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Colin Böttger

Tennis-Coach aus Bremen

5. August 2020, 18:05 Uhr

Der große Mann mit den blonden Haaren hat eine gewisse Aura und ist wortgewandt. Colin Böttger geht spazieren, als er das Schild sieht: "Eine Stunde reden?" Er gibt sich geheimnisvoll, nicht unmittelbar verfügbar – aber auch nicht abgeneigt. Trotz seiner Befürchtung, er werde sich um Kopf und Kragen reden, erzählte Colin Böttger uns im Juni 2020 die Geschichte seines Lebens.

Überraschungsgast Colin Böttger [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]
Überraschungsgast Colin Böttger [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]

Das Gespräch zum Anhören:
"Ich bin immer irgendwo abgebogen" - Colin Böttger [38:14 Minuten]

Die Corona-Krise ist absolut nicht sein Ding. Ihn nerven sowohl die maskierten Menschen, als auch die Maskenverweigerer, die ohne Abstand zu halten, herumklüngeln. Rational begründen kann er beides nicht. Er selbst hat eine Profi-Maske, was ihm seiner Ansicht nach keiner zugetraut hätte, denn er war spontan als Auslieferer für eine Apotheke eingesprungen. Beruflich hat er schon einiges ausprobiert: Er hat Philosophie studiert, drei Bücher geschrieben und mehrfach gejobbt.

Ich habe bei der Müllabfuhr gearbeitet, solche Sachen – alles während des Studiums. Dann unterrichte ich noch kreativ, schreibe jetzt im Rahmen des Bremer Literaturkontors...

Tennis-Coach mit Leib und Seele

In einem früheren Job ging es auch mal um das Ausbringen von Fledermaus-Horchkästen in unbebauten, unwegsamen Gebieten, weswegen Colin bis heute schlichte, preisgünstige Autos als Fortbewegungsmittel bevorzugt. Sein berufliches Zuhause hat er inzwischen im Sport seiner Kindheit gefunden: In der Tennisschule in Horn-Lehe, die seit einiger Zeit den Betrieb wieder aufgenommen hat, ist Böttger sein eigener Chef – und Coach mit Leib und Seele.

Ich merkte, dass mir das irgendwie Spaß macht und dass ich das irgendwie gut konnte – also, das Beibringen.

Vom Philosophiestudium über ein Schriftsteller-Dasein hin zum Tennistrainer – Colin ging nicht unbedingt den direkten, absehbaren Weg. Inzwischen ist er allerdings angekommen, ist glücklich und zufrieden, der anstehende 50. Geburtstag bringt ihn nicht aus der Ruhe. Er leitet auch noch eine Schreibwerkstatt und er sieht es gerne, wenn ihn seine Schüler übertreffen, erfolgreich sind und ihre Talente weiter entwickeln. Sein Talent ist das Unterstützen, das Motivieren, das richtige Wort im passenden Augenblick.

Leidendes Vaterherz

Ein etwas wunder Punkt ist die Sache mit der eigenen Familie – das lief alles anders als geplant. Inwiefern eine Gluten-Unverträglichkeit dafür verantwortlich ist, ist schwer zu sagen. Auf jeden Fall bedauert Colin, dass er kaum Alltag mit seinen Kindern haben konnte. Insgesamt scheint er aber auch nach vielen Reisen nach Nordamerika, wo er bei Indianern gelebt hat – den Helden seiner Kindheit – inzwischen mit dem Tennisschläger in der Hand angekommen zu sein.

Ich habe eigentlich die Haltung, dass sich das sehr gut alles findet.

Moderation: Mario Neumann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 5. August 2020, 18:05 Uhr

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