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Gesprächszeit

Helge Achenbach

Ehemaliger Kunstberater

15. Oktober 2019, 18:05 Uhr

Vom Student der Sozialpädagogik über einige Umwege zum Kunsthändler und einem der erfolgreichsten Art Consultants Deutschlands. Dann Gefängnis wegen Betrugs – das ist der Lebensweg von Helge Achenbach in wenigen Worten zusammengefasst.

Ein Mann sitzt an einem Tisch und lächelt in die Kamera [Quelle: DPA, Rolf Vennenbernd]
Der ehemalige Kunstberater Helge Achenbach [Quelle: DPA, Rolf Vennenbernd]

Das Gespräch zum Anhören:
"Ich bin ein Narzisst" – der ehemalige Kunstberater Helge Achenbach [36:42 Minuten]

Früh übt sich

Aufgewachsen in einem kleinen Dorf, hat Helge Aachenbach bereits als Schüler erste Geschäfte gemacht, in dem er Seiten aus "Erwachsenenheften" vermietete und verkaufte. Das war ein erster Vorgeschmack auf seine Geschäftstüchtigkeit. Und vielleicht auch ein erstes Anzeichen für ein Talent als Betrüger.

Anfang der 1970er Jahre kam er an der Universität mit Kunststudenten in Kontakt. "Das waren spannende Typen." Als Achenbach in einer Werbeagentur als Nachtwächter arbeitet, wird er vom damaligen Personalchef, der außerdem Galerist war, ins eben dieses Handwerke eingeführt. Er war von der Möglichkeit fasziniert, mit dem Kunsthandel seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Kunstgeschichte hat mich peripher interessiert. Ich war in der Gegenwartskunst. Ich hatte eben nicht die Übersicht, was in der Gotik wirklich wichtig ist, oder in der Renaissance, oder im Barock. Das habe ich mir mühselig erarbeitet. Ich bin eben nicht dieser theoretische Kerl, sondern ich bin ein Pragmatiker.

Die Gier nach mehr

Helge Achenbach pflegte den Umgang mit Künstlern wie Joseph Beuys. Er war ein gern gesehener Gast auf Kunstmessen und wurde von anderen Händlern um seine Kunden beneidet. Heute sagt er von sich: "Ich bin ein Narzisst." Irgendwann kam zur Kunstliebe die Gier nach mehr.

Das erste Mal manipulierte er eine Rechnung aus Rache, weil er selbst über den Tisch gezogen wurde. Und weil diese Manipulation funktioniert hatte, warum sollte es bei anderen nicht auch klappen? Letztendlich wurde er 2015 unter anderem wegen Betrugs in 18 Fällen zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt.

Helge Aachenbach erklärt, wie lange es gedauert hat, bis ihm klar wurde, dass das, was er unter anderem mit Berthold Albrecht gemacht hat, Betrug war. Was der Verlust von Familie, Beruf, Vermögen, Reputation und Freiheit in ihm ausgelöst hat und wieso er in der Aufgabe Menschen zu unterstützen, die alles verloren haben, Zufriedenheit gefunden hat, all das ist Thema in dieser Gesprächszeit.

Moderation: Anja Goerz

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 15. Oktober 2019, 18:05 Uhr

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