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Etta Scollo

Musikerin

24. Mai 2019, 18:05 Uhr

Sie ist Sizilianerin, aber immer wieder gern im Norden. In Bremen hat sie einige Freunde und Etta Scollo spürt, dass es hier viel Offenheit für Kultur gibt. "Die Leute empfangen meine Musik sehr liebevoll, sehr interessiert", sagt sie. Am Freitag, 24. Mai, ist sie wieder in der Stadt – bei der Eröffnungsgala des Internationalen Literaturfestivals "Poetry On The Road" im Theater Bremen.

Etta Scollo auf der Bühne. [Quelle: Imago, Viennareport]
Etta Scollo [Quelle: Imago, Viennareport]

Musik, Literatur, Dichtung – das gehört für Etta Scollo zusammen. Man gebe immer etwas weiter, die Poesie der Literatur und der Musik fließe in anderen Menschen weiter, ist sie überzeugt. Immer wieder trifft sie auf neue Musiker, fängt neue Projekte an. Ihre jüngste CD heißt "Il Passo Interiore" – der innere Schritt. Die Lieder dafür hat Etta Scollo in den Jahren 2016 und 2017 komponiert. In einer Zeit "dazwischen", so Scollo.

In dieser Zeit sind sehr viele Dinge passiert – in der Politik, in der Ökonomie, in der Geschichte überhaupt und in der Geschichte Europas. Das heißt, in diesen zwei Jahren war ich sehr, sehr sensibel, um alle diese schlagartigen Veränderungen aufzunehmen: Trump in Amerika zum Beispiel oder der Beginn einer populistischen Sprache, die sich durchgesetzt hat und heute betrachtet fast normal geworden ist.

"Die Musik – da muss ich hin"

Mit sieben oder acht Jahren hatte Etta Scollo die ersten zaghaften Gesangsversuche gemacht. Als 18-Jährige zog es sie der Liebe wegen weg von Catania auf Sizilien ins norditalienische Turin. Sie heiratete und um sich das Geld fürs Kunst- und Architektur-Studium zu verdienen, arbeitete sie zunächst zweieinhalb Jahre als Schweißerin bei Fiat. Bei ihren wohlhabenden Eltern erntete sie für ihre Entscheidungen reichlich Unverständnis.

Dass ich mich entscheide, mit 18 zu heiraten und in der Fabrik zu arbeiten, hat mein Vater nicht kapiert. Ich habe versucht zu erklären, dass ich meine eigenen Wege gehen wollte und meine eigenen Erfahrungen machen wollte. Und das war sehr entscheidend! Ich habe verstanden, dass mein Herz, mein Charakter – das was ich bin – die Musik ist. Und da muss ich hin!

Gesangunterricht – langweilig, aber notwendig

Das Studium schmiss Etta Scollo wieder, sie ging mit ihrer Band auf Tour, landete – schon wieder wegen der Liebe – in Wien und nahm klassischen Gesangsunterricht am Konservatorium. Langweilig, aber notwendig, resümiert Etta Scollo.

Ich war sehr entschieden, das zu machen, was ich wollte. Nämlich Blues und selber Lieder schreiben. Ich habe mich kaum interessiert für Musicals oder Operetten.

"Für mich ist es wie eine Therapie auf Sizilianisch zu singen"

Plakate Poetry on the Road [Quelle: Radio Bremen, Michael Augustin]
Am 24. Mai ist Etta Scollo um 20 Uhr zu Gast im Theater Bremen. [Quelle: Radio Bremen, Michael Augustin]

Was aber immer eine Rolle in Etta Scollos Leben gespielt hat, ist die sizilianische Musik. In Momenten der Krise nimmt sie ihre Gitarre und spielt sich die Last mit alten, sizilianischen Liedern von der Seele. Seit 2003 recherchiert Scollo intensiv für ihre sizilianischen Musik-Projekte, zum Beispiel zu arabischen Poeten auf Sizilien im 9. Jahrhundert.

Es ist etwas, was mich prägt, immer noch.

Ihre Lieder sind wie ein Tagebuch, sie zeichnen die Stationen von Etta Scollos Leben nach. In ihren Songs beschäftigt sich die gebürtige Sizilianerin mit Wahlheimat in Berlin mit Themen wie Migration und Flucht, mit biografischen Schicksalen und den Geschichten Siziliens.

Das Gespräch zum Anhören:
"Sizilianisch zu singen ist für mich wie eine Therapie" – Etta Scollo [38:30 Minuten]

Moderation: Kristin Hunfeld

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 24. Mai 2019, 18:05 Uhr

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