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Gesprächszeit

Hiltrud Oehlkers

Anhängerin der Bahá’í und Überraschungsgast von Bremen Zwei

20. August 2019, 18:05 Uhr

In der Gesprächszeit sind oft Literaten, Schauspielerinnen oder Politiker zu hören. Auf unseren heutigen Gast konnte sich Moderator Mario Neumann allerdings überhaupt nicht vorbereiten. Auf der Suche nach jemand völlig Unbekanntem ist ihm Hiltrud Oehlkers zufällig in der Bremer Innenstadt begegnet. Sie kommt aus Bremen-Findorff und ist Anhängerin der Bahá’í.

Hiltrud Oehlkers [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]
Hiltrud Oehlkers [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]

Hiltrud Oehlkers singt im Chor, geht zum Qigong und teilt sich mit ihrem Mann den Haushalt. Die 63-jährige lebt in Bremen-Findorff und war in der Bremer Innenstadt unterwegs, als sie spontan einen Gesprächszeit-Termin im Bremen-Zwei-Studio zugesagt hat. Denn wir haben beschlossen: Wir gehen immer mal wieder los und schauen, wen wir so treffen. Einfach, weil nicht nur mehr oder weniger prominente oder engagierte Menschen etwas zu sagen haben, sondern jeder eine Geschichte zu erzählen hat – seine Geschichte. Und so haben wir am Weltfrauentag eine etwas geheimnisvolle, gleichzeitig aber auch offene und ehrliche Bremerin in der Gesprächszeit zu Gast.

Ich hab' das Bild, dass jeder Mensch von Gott erschaffen ist und dass in ihm alle Möglichkeiten ruhen.

Zum Beten in den Dom

Gemeinsam mit ihrem Mann war Hiltrud Oehlkers auf den Weg in den Dom, um dort ein Gebet zu sprechen, als sie Gesprächszeit-Moderator Mario Neumann über den Weg gelaufen ist. Früher war sie katholisch, heute ist sie Bahá’í. Das Bahaitum ist die jüngste Weltreligion mit rund acht Millionen Anhängern, entstanden vor etwa 150 Jahren im Iran und weit verbreitet in Indien, Afrika und Amerika. Die Religion geht zurück auf zwei Stifter, die Mitte des 19. Jahrhunderts nach göttlichen Offenbarungen eine monotheistische Universalreligion mit einem transzendenten Gott in der Tradition Abrahams initiiert haben. Zur Bahá’í-Gemeinde in Deutschland gehören nach eigenen Angaben rund 6.000 Gläubige.

Ein Leben für die Gemeinschaft           

Hiltrud Oehlkers bedeutet der Glaube so viel, dass sie Anfang der Neunziger Jahre in den Osten Deutschlands umgezogen ist, um in Gera eine neue Bahá’í-Gruppe zu initiieren.

In der DDR-Zeit war es den Bahá’í untersagt, sich zu organisieren oder über die Bahá’í-Religion zu sprechen. Und nun waren ja alle Türen offen und dann haben mein Mann und ich uns entschlossen, nach Thüringen zu gehen.

25 Jahre später ging sie mit ihrem Mann zurück nach Bremen, zwar ohne eine Gruppe zu hinterlassen, aber trotzdem mit dem Gefühl, viel bewirkt zu haben. Sie arbeitete eine Zeit lang für den Thüringer Sängerbund, leistete einen Bundesfreiwilligendienst ab und engagierte sich bei interreligiösen Veranstaltungen. So haben viele Menschen erfahren, dass es das Bahaitum überhaupt gibt. Darüber freut sich Hiltrud Oehlkers. Sie hofft auf einen gesellschaftlichen Wandel, weg vom Konkurrenzdenken hin zu einem wohlwollenden Miteinander.

Als Bahá’í fühle ich mich mehr als Weltbürger. Da fühle ich mich schon verbunden mit allen Bahá’í, die ich irgendwann, irgendwo kennenlerne. Also auch mit denen in Erfurt und Leipzig wie mit denen in Bremen.

Flöten und Carillon

Außerdem spielt Musik im Leben der mutmaßlichen Akademikerin eine Rolle. Was und wie lange sie studierte, das wollte Hiltrud Oehlkers nicht verraten. Im Gespräch verriet sie nur, dass über Studienfreunde zum Bahaitum kam. Über die Faszination des Carillons erzählte sie dafür mit leuchtenden Augen. Dieses seltene Instrument, ein spielbares, großes Glockenspiel, hat sie in Gera als große Leidenschaft entdeckt.

Das hat unheimlich viel Spaß gemacht und das vermisse ich am meisten.

Das Carillon ist in Gera im Rathausturm zu finden und somit für viele Menschen nicht zu überhören. Auch ihre Blockflötengruppe hat sie in guter Erinnerung.

Das Gespräch zum Anhören:
"Bahai sein ist das Wesentliche meines Lebens" – Hiltrud Oehlkers [36:29 Minuten]

Moderation: Mario Neumann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 20. August 2019, 18:05 Uhr

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