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Dmitry Glukhovsky

Journalist und Autor

29. Oktober 2019, 18:05 Uhr

Moskau nach einem Atomkrieg: Vor diesem Hintergrund hat Dmitry Glukhovsky seine erfolgreiche Metro-Trilogie über das Überleben im U-Bahn-Geflecht der russischen Hauptstadt geschrieben. Auch als Computerspiel kann man die dystopische Geschichte nachspielen. Doch der vielseitige Autor und Journalist will sich nicht auf das Genre "Science-Fiction-Roman" festlegen lassen.

Der russische Schriftsteller Dmitry Glukhovsky. [Quelle: DPA, Wolfgang Kumm]
Dmitry Glukhovsky [Quelle: DPA, Wolfgang Kumm]

Dmitry Glukhovsky ist ein Weltbürger. Er hat für "Euro News" und die "Deutsche Welle" gearbeitet, eine Zeit lang als Reporter für "Russia Today" und für Zeitungen wie "Die Zeit" geschrieben. Geboren in Moskau, studierte er zudem in Israel, arbeitete in Frankreich und lebte einige Zeit auch in Deutschland.

Schon mit 18 Jahren schrieb er in Israel seinen ersten Science-Fiction-Roman: Den ersten Teil seiner dystopischen Metro-Trilogie. In "Metro 2033" geht es um das Leben und Überleben im Moskauer U-Bahn-Netz nach einem nuklearen Krieg. Die Idee dazu kam ihm allerdings schon mit 15 Jahren, als er als Schüler einer speziellen Fremdsprachenschule täglich durch die russische Hauptstadt fuhr.

Die Stationen der Moskauer U-Bahn kann man als Museum oder als Palast betrachten, nicht nur als urbanistische Verkehrsinfrastruktur.

"Metro 2033": Tunnel voller Geheimnisse

Nach der Perestroika wurde bekannt, dass die Moskauer U-Bahn als ein riesiger Atombunker konstruiert war. Schnell kam auch das Gerücht auf, dass es unter Ministerien und Geheimdienstgebäuden geheime Stationen für einen zusätzlichen Metroverkehr gab.

Das war eine erstaunliche Entdeckung für mich, natürlich. Dieser öffentliche Verkehr, den ich tagtäglich benutzt habe, war plötzlich voller Geheimnisse.

Die Idee zu "Metro 2033" war damit geboren. Das Buch um Romanheld Artjom schrieb Glukhovsky dann als er in Israel eine neue Perspektive auf die Weltgeschichte entdeckte. In Russland, sagt er, hatte er eine ganz bestimmte ideologisch beeinflusste Sicht auf die Geschehnisse des 20. Jahrhunderts in Europa. In Israel lernte er dagegen die amerikanische Sichtweise auf den Zweiten Weltkrieg und den anschließenden Kalten Krieg kennen.

Die Sowjetunion war plötzlich kein Opfer und kein Gewinner, sondern ein Land, das auch für Krieg verantwortlich war. Das haben wir natürlich niemals gelernt.
Buchcover: Metro 2035 [Quelle: Verlag Heyne]
"Metro 2035" ist der dritte und letzte Band von Glukhovskys Metro-Trilogie [Quelle: Verlag Heyne]

"Text": "Das ist das Russland von heute!"

Mit "Metro 2034" und "Metro 2035" vollendete der russische Autor seine erfolgreiche Trilogie. Doch sich festlegen lassen auf das Genre "Dystopie" oder "Science-Fiction-Roman", das will der 39-Jährige nicht. "Ich möchte keine Geisel von meinem vorherigen Erfolg sein", sagt er. Im letzten Jahr erschien in Deutschland Glukhovskys Gegenwarts-Roman "Text". Darin geht es um einen jungen Studenten, der unschuldig im Gefängnis landet und der später den Polizisten, der ihn ins Gefängnis brachte, umbringt und in dessen Rolle schlüpft. Der Roman ist damit eine Kritik an der Machtstruktur der Polizei in Russland, gegen die der Einzelne nicht ankommen kann, so Glukhovsky.

Die wichtigste Sache, die ich mit diesem Buch erreicht habe, ist die genaue Spiegelung unserer Gegenwart. Alle Leute, die das Buch in Russland gelesen haben, haben gesagt: 'Das ist das Russland von heute!'

Geschichten für alle Genres

Geschichten erfindet Dmitry Glukhovsky aber nicht nur für Bücher, sondern auch fürs Theater, für Computerspiele oder das Kino. Aus "Text" hat Dmitry Glukhovsky schon ein Theaterstück geschrieben, während "Metro 2033" als Computerspiel erschienen ist.

Außerdem ist er weiter als Journalist in Russland tätig. Über russische Propaganda und Berichterstattung in Russland, seine eigene journalistische Arbeit über Putin bei "Russia Today" und natürlich seine Arbeit an seinen Romanen, spricht Dmitry Glukhovsky in der "Gesprächszeit".

Das Gespräch zum Anhören:
"Die Metro war plötzlich voller Geheimnisse" – Autor Dmitry Glukhovsky [38:54 Minuten]

Moderation: Ziphora Robina

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 29. Oktober 2019, 18:05 Uhr

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