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Denis Scheck

Literaturkritiker und "druckfrisch"-Moderator

24. Februar 2020, 18:05 Uhr

Anzug mit Stecktuch und ein freundlicher Blick hinter runden Brillengläsern: Denis Scheck wirkt korrekt und nett. Trotzdem kann er mit sanfter Stimme Manchen das Fürchten lehren – nämlich all jenen, deren Bücher er sich in seiner ARD-Sendung "druckfrisch" vornimmt. Denn wenn der Literaturkritiker sich über die Spiegel-Bestsellerliste hermacht, geht er nicht zimperlich vor.

Denis Scheck [Quelle: DPA, Ulrich Baumgarten]
Denis Scheck [Quelle: DPA, Ulrich Baumgarten]

Das Gespräch zum Anhören:
"Ich hatte eine Affenliebe zu Science Fiction" – Literaturkritiker Denis Scheck [37:08 Minuten]

Er ist kritisch, wenn er ein Buch schlecht findet, genauso engagiert kämpft er allerdings für ein gutes Buch. Sehr gute Bücher können sogar den Blick auf die Welt verändern, sagt Denis Scheck :

Ein Buch, das zur Weltliteratur zählt, verändert tatsächlich meine Weltanschauung: Nehmen wir mal Franz Kafka, Samuel Beckett, Virginia Woolf, Gertrud Stein – ich nehme die Welt danach anders wahr. Wenn Sie Beckett gelesen haben oder Kafka, dann gehen Sie mit anderen Augen zum Steuerberater, zum Arzt oder zum Bauamt.

Bevor er sich allerdings selbst den Klassikern der Weltliteratur zuwandte, galt seine Leidenschaft ganz speziellen Genres.

Ich entwickelte eine Affenliebe als kleines Kind zu Science Fiction, Fantasy und Horror. Ich hab das mit einer Passion geliebt, wie andere Kinder ein Musikinstrument lieben.

Donald Duck steht ebenbürtig neben Shakespeare

Um seine amerikanischen Science-Fiction-Helden auch deutschsprachigen Lesern bekannt zu machen, gründete er als 13-jähriger eine Literatur-Agentur und verkaufte Lizenzen. Mit den Autoren verhandelte er telefonisch bis in die USA und nach Australien, sodass bei der Familie Scheck öfters vierstellige Telefonrechnungen eingingen, für die dann netterweise die großzügige Großmutter aufkam.

Entsprechend der eigenen Lese-Sozialisation zählt Denis Scheck auch Comics durchaus zur Weltliteratur. In seinem jüngsten Buch "Schecks Kanon – die hundert wichtigsten Werke der Weltliteratu"  stehen die Peanuts und Donald Duck neben Shakespeare und Goethe:

Ich möchte Genres überwinden, ich möchte Sprachgrenzen überwinden, ich möchte geografische Räume überwinden.

Kein Tag ohne Lektüre

Denis Scheck hat in den USA studiert und als Übersetzer englischsprachiger Literatur gearbeitet. Nach wie vor ist er international gut vernetzt:  

Natürlich strebt Literaturkritik nach Macht. Ich möchte guten Büchern möglichst viel Förderung zukommen lassen und ich möchte schlechten Büchern entschieden schaden.

Abgesehen von der Kindheit ist in seinem Leben noch kein Tag ohne Lektüre vergangen und Denis Scheck nutzt nach wie vor jede Sekunde zum Lesen. Deshalb bevorzugt er morgens die Badewanne statt der Dusche und reist nicht im Auto, sondern im Zug.

Wenn Denis Scheck gerade keine Bücher kritisiert oder schreibt und auch in keiner Jury sitzt, dann kocht er gern. Sein Hobby hat er wiederum seiner Großmutter zu verdanken – die war Köchin beim ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss.

Moderation: Christine Gorny

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 24. Februar 2020, 18:05 Uhr

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