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Heide Sommer

Ehemalige Sekretärin der Mächtigen und Autorin

10. August 2020, 18:05 Uhr

50 Jahre hat sie als Sekretärin mächtiger Männer von A wie Augstein bis Z wie Zuckmayer gearbeitet. Heide Sommer hat die politische und kulturelle Entwicklung der jungen Bundesrepublik hautnah miterlebt. Sie hat mit den geistigen Größen jener Zeit gearbeitet, gefeiert, deren Höhen und Tiefen aus nächster Nähe beobachtet und teilweise auch zu spüren bekommen.

Heide Sommer [Quelle: privat, Paula Markert]
Heide Sommer [Quelle: privat, Paula Markert]

"Ich tauchte ins Zeitgeschehen und in diese Menschen ein" – Ex-Sekretärin Heide Sommer [38:52 Minuten]

Bei der Presse, da lebte ich richtig auf. Ich tauchte ein ins Zeitgeschehen und in diese Menschen. Die Männer waren für mich eigentlich – ja natürlich Dienstherren, das ist ganz klar, ich war ja weisungsgebunden. Ich habe aber mein Vergnügen darin gefunden, ihnen alles möglichst recht zu machen.

Heide Sommer über ihre Arbeit bei der "Zeit"

Arbeiten für Alphatiere

Sie war immer die Frau im Hintergrund und ist erst mit dem Erscheinen ihres Buches "Lassen Sie mich mal machen" in die erste Reihe getreten. 1963 begann ihre Karriere als 22-jährige Sekretärin bei der "Zeit". Nachdem sie Theo Sommer, ihren späteren Mann, bei einer Podiumsdiskussion gesehen hatte, marschierte sie einfach ins Pressehaus, um nach einer Stelle zu fragen. Sie traf auf die stellvertretende Chefredakteurin und Mitherausgeberin Marion Gräfin Dönhoff. Diese fragte, ob die junge Frau Steno tippen könne. Und gab den Hinweis: "Pünktlich Feierabend gibt's hier nicht!“

Heide Sommer war das egal. Sie fing an bei der "Zeit" als Sekräterin an und begleitete so viele Alphatiere auf deren Weg. Einen "Lieblingschef" hatte sie aber nicht direkt:  

Mein erster Lieblingschef war natürlich mein späterer Liebhaber. Theo Sommer, das ist klar. Aber das ist eine Ausnahmeerscheinung, eine Sondergeschichte zwischen Theo und mir. Aber ich muss sagen, dass ich am Schluss wirklich sehr gerne für Fritz Raddatz gearbeitet habe und ihn sogar bis ans Ende seines Lebens begleiten konnte.

Ehe mit Theo Sommer

Sie war es, die den Journalisten F. J. Raddatz davon überzeugte, ein Buch über das Kennenlernen von Kurt Tucholsky und dessen Frau zu schreiben. Aber der Chef, der es ihr als Frau von Anfang an angetan hatte, das war Theo Sommer, der langjährige Chefredakteur und Herausgeber der "Zeit". Erst war sie seine Geliebte, später seine Frau und bekam mit ihm zwei Söhne. Doch die Ehe hatte keinen Bestand, der Alltag kam dazwischen. Heute sagt sie über ihn:

Theo ist der großherzigste und großmütigste Mensch, den ich kenne, der auch immer über sich selber lachen kann, wenn er ein Fauxpas begeht.

1966 wurde sie Sekretärin von dem Schriftsteller Carl Zuckmayer in der Schweiz. 1967 kehrte sie nach Hamburg zurück und landete nach kleineren Zwischenstationen beim "Spiegel" als Sekretärin von Joachim Fest, Günter Gaus und Rudolf Augstein. Anschließend arbeitete sie von 2001 bis 2015 für Fritz J. Raddatz und gleichzeitig von 2006 bis 2009 für das Ehepaar Loki und Helmut Schmidt.

Fritz J. Raddatz gratuliert Heide Sommer zum 70. Geburtstag [Quelle: privat]
Für Fritz J. Raddatz arbeitete Heide Sommer bis zu dessen Tod. [Quelle: privat]

Musikalisches Elternhaus

Ihr Vater stammte aus Bremen und studierte beim Komponisten Paul Hindemith, bis dieser in die Schweiz emigrierte. Ihm blieb eine Karriere als Dirigent im Nachkriegsdeutschland versagt. Letztendlich spielte er Bratsche im Orchester des NDR. Auch Heide Sommers Mutter war Musikerin. Da ihre beiden Brüder studierten, konnten ihre Eltern die Finanzierung eines weiteren Studiums nicht leisten, aber das war für Heide Sommer kein Problem – eine akademische Laufbahn war nie ihr Ziel.

Wie ihr Treffen mit Ariel Scharon verlief, warum sie gern LKW fahren würde und welchen ihrer Chefs sie selbst als Sekretär einstellen würde, verrät Heide Sommer in der Gesprächszeit.

Moderation: Martin Busch

Infos:
Heide Sommer: "Lassen sie mich mal machen. Fünf Jahrzehnte als Sekretärin berühmter Männer." Ullstein Verlag, 256 Seiten, 22 Euro.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 10. August. 2020, 18:05 Uhr

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