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"Die erste Leiche vergisst man nicht"

Kriminalbeamter Jan Kunze

15. November 2019, 18:05 Uhr

Dass Ermittlungstaktiken und Verbrechen unserer ARD Radio Tatorte nicht völlig abstrus sind, dafür sorgt Polizist Jan Kunze. Das Nichtlösen eines Falls kommt deshalb öfters vor, als einem vielleicht lieb ist: "Das ist für mich die ganz wichtige Portion Realismus", sagt der Kriminalbeamte. Der aktuelle Fall "Das letzte Bier war schlecht" ist nun in der ARD Audiothek zu hören.

Jan Kunze [Quelle: Privat]
Jan Kunze ist im Netz lieber anonym unterwegs. [Quelle: Privat]

Das Gespräch zum Anhören:
"Das tägliche Scheitern des Polizisten gehört dazu" – Tatort-Berater Jan Kunze [34:25 Minuten]

"Das letzte Bier war schlecht" heißt der neue Radio Tatort von Radio Bremen, der am 18. November 2019 ausgestrahlt wird. Ben Safier ist dieses Mal als Autor verantwortlich, doch die meisten Kriminalhörspiele hat Jan Kunze mit dem Dramaturgen und Schriftsteller John von Düffel für Radio Bremen entwickelt. Beim ersten Mal hatte er lediglich Anmerkungen zum fertigen Drehbuch gemacht, später wuchs sowohl die Freundschaft als auch die Zusammenarbeit immer enger zusammen.

Ich habe übers Jahr Themen gesammelt, meine Augen und Ohren offen gehalten, geguckt, was in Bremen passiert, was für uns in Bremen gut funktionieren könnte und dann haben wir uns überlegt, wie wir einzelne Dinge zusammenwerfen.

Die Fälle, die Jan Kunze zusammen mit der Hörspiel-Redaktion von Radio Bremen entwickelt hat, waren durchaus im realistischen Bereich, sagt Kunze. Oft hatte die Fälle ein offenes Ende, ein Täter wurde nicht ermittelt.

Das war für mich die ganz wichtige Portion Realismus: Das tägliche Scheitern des Polizisten, das Nichtlösen eines Falls.

"Die erste Leiche vergisst man nicht – das ist so!"

Aber natürlich sieht der Alltag einen Kriminalkommissars häufig doch etwas anders aus, als im Radio Tatort: Vermerke schreiben, Akten zur Staatsanwaltschaft bringen – all das kommt im unterhaltenden Hörspiel nur selten vor: "Das wäre zu langweilig!", sagt Kunze. Dessen Karriere hat ganz klassisch im Streifendienst begonnen hat. Später wechselte er in die Kriminaldirektion und arbeitete zunächst für den Kriminaldauerdienst.

Es gibt Dinge, die vergesse ich nie wieder. Es gibt ein Buch einer Kollegin, das heißt "Die erste Leiche vergisst man nicht" und wenn man als junger Polizist so ein Buch kriegt, dann denkt man "naja". Und das ist so! Das weiß ich bis heute.

Das Rauschgift-Dezernat und der Bereich Wirtschaftskriminalität waren weitere Stationen seines Polizistenlebens. Viele Erinnerungen verblassen nach einigen Jahren, sagt Kunze. Doch eine Zeit lang sah das ganz anders aus.

Es gab schon Zeiten, da bin ich durch die Stadt gefahren und wusste: "Da ist der gestorben" und "Da war das".

Teilzeit im Job: Vielen fehlt die Bereitschaft dazu

Drei Computer und ein Laptop stehen heute in Kunzes Büro: Cybercrime heißt sein aktuelles Einsatzgebiet und Kunze beobachtet, welche Straftaten im Netz passieren. Weil er in diesem Job schon so viel Negatives gesehen hat, ist der Umgang mit Smartphone, Whatsapp und Onlinespielen bei Familie Kunze ein großes Konfliktthema. Streng, aber verantwortungsvoll seien er und seine Frau bei diesen Themen. Als Vater von zwei Kindern arbeitet er übrigens in Teilzeit. Leider ist das nicht die Normalität bei der Polizei, berichtet Kunze. Er sieht sich immer noch als Vorkämpfer in seinem Beruf.

Ich glaube vielen fehlt die Bereitschaft, das so zu machen. Für unsere Familie war das, glaube ich, die beste Entscheidung, das so zu machen. Weil beide Elternteile viel von den Kindern haben. Ich kenne alle Mitspieler aus dem Sportverein der Kinder, weiß wie der Musiklehrer heißt und aussieht und bin auch so für alle Probleme präsent.

Moderation: Franziska Rattei

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 15. November 2019, 18:05 Uhr

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