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Gesprächszeit

Jan Weiler

Autor und Kolumnist

21. November 2019, 18:05 Uhr

Jan Weiler war ein Herbstgast, der pointenreich und witzig war, aber auch sehr nachdenklich über sein Schreiben und sein Leben gesprochen hat. Seine Themen sind wie das Leben selbst, sagt der Bestsellerautor, Kolumnist und Verfasser von Drehbüchern und Theaterstücken. Nicht immer einfach, manchmal ernsthaft, aber oft auch lustig.

Jan Weiler und Tom Grote [Quelle: Radio Bremen, Anastasia Leichner]

Das Gespräch zum Anhören:
"Das ist kein Hobby – das ist Arbeit" – Jan Weiler [45:57 Minuten]

Weiler ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller Deutschlands. Viele seiner Bücher von "Maria, ihm schmeckt‘s nicht!" bis zu "Das Pubertier" entwickelten sich zu Bestsellern mit Millionen-Auflage, die auch im Kino zahlreiche Besucher anzogen. In seinen Büchern und Kolumnen schildert der gebürtige Rheinländer, der seit langem am Starnberger See wohnt, amüsant und pointenreich die Fallstricke des ganz normalen Familienalltags, sei es im Zusammenleben mit seinem italienischen Schwiegervater, oder mit Kindern, die die Pubertät in muffelnde, maulfaule Wesen verwandelt hat.

Weiler liebte das Erzählen schon als Kind; als 12-Jähriger wusste er schon, dass er schreiben will. Das sei Segen und Fluch, erzählt er im Café Farbwechsel in Oldenburg. Denn man bemühe sich eben auch um nichts anderes.

Ich habe nicht gedacht: "Ich kann das wirklich gut." Sondern ich hab gedacht: "Ich kann sonst wirklich gar nichts."

Weil seine Berufswahl so eindeutig ausfiel, bewarb er sich bei der Journalistenschule – und fiel dreimal durch. Dann klappte es – "Erfolg durch Penetranz", sagt Jan Weiler dazu. Nach 15 Monaten Ausbildung begann seine Karriere bei der Süddeutschen; Weiler wurde Chefredakteur – und Bestsellerautor. Diese Karriere begann vor 16 Jahren durch einen Zufall.

Plötzlich Italienexperte

Jan Weiler [Quelle: Radio Bremen, Anastasia Leichner]
Jan Weiler [Quelle: Radio Bremen, Anastasia Leichner]

Im Magazin der Süddeutschen Zeitung, das er damals als Chefredakteur verantwortete, klaffte wegen einer Interviewabsage eine Lücke. Eine Kollegin schlug vor, Weiler könne doch etwas über seinen italienischen Schwiegervater schreiben. Die Geschichte fand Anklang – und Weiler eine Verlegerin, die ihn überredete aus dem kurzen Stück ein Buch zu machen. Schließlich willigte er ein und schrieb in zehn Tagen mit "Maria, ihm schmeckt’s nicht!" eines der meistverkauften Romandebüts der letzten Jahre. Manche sehen in ihm seitdem den Italienexperten – der er nicht ist:

Immer wenn Regierungswechsel ist in Italien – dann muss ich mich äußern. Dann ruft einer an, vom SWR oder so und fragt, ob ich mal fünf Minuten habe. Und ich mach das dann auch.

"Man möchte die Anerkennung, man möchte gemocht werden"

Es folgten "Das Pubertier" und die Reihe über den Münchner Kriminalkommissar Kühn. Jüngst erschienen: "Kühn hat Hunger", ein Gesellschaftsroman mit Spannung, ein Roman über die Lebensunsicherheiten eines Mittvierzigers, ein Buch über "toxische Männlichkeit" – darin sind sich Moderator Tom Grote und Jan Weiler einig. Kein witziges Buch, aber alle seine Bücher seien ohnehin nie nur lustig, sagt er. Er schreibe Geschichten, die dem Leben entsprechen, lustig und tragisch zugleich. "Ein falscher Schritt auf der Straße – und das Leben ist anders."

Drei Millionen Bücher hat Weiler bis heute verkauft. Das Schreiben sei für ihn keine Mühe, erzählt er, denn "wenn man etwas tut, woran man glaubt, und das auch kann – dann ist das keine Mühe."

Und trotzdem geriet Weiler in eine Krise: Er war völlig überlastet, arbeitete rund um die Uhr und nahm das gar nicht mehr war. Sein Antrieb:

Man möchte die Anerkennung, man möchte gemocht werden.

Bis es eben nicht mehr weiter ging und er das Nein sagen lernen musste. Das fiel ihm schwer, doch mit guter professioneller Unterstützung schaffte er es, sein Leben neu zu sortieren.

Der Vier-Jahres-Plan

Der nächste Vier-Jahres-Plan steht schon: mit einer Fernsehserie und einem Kinofilm, mit Podcasts und weiteren Romanprojekten. Für all das braucht er die entsprechende innere Ruhe. Und die muss er sich erkämpfen.

Man muss sagen können, man ist bereit.
Jan Weiler und Tom Grote auf einer Bühne, Publikum im Vordergrund [Quelle: Radio Bremen, Anastasia Leichner]

Das Publikum in Oldenburg erlebte mit Jan Weiler einen Herbstgast, der pointenreich und witzig, aber auch sehr nachdenklich über sein Schreiben und sein Leben spricht. Und der bei aller Leichtigkeit, die seinen Büchern und Texten eigen ist, die Ernsthaftigkeit seines Tuns betont: Was er tut, ...

... das ist Arbeit, das ist kein Hobby. Wie ein Fliesenleger. Der sagt auch, 'ich muss die Küche machen'. Und ich muss Kapitel Sieben machen. Das ist meine Arbeit.

Moderation: Tom Grote

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. November 2019, 18:05 Uhr

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