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Kian Soltani

Cellist

11. September 2019, 18:05 Uhr

"Ich bin abenteuerlustig!", sagt Kian Soltani, der mit seinem Cello durch die ganze Welt reist. Und das lässt er natürlich nie aus den Augen: "Es ist immer bei mir – wie ein Baby". Wir haben den österreichischen Cellisten auf seiner Konzertreise im Hotel abgepasst, wo er uns verraten hat, dass er sich viel öfter den traditionell verschmähten Zwischenapplaus wünscht.

Der österreichisch-iranische Cellist Kian Soltani [Quelle: DPA, Daniel Reinhardt]
Cellist Kian Soltani [Quelle: DPA, Daniel Reinhardt]

Das Gespräch zum Anhören:
"Mein Cello ist immer bei mir – wie ein Baby" – Kian Soltani [38:26 Minuten]

Kian Soltani ist in einer richtigen Musiker-Familie groß geworden. Die Eltern spielten Harfe und Fagott und verdienten ihr Geld als Orchestermusiker, Solisten und Musiklehrer. Sein großes Vorbild? Das war der große Cousin, der Cello spielte. Geradezu schockiert war Soltani, als er als Kind irgendwann merkte, dass es in anderen Familien überhaupt keine Instrumente gibt.

Selbstbewusst und immer 200 Prozent

Inzwischen hat Kian Soltani den Sprung nach oben geschafft. Durch Kontakte und eine großzügige Leihgabe darf der 27-Jährige ein über 300 Jahre altes Cello vom berühmten Geigenbauer Antonio Stradivari spielen. Rund 80 Konzerte spielt er damit im Jahr, die er extrem gut vorbereitet. Denn die Erfahrung hat ihn auch gelehrt, nicht überheblich zu sein.

Man muss immer 200 Prozent vorbereitet sein. Dass man auch manchmal – wenn man nur 90 Prozent mit dem Kopf da ist – es dann auch trotzdem klappt.

Zwischen den Sätzen zu klatschen ist unter geübten Opern- und Konzertgängern eigentlich verpönt. Doch Kian Soltani hält von der Tradition nicht allzu viel und freut sich darüber, dass diese Konventionen auch ab und an aufgelöst werden.

Ich persönlich liebe es sehr, wenn irgendwann zwischen dem Satz geklatscht wird. Das gibt mir extrem viel Kraft, so Bestätigung quasi ein bissel. Und dann spiele ich noch selbstbewusster weiter.

Österreicher mit iranischen Wurzeln

Geboren ist der Österreicher mit iranischen Wurzeln in Bregenz am Bodensee im Vorarlberg. Ganz im Westen Österreich im Grenzland zur Schweiz und Deutschland. Die Leute dort seien sehr heimatverbunden und ziemlich zufrieden mit dem Leben. Mit Rassismus, sagt er, hat er glücklicherweise kaum Erfahrungen gemacht.

Ich habe mich in Österreich schon immer total zuhause gefühlt, fühle mich immer noch, war mir aber immer bewusst, dass ich ein bisschen anders bin. Nicht nur vom Aussehen, auch von der Kultur, aber das hat mich nie gestört. Für mich war das eine Bereicherung.

Ganz selbstverständlich springt Soltani zwischen Hochdeutsch, Vorarlberger Dialekt und Farsi hin und her. Denn natürlich spürt Soltani auch ein bisschen den Iraner in ihm. Viele persische Leute, sagt er, sind stolz auf die iranische Geschichte:

Man denkt groß als Perser. Man braucht immer das Beste, die beste Kleidung, das beste Haus – das beste Cello (lacht).

Cineast, sehr zum Leidwesen der Nachbarn

Auch musikalisch schaut Kian Soltani über seinen klassischen Horizont hinaus. Als Teenager hörte er gerne Progressive Rock und Heavy Metal, fand Bands wie Iron Maiden, System of a Down oder Linkin Park toll. Außerdem spielt er gerne Klavier und hat sein Herz auch ein bisschen an den Jazz verloren.

Ich liebe Jazz über alles. In meinem nächsten Leben werde ich bestimmt Jazz-Musiker.

Noch viel mehr ist er aber ein richtiger Cineast. Kian Soltani liebt das Kinoerlebnis und versucht auf jeder Tour auch ins Kino zu gehen. In Berlin, wo er häufig ist, kennt er fast jeden Kinosaal.

Ich bin so besessen davon, dass ich mir selbst zuhause ein bisschen ein Kino aufgebaut habe. Und das ist sehr gut gelungen. Das ist 'ne riesen Wand und fantastischer Klang. Ich drehe da immer voll auf – sehr zum Leiden der Nachbarn.

Moderation: Robert Hauspurg

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 11. September 2019, 18:05 Uhr

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