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Gesprächszeit

Jürgen Trittin

Grünen-Politiker

11. Februar 2019, 18:05 Uhr

Mit 14 hat Jürgen Trittin einst als Vegesacker Schüler das Grundgesetz in der Weser versenkt. Als die Zeit von Kanzler Kohl abgelaufen war, konnte er dann endlich selbst gestalten und nahm als Bundesumweltminister am Kabinettstisch Platz. Inzwischen kümmert er sich um außenpolitische Fragen – und war gerade bei der Lürssen-Werft zu Gast.

Jürgen Trittin [Quelle: Radio Bremen, Ute Hanefeld]
Jürgen Trittin [Quelle: Radio Bremen, Ute Hanefeld]

Seit 1998 ist Jürgen Trittin Mitglied des Bundestages. Als Mitglied im Auswärtigen Ausschuss diskutiert er die internationalen Beziehungen mit langjährigen Bündnispartnern wie den USA oder zu Supermacht China. Auch Rüstungsexporte sind dort Thema, weshalb Jürgen Trittin gerade Station bei Lürssen in Bremen gemacht hat. Die Werft hat mit Exporten von Patrouillenbooten nach Saudi-Arabien zu tun.

Ich bin anders als die Lürssen-Werft der Auffassung, dass man nach Saudi-Arabien nie hätte eine Produktionsgenehmigung dürfen. Und man hätte auch keine Exportgenehmigung erteilen dürfen.

Bewegte Schülerzeiten am Vegesacker Gymnasium

Mit 14 hat Jürgen Trittin einst das Grundgesetz in der Weser versenkt – als Antwort auf die Notstandsgesetze von 1968. Damals war er Schüler des Gerhard-Rohlfs-Gymnasiums in Bremen-Vegesack, das für seine hoch politisierte Schülerschaft bekannt war. Es bekam als erstes eine reformierte Oberstufe – das sogenannte Buxtehuder Modell:

Das hat man getan, weil man glaubte, auf diese Weise diese unruhige Schule ein Stück weit beruhigen zu können.

Bremen-Norder Widerständigkeit

Noch heute lebt Trittins Mutter in Vegesack. Beim Besuch lässt er sich regelmäßig von ihren Kochkünsten überraschen. Der Stadtteil hat sich verändert und habe sich auch gegen Fehlentwicklungen durchgesetzt, sagt der Bundespolitiker. Inzwischen sei das Leben in der Fußgängerzone rund um den Sedanplatz lebendiger als am Haven Hööft.

Inzwischen mussten ja Teile des Haven Hööfts abgerissen werden und insofern hat sich hier ein bisschen Bremen-Norder Widerständigkeit durchgesetzt.

Auch für Werder Bremen schlägt Trittins Herz immer noch, auch wenn er seinen Lebensmittelpunkt in Göttingen hat, wohin er damals zum Studium zog. Er startete journalistisch ins Berufsleben, bevor die Politik sein Leben maßgeblich bestimmte. Was dafür nötig ist? Die Fähigkeit, Dinge und Konflikte durchzuhalten, sagt der erfahrene Grünen-Politiker. Auf Ausdauer komme es an, und man dürfte sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen.

Was sind die Probleme der Welt?

Manchmal bedauert er, dass er nicht mehr wie zu Ministerzeiten gestalten kann. Aber: Dass die Energiewende voranschreitet, die er als Bundesumweltminister von 1998 bis 2005 mit auf den Weg gebracht hat, freut den überzeugten Ökologen. Sorge bereitet ihm dagegen der wieder erstarkende Nationalismus in Deutschland und Europa. Auch wenn sein Blick derzeit außenpolitisch geprägt ist, beobachtet Jürgen Trittin diese gesellschaftlichen Entwicklungen im Inneren ganz genau. Im Abbau des Sozialstaats, dem Alleinelassen von Menschen mit den Folgen der Globalisierung und dem Anwachsen von Ungleichheiten sieht er die entscheidenden Treibmittel für Nationalismus.

Die Unsinnigkeit eines Rückzugs in Nationale liegt eigentlich im Moment auf der Hand, indem man anfängt, darüber nachzudenken, was eigentlich die Probleme insbesondere der Welt und der Nationalstaaten sind. Wo stoßen Nationalstaaten auf die Grenzen ihrer Handlungsfähigkeit? Auf der anderen Seite müssen sich die Vertreter eines globaleren Ansatzes auch die Frage gefallen lassen können: Wie konnte es passieren, dass ihr Ansatz so mit Misstrauen beguckt wird?

In der Gesprächszeit spricht der Außenpolitiker über Auslandseinsätze der Bundeswehr, die Nato, internationale Konflikte – aber auch über seinen Herzinfarkt, seine Heimat Bremen und die Enthemmung der Sprache.

Das Gespräch zum Anhören:
"Das ist Bremen-Norder-Widerständigkeit" – Grünen-Politiker Jürgen Trittin [36:20 Minuten]

Moderation: Martin Busch

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 11. Februar 2019, 18:05 Uhr

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