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Gesprächszeit

Christa Drews

Seniorin aus Bremerhaven

12. April 2019, 18:05 Uhr

Sie war auf dem Weg vom Supermarkt über die "Alte Bürger" zurück zum Seniorenheim in Bremerhaven-Lehe, in dem sie ihr Zuhause hat. Dann traf die 83-jährige Christa Drews auf Gesprächszeit-Moderator Mario Neumann, der einen Gesprächsgast suchte. Ohne etwas von ihr zu wissen, haben wir Christa Drews spontan ins Studio eingeladen.

Christa Drews  [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]
Christa Drews [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]

"Ja Drews, wie Jürgen Drews", sagt sie und schiebt ihren Rollator weiter. Sie hat sich fein zurecht gemacht, Kleidung und Schmuck aufeinander abgestimmt und ist sehr redselig. Schon nach wenigen weiteren Schritten ist klar: Diese Frau hat wirklich was zu erzählen und ist ein offener, herzlicher Mensch. Christa Drews umarmt das Leben, auch wenn sie es nicht immer leicht hatte.

Ich denke auch immer: "Was geht es den Menschen doch heute gut..."

"Eine Stunde reden?"

Mit diesem Schild in der Hand hatte Gesprächszeit-Moderator Mario Neumann Christa Drews getroffen und gefragt, ob sie ihm nicht die Geschichte ihres Lebens erzählen wolle. "Ja, warum nicht. Ja gerne jetzt gleich." Eben mit der Heimleitung alles geklärt, den Rollator eingepackt und ab ins Radio Bremen Studio im Bremerhavener Columbus-Center. Dort reiht Christa Drews eine Anekdote an die nächste, lacht viel, erzählt mit leuchtenden Augen, seufzt aber auch immer wieder.

Flucht aus Pommern in den Nordwesten

Nach der Flucht aus dem damals pommerschen Stargad in der Nähe von Stettin ist Christa Drews in Bremervörde aufgewachsen, mit einer ganzen Schar an jüngeren Brüdern. Aufgenommen wurden sie bei einer Apfelbäuerin, die die Flüchtlinge eigentlich gar nicht haben wollte.

Die mochte uns überhaupt nicht. "Oh nein, diese Flüchtlinge...." hat sie immer gesagt.

Ihr Vater arbeitete auf der Werft, ihr späterer Mann Ewald auch. Völlig unpassend, dass dessen Mutter den großen, starken Mann "Waldi" nannte, schüttelt Christa den Kopf. Sie ist eine starke Frau, die nicht einfach bei irgendwem mit ins Zelt gegangen ist. Trotzdem gab es damals keine Aufklärung, und so war sie plötzlich Ende der Fünfziger schwanger.

Meine Mutter hatte zu mir gesagt: "Also, wenn du später deine erste Periode hast, sind das Blutungen. Und das andere erkläre ich dir später." – Und das hat sie nie gemacht!

Zwei Kinder überlebt

Zu den wohl härtesten Schicksalsschlägen der langjährigen Aldi-Kassiererin gehört der frühe Tod ihres Sohnes durch einen Autounfall und später der Verlust ihrer älteren Tochter, die chronisch krank war. Doch es gelingt Christa Drews, loszulassen. Sie hat ihr Leben weiter aktiv gestaltet, bis zum heutigen Tag.

Ich habe gedacht: "Ich lebe noch – und bin froh darüber."
Christa Drews  [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]
Christa Drews [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]

Obwohl es um sie herum etliche Menschen gibt, die sich gehen lassen, mit Demenz zu kämpfen haben oder manchmal auch einfach ein bisschen "lahmarschig" sind – Christa Drews fühlt sich wohl, in der obersten Etage des Seniorenheims. Sie kommt weitgehend allein zurecht, auch wenn das Personal manchmal nur sehr wenig Zeit hat und gönnt sich jeden Abend ein halbes Glas halbtrockenen Rotwein.

Ich bete, dass es mir bis zum Ende gut geht!

Moderation: Mario Neumann

Das Gespräch zum Anhören:
"Ich bete, dass es mir bis zum Ende gut geht!" – Überraschungsgast Christa Drews [38:30 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. April 2019, 18:05 Uhr

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Hiltrud Oehlkers, Anhängerin der Bahá’í aus Bremen
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