann Benjamin Wenke dazu bei, die Meere sauberer zu machen. Dabei waren die 31-jährige Ex-Werberin und ihr Mann von ihrer gemeinsamen Geschäftsidee noch nicht einmal im Umweltschutz aktiv, obwohl sich beide der Natur immer verbunden gefühlt habe.

Ich habe mir früher auch keine Gedanken über den Coffee-To-Go-Becher gemacht.

Jagd auf Geisternetze

Taucher entdecken immer wieder Geisternetze unter Wasser. [Quelle: Bracenet]
Geister-Netz-Taucher im Einsatz: Über 640.000 Tonnen Netz-Abfall werden in den Meeren vermutet [Quelle: Bracenet]

Nach dem schockierenden Geisternetz-Fund war von Hohenthal und ihrem Mann deshalb schnell klar: "Dieses Problem ist menschengemacht. Wir müssen was tun!" Sie recherchierten ein halbes Jahr lang, bis sie zwei Non-Profit-Organisationen fanden, die auf der ganzen Welt Taucher im Einsatz haben, um Geisternetze zu bergen. Aus diesen Netzen fertigen Madeleine und ihre Mitarbeiter Armbänder. Zunächst noch alleine im Esszimmer. Heute sind die beiden Geschäftsführer ihres eigenen Unternehmens mit mehr als 20 Mitarbeitern. Ein Teil des Erlöses wird gespendet. Bisher kamen 100.000 Euro für die Geisternetz-Taucher zusammen – und über vier Tonnen Netze wurden bereits geborgen.

"Diese Arbeit macht mich glücklich!”

Dass sie sich selbst einmal so für den Umweltschutz einsetzen und sogar ihren gutbezahlten Job in der Werbung dafür an den Nagel hängen würde, hätte Madeleine von Hohenthal vor vier Jahren noch nicht gedacht. Heute sei sie umweltbewusster, wickele Lebensmittel in Bienenwachstücher ein oder mache Kleidertausch. “Es ist schon gut, wenn wir alle ein bisschen mehr tun“, meint die Unternehmerin. Die Arbeit habe sie auf jeden Fall zu einem glücklichen Menschen gemacht:

Ich habe in den letzten vier Jahren so viel über die Welt, auch über Politik und Wirtschaft, gelernt wie noch nie zuvor.
Armbänder aus alten Netzen: Das ist Bracenet. [Quelle: Radio Bremen, Jessica Liedtke]
Armbänder aus alten Netzen: So sieht ein "Bracenet" aus. [Quelle: Radio Bremen, Jessica Liedtke]

Von der Werberin zur Nachhaltigkeitsexpertin

Denn mittlerweile verkauft sie nicht nur Armbänder, sondern wird von großen Unternehmen als Nachhaltigkeitsexpertin angefragt. So berät "Bracenet" unter anderem Fluggesellschaften, wie die ihren Plastik-Output an Bord reduzieren können. Aber nicht mit jedem potentiellen Kunden geht von Hohenthal auch ein Geschäft ein:

Viele Unternehmen wollen sich jetzt einen grünen Anstrich verpassen. Aber nicht alles passt zu unserer Philosophie. Wenn Firmen oder Organisationen unsere Armbänder verkaufen wollen, aber diese in Plastik verpacken möchten, dann kommen wir nicht zusammen.

Als junge Geschäftsfrau hat sie keine Angst vor Konkurrenz: “Wir wollen andere inspirieren“, sagt sie. Denn die Netze müssen raus. Ihr Ziel:

Wir wollen uns selber abschaffen, auch wenn wir dann eigentlich arbeitslos wären.

Moderation: Jessica Liedtke

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 2. März 2020, 18:05 Uhr

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