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Gesprächszeit

David Albrecht

Parfüm-Kreateur

16. August 2019, 18:05 Uhr

"Düfte kann man nicht posten – noch nicht", sagt David Albrecht. Aber der Parfüm-Kreateur, der sein Handwerk in Frankreich gelernt hat, verfolgt die digitale Entwicklung genau. In Frankfurt am Main führt der 41-Jährige ein seit 1732 bestehendes altes Familiengeschäft und schließt die Reihe der Unternehmer, die in dieser Woche in der Gesprächszeit zu Gast waren.

David Albrecht [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kolkmann]
David Albrecht [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kolkmann]

Das Gespräch zum Anhören:
"Parfüm zu kreieren ist keine Hexerei" – David Albrecht [37:30 Minuten]

Längst nutzen die Spitzen-Parfümeure den Computer als Duftorgel. Mit den synthetischen Duftstoffen sind die Variationsmöglichkeiten unendlich geworden – ein ganzes Universum an Phantasie-Parfüms erschließt sich. David Albrecht, 41-jähriger Parfüm-Kreateur aus Frankfurt am Main, benutzt lieber Reagenzkolben. So, wie der berühmteste Kunde des Familiengeschäfts mit fast 300-jähriger Tradition: Johann Wolfgang von Goethe. Der kam an der Hand seiner Mutter in die damalige Materialwarenhandlung in der Frankfurter Altstadt, um Chemikalien für naturwissenschaftliche Versuche mit seinem Privatlehrer einzukaufen.

Wir haben ja schon ganz früh Düfte gemacht – also schon zu den Zeiten, als es noch eine Materialwarenhandlung und Gewürzhandlung war – es sind also erste Duftwässerchen kreiert und produziert worden, ganz einfach: mit Bergamotte, mit Zitrus, auch mal mit Rose und wir haben das zu unserem 275-jährigen Jubiläum wieder aufgegriffen und 'Goethes Rosenwasser' rausgebracht.

"Parfüm machen kann jeder!"

Von klein auf waren David Albrecht und seine beiden Brüder in das Geschäft der Eltern einbezogen – Parfüm bestimmt das Leben der Familie mit inzwischen drei Ladengeschäften in der Frankfurter City. Die Eltern sind noch präsent, aber die Söhne stehen jetzt in der ersten Reihe. David ist Geschäftsführer – und gelernter Historiker. Nun verkauft er zu den Düften auch eine Geschichte.

Wie man Parfüms macht, hat er in Frankreich gelernt, in Grasse, dort, wo unter anderem Patrick Süskinds berühmter Roman "Das Parfum" spielt. Albrecht sagt: "Parfüm machen kann im Prinzip jeder!"

Ich vergleich’s immer so’n bisschen mit Kochen. Kochen kann – in der Theorie – auch jeder, es ist halt die Frage, was dann als Ergebnis dabei herauskommt. Im Prinzip ist das keine Hexerei, man kann das lernen, man kann üben, trainieren – dann kann es theoretisch jeder, ist die Frage, auf welchem Niveau.

Chemie ist der Schlüssel zur Kreation

Er sei als Parfüm-Macher vergleichbar mit einem sehr guten Hobby-Koch, der in der Lage ist, für Freunde und Bekannte ein tolles Menü darzustellen, erzählt David Albrecht. Und er hat, ebenso wie die ganze Familie und die Mitarbeiterinnen im Geschäft, bestens trainiert. David Albrecht kann etwa 3000 Düfte auseinanderhalten – der Laie muss im Normalfall nach fünf Düften schon passen.

In der Top-Klasse der Parfümeure gebe es nur wenige Dutzend Sterne-Künstler. Der Weg dahin sei sehr beschwerlich, ausgebildet wird in Frankreich, in Deutschland seit ein paar Jahren auch in Holzminden. Und ohne ein Studium der Chemie gehe es eigentlich nicht, sagt Albrecht, der sich selbst nicht als Parfümeur bezeichnen möchte, sondern als Parfüm-Kreateur. Ihn fasziniert die Mischung aus Kreativität und Naturwissenschaft.

David Albrecht [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kolkmann]
David Albrecht [Quelle: Radio Bremen, Birgit Kolkmann]

Düfte ohne Grenzen

Er mag natürliche, frische Düfte, verwendet selbst ein Parfüm mit Zitrus- und Feigenduft. Aber gegen synthetische Duftstoffe hat er nichts einzuwenden, so, wie die meisten Parfüm-Erfinder:

Und das ist eben das Schöne, was uns die synthetischen Fantasie-Duftstoffe gebracht haben, die haben das Spielfeld ungemein vergrößert. Vorher – das hat mir auch mal ein Parfümeur gesagt – das war dann irgendwann ein bisschen langweilig. Die natürlichen Duftstoffe sind natürlich endlich – bei den synthetischen sind ihnen keine Grenzen gesetzt.

Trotzdem respektiert David Albrecht natürlich, wenn seine Kunden "ihren" Düften treu bleiben – wie ein älterer Herr, der als Jugendlicher einmal ein Parfüm von seinem Vater geschenkt bekam.

Statussymbol oder Mitbringsel aus Europa

Ob Wohlgefühl, kultiviertes Erscheinen oder der Duft als Statussymbol für den Frankfurter Investmentbanker – David Albrecht kennt seine Kundschaft, die von überall her kommt. Auch viele Touristen sind dabei, Käufer aus dem arabischen Raum – die suchen orientalische Grundnote mit europäischem Flair – und kaufen nicht selten gleich mehrere Flakons.

Die Moden wechseln, und es entstehen ständig neue Parfüms – rund 200 bis 300 im Jahr, von denen 97 Prozent wieder vom Markt verschwinden. Die Klassiker aber bleiben. Das Faszinierende daran ist der Faktor Mensch: Bei jedem riecht der Duft anders!

Noch sind Düfte etwas ganz Animalisches, fast Archaisches, was wir auch noch nicht so ganz rational fassen können und das macht natürlich einen sehr großen Reiz dieses Gebiets aus.

Moderation: Birgit Kolkmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 16. August 2019, 18:05 Uhr

Mehr Unternehmer und Firmengründerinnen in der Gesprächszeit:

Antje Große-Entrup, Tatortreinigerin Eric Wrede, Bestatter mit neuen Ansätzen Mudar Mannah, Erfinder einer veganen Käse-Alternative Martina Bergmann, Verlegerin, Buchhändlerin und Autorin in Personalunion
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