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Gesprächszeit

Evelyn Herrmann

Lohnbuchhalterin aus Ganderkesee

13. Dezember 2019, 18:05 Uhr

Evelyn Herrmann ist 56 und hat einen erwachsenen Sohn, von dessen Vater sie sich schon lange getrennt hat. Was sie bei der Hochzeit nicht wusste? Dass ihr heutiger Ex-Mann homosexuell ist. In der "Gesprächszeit" erzählt sie, wie sie jahrelang versucht hat, ihre Ehe zu retten, ohne etwas zu ahnen.

Evelyn Herrmann [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]
Evelyn Herrmann [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]

Das Gespräch zum Anhören:
"Mein Ex-Mann ist homosexuell" – Evelyn Herrmann [35:22 Minuten]

Eigentlich will Evelyn Herrmann nur eben ihr Sofa umtauschen, als sie Bremen Zwei Gesprächszeit-Moderator Mario Neumann im Eingangsbereich eines Möbelhauses in Delmenhorst über den Weg läuft. Die 56-jährige ist der spontane Typ und antwortet auf die Frage "Eine Stunde reden?": "Ja, können wir machen." Die Bürokauffrau und Buchhalterin verabredet sich für den nächsten Tag und erzählt im Bremen Zwei Studio die Geschichte ihres Lebens.

Puppen, Fußball und Mofa

Aufgewachsen ist Evelyn als zweitjüngstes von sechs Kindern auf dem Dorf. Sie spielte sowohl mit Puppen, als auch mit den Jungs Fußball. Ihr Vater war Schichtleiter in einer Linoleumfabrik, ihre Mutter erst zu Hause, später in der Bekleidungsindustrie in Delmenhorst. Auch wenn sie mit Schule so gar nichts anfangen konnte und ihr Vater sehr streng war, hat Evelyn eine schöne Kindheit und Jugend in Erinnerung. Das liegt auch an dem guten Verhältnis zu ihrem jüngeren Bruder. Die beiden sind in der gleichen Clique Mofa gefahren. Nur dass kein Geld für Reitunterricht da war, bedauert sie. Sie hätte gern reiten gelernt.

Meine Eltern waren sehr sparsam. Wir mussten schon auf das eine oder andere verzichten. In der Grundschule empfand ich das als schlimm, wenn die anderen in Urlaub fahren, was wir nicht konnten oder irgendwie besonders tolle Sachen bekommen haben, die wir uns nicht leisten konnten. Aber auf der anderen Seite haben meine Eltern sich auch immer bemüht.

Eine aufgehobene Ehe

Mit 29 bekommt sie einen Sohn und heiratet den Vater ihres Kindes, wie es auf dem Land damals so üblich war. Doch der steht eigentlich auf Männer, was er ihr viele Jahre verschweigt. Die Ehe ist immer wieder in schweren Krisen, Evelyn versucht zu retten, was zu retten ist. Bis es ihr zwei Tage vor Weihnachten reicht und sie ihren damaligen Mann bittet, das gemeinsame Haus zu verlassen. Später kommt dann raus, dass da zwar Zuneigung war, er aber schon seit seiner Jugend weiß, dass er homosexuell ist. Evelyn Herrman kämpfte also jahrelang einen aussichtslosen Kampf um ihre Ehe, die am Ende nicht geschieden, sondern aufgehoben wurde. 

Ich weiß ja, dass man den Schalter nicht einfach umlegen kann. Ich habe absolut nichts gegen Homosexuelle. Aber wenn ich das gewusst hätte, hätte ich ihn nie geheiratet.

15 Kilo weniger bis April 2020

Im Herbst gewinnt Evelyn die Teilnahme an einer Fitnessstudio-Challenge: 15 Kilogramm weniger bis Anfang April 2020 ist das Ziel. Das bedeutet, so gut wie jeden Tag rund zwei Stunden auf dem Laufband und an den Geräten schwitzen. Auch Ernährung spielt eine Rolle.

Ich hab schon immer gern Sport gemacht. War ganz früher mal Fitness-Trainerin. Ich glaube, meine Muskeln erinnern sich wieder, es fällt mir relativ leicht. Man nennt mich auch 'Miss Bein', weil ich da so viel Gewicht stemmen kann.

Das mit der Sport-Challenge passt gut, denn bei Evelyn ist zurzeit einiges im Wandel, privat und beruflich. Nächstes Jahr will sie endlich auch mal wieder Salsa tanzen gehen.

Kein Leben auf dem Ponyhof

Was man beruflich macht, macht was mit einem, stimmt Evelyn Herrmann Moderator Mario Neumann zu. Sie lernt Bürokauffrau im Autohaus, sattelt Finanzbuchhalterin drauf, wird Mutter, bekommt keinen Halbtagsjob sondern Sozialhilfe, dann die Weiterbildung in Sachen Lohn- und Gehaltsabrechnung. Zwischendrin springt sie bei einer Lungenembolie dem Tod von der Schippe. Dann landet sie in einer Spedition – ein Traumjob bis sich das Klima dort nach einem Führungswechsel ändert. Obwohl sie zwischendurch auch mal auf einem Reiterhof lebt und 60 Pferde versorgt, will sie dort nicht wieder hin. So sehr sie Tiere mag und Spaziergänge mit der kleinen Hündin ihres Sohnes genießt, so sehr hat sie das Bedürfnis, mehr mit Menschen zu arbeiten und etwas weiterzugeben.

Moderation: Mario Neumann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 13. Dezember 2019, 18:05 Uhr

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