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Gotthilf Hempel

Meeresbiologe und AWI-Gründer

20. März 2019, 18:05 Uhr

Gotthilf Hempel hat zusammengerechnet knapp drei Jahre seines Lebens an Bord von Forschungsschiffen auf den Weltmeeren verbracht. Vor rund 40 Jahren war er Gründungsdirektor des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und lädt auch nach seinem 90. Geburtstag immer noch regelmäßig zu einem wissenschaftlichen Salon in Bremen ein. 

Gotthilf Hempel [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]
Gotthilf Hempel [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]

Schon während seiner Studienzeit in Mainz und Heidelberg begeisterte Gotthilf Hempel die Biologie stärker als sein zweites Fach Geologie. Wobei dafür nach Hempels Überzeugung in erster Linie die einzelnen Professoren- und Dozentenpersönlichkeiten ausschlaggebend waren. Das erste Mal promovierte er noch über die Physiognomie von Käfern, kam dann aber wegen seines Asthmas an die Küste und wurde Meeresbiologe.

Ich werde immer wieder seekrank, aber ich fahre gerne zur See. Das Meer ist einfach ein riesiger, faszinierender, sehr komplexer Lebensraum, in dem man alle großen ökologischen Phänomene sehr schön studieren kann.

Obwohl er aus einem Professorenhaushalt stammt, war Hempels Karriere alles andere als vorherbestimmt, sondern ergab sich durch eine lange Serie von Stipendien, unter anderem auf Deutschlands einziger Hochseeinsel Helgoland. 1967 wurde er Professor für Fischereiökologie in Kiel.

"Ich war gegen Bremerhaven"

AWI-Filmabend im City 46

Am 27. März zeigt das Kommunalkino City 46 den Filmabend "South", Frank Hurleys Dokumentation einer Antarktisexpedition von 1914. Beginn ist um 20 Uhr.

Sein erster Bremerhaven-Besuch ist Gottfried Hempel noch gut in Erinnerung: Es stank nach Fischmehl, als er aus dem Zug stieg. Hempel war gegen Bremerhaven als Standort für das neue Alfred-Wegener-Institut, doch er verlor den Streit durch ein Machtwort des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Anfang der 1980er Jahre war es schwer, Wissenschaftler nach Bremerhaven zu locken, erinnert sich der heute 90-Jährige. Und zwar wegen ihrer Frauen, die dort keine optimalen Arbeits- und Lebensperspektiven sahen.

Die Rekrutierung von Wissenschaftlern nach Bremerhaven war eigentlich mein schwierigster und interessantester Job während der ersten Jahre. Im ersten Jahr habe ich 400 Anstellungsgespräche geführt.

Heute arbeiten am Alfred Wegener Institut mehr als 1.000 Menschen bei einem Jahresetat von 140 Millionen Euro. 

"Ein 90-Jähriger soll fein stille sein..."

Es gab einige prägende Erlebnisse in den 90 Jahren, die Gotthilf Hempel bereits auf dieser Erde lebt. Er war zehn Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg begann. Sein Vater war als Militärpfarrer unterwegs, die Familie wurde in Berlin ausgebombt.

Ich habe den Krieg so fürchten gelernt, dass ich meinen Söhnen später nicht einmal erlaubte, mit einem hölzernen Revolver zu spielen. So tief war die Kriegsangst. Und die Überzeugung, dass Krieg etwas ganz Schreckliches ist, sitzt bis heute in mir.

Auf der anderen Seite schwärmt er von Eisbergpartys, vom multikulturellen Miteinander auf Forschungsschiffreisen und betont die wichtige Partnerschaft zwischen dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung in Bremen und den Tropenländern, die selbstbestimmt mit ihren Meeren und Ressourcen handeln sollen. Die wissenschaftliche Deutung der Zukunft überlässt er heute allerdings gern und freiwillig jüngeren Generationen.

Ein 90-Jähriger soll fein stille sein und sich seiner Marmelade erfreuen. Ein 90-Jähriger kann Historie beschreiben, kann Zeitzeuge sein – aber er soll kein Prophet sein.

Moderation: Mario Neumann

Das Gespräch zum Anhören:
"Das Meer ist ein faszinierender Lebensraum" – AWI-Gründer Gotthilf Hempel [38:18 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 20. März 2019, 18:05 Uhr

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