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Dirk Nemitz

Kryoniker

20. Februar 2020, 18:05 Uhr

Dirk Nemitz glaubt an ein Leben nach dem Tod. Er investiert sogar Geld in seine Wiedergeburt und hofft darauf, dass Medizin und Wissenschaft irgendwann einmal soweit sind, Tote zum Leben erwecken zu können. Deshalb lässt er sich nach seinem Ableben einfrieren, kryokonservieren, um in 100 oder 1000 Jahren einfach weiterzuleben.

Dirk Nemitz [Quelle: Dirk Nemitz]
Dirk Nemitz [Quelle: Dirk Nemitz]

Das Gespräch zum Anhören:
"Die beste Option ist gar nicht zu sterben" - Kryoniker Dirk Nemitz [37:48 Minuten]

Die uns gegebene Lebensspanne reicht nicht aus, um auch nur die Hälfte von dem zu machen, was man gern noch tun würde; um die Orte zu sehen, Musikinstrumente zu lernen, Sprachen zu lernen, oder auch nur alle Bücher zu lesen, die im Regal stehen.

Dirk Nemitz ist Ende 20 als er einen Vertrag mit einem US-amerikanischen Kryonik-Unternehmen abschließt. Er studiert damals in den USA und trifft zufällig einen Mann, der sich nach seinem Tod einfrieren lässt. Nemitz, von Haus aus Biologe und Forstwissenschaftler, recherchiert intensiv; sein wissenschaftlicher Eifer ist geweckt. Als er keine ihn überzeugenden Gegenargumente zur Kryonik findet, entscheidet er sich ebenfalls für die Tiefkühl-Konservierung. Seit über 10 Jahren engagiert Dirk Nemitz sich auch im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Angewandte Biostase DGAB und hält Vorträge über die Möglichkeiten und Grenzen der Kryonik.

Kryonik ist eigentlich nur die zweitbeste Option – die beste Option ist gar nicht zu sterben.

11 Euro im Monat investiert der Kryoniker in sein zweites Leben. Insgesamt wird die Prozedur ca. 45 000 US Dollar kosten: Im Falle seines Todes muss er schnellstmöglich von einem Balsamierer mit einer Art Frostschutzmittel behandelt und stark gekühlt werden, um ins Kryonik-Institut nach Detroit überstellt zu werden. Hier lagert er dann in einem Tank bei -196 Grad so lange bis ihn die Mediziner der Zukunft aufwecken und so behandeln können, dass er wieder leben kann. Wie, wann und ob das jemals möglich sein wird, ist aber bis heute nicht erforscht. Nemitz wettet also auf die Zukunft.

Ich habe ja nichts zu verlieren in dem Moment, ich habe ja eine Chance, dass ich mehr Leben bekomme und muss relativ wenig dafür einsetzen.

Diese Experiment, was manche als totaler Unsinn abtun, ist für Nemitz aber sinnvoller als verbrannt oder erdbestattet zu werden. Dank der Kryonik blickt der heute Anfang 40-Jährige aber auch deutlich entspannter auf das Thema Altern.

Moderation: Maria Hecht

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 20. Februar 2020, 18:05 Uhr

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