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Yair Bunzel und Osama Illiwat

"Kombattanten für den Frieden"

5. März 2020, 18:05 Uhr

Der Israeli Yair Bunzel und der Palästinenser Osama Illiwat sind Freunde; sie engagieren sich gemeinsam als "Kombattanten für den Frieden". Der Friedensinitiative geht es darum, die unterschiedlichen Perspektiven auf den iraelisch-palästinensischen Konflikt anzuerkennen und beide Seiten zu Wort kommen zu lassen. Sie wurde 2017 und 2018 für den Friedensnobelpreis nominiert. In der Gesprächszeit erzählen die Freunde von ihren unterschiedlichen Biografien und davon, was sie verbindet.

Osama Iliwat und Yair Bunzel stehen im Studio [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]
Osama Illiwat und Yair Bunzel (v.l.n.r.) [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kock]

"Wir brauchen keinen Friedensvertrag, damit wir Freunde sein können" - Israeli Yair Bunzel und Palästinenser Osama Illiwat [38:12 Minuten]

Kennengelernt haben sich Yair Bunzel aus Haifa und Osama Illiwat aus Jericho auf einem Treffen der "Kombattanten für den Frieden". Inzwischen sind sie Freunde; dabei könnten ihre Lebensläufe unterschiedlicher nicht sein: Bunzel war Offizier in der israelischen Armee, Illiwat saß als palästinensischer Widerstandskämpfer im Knast der Israelis und arbeitete bei der palästinensischen Polizei.

Wir sind beide Opfer und zugleich verantwortlich für diesen Konflikt.

Osama Illiwat

Osama Illiwat konnte als Kind während der Intifada von 1989 bis 1993 von seinem Bett aus das Tränengas riechen und die Schüsse hören. Miterleben zu müssen, wie sein Vater geschlagen und mitgenommen wurde, hat ihn geprägt: Für ihn waren es "die Juden", die seinen Vater misshandelten. An diesem Tag wurde aus seiner Furcht Hass, sagt er. Als 14-Jähriger fing Illiwat an, Widerstand zu leisten, und landete dann irgendwann auch im Knast. 2011 traf er Israelis, die auch für das Recht der Palästinenser kämpften und dadurch seine Sicht auf die Israelis und das jüdische Volk verändert haben.

Yair Bunzels Eltern konnten sich in Budapest vor den Nazis verstecken, aber ein Großteil seiner Großfamilie wurde in Auschwitz ermordet. Seine Erziehung war nie von Hass geprägt, aber das Trauma des Holocausts ist bis heute in der israelischen Bevölkerung präsent und damit auch die Angst. Bunzel war Offizier der israelischen Armee; auch seine Söhne sind zur Armee gegangen, um für die Sicherheit des jüdischen Volkes zu kämpfen. Erst als er die Menschen "auf der anderen Seite" und ihre Geschichten wirklich kennengelernt hat, hat er angefangen, seine Angst zu überwinden. Bei den "Combatants for Peace" setzen sich Illiwat und Bunzel nun für den Frieden ein.

Die zwei Narrative bleiben. Aber wir müssen dazu ein drittes Narrativ – insbesondere für die Zukunft – aufbauen. Ohne dass jeder erwartet, dass der andere auf sein eigenes Narrativ verzichtet und das andere Narrativ adaptiert.

Yair Bunzel

Moderation: Jutta Günther

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 5. März 2020, 18:05 Uhr

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