Livestream

Bremen Zwei Sendungen Gesprächszeit

Gesprächszeit

Bijan Moini

Jurist und Bürgerrechtler

17. Februar 2020, 18:05 Uhr

Künstliche Intelligenz drängt immer weiter in unser Leben vor. Das wird unseren Alltag in mancher Hinsicht einfacher und komfortabler machen – aber uns auch vor große Herausforderungen stellen, warnt Bijan Moini. Der promovierte Jurist hat mitgeholfen, das bayerische Polizeiaufgabengesetz vor das Bundesverfassungsgericht zu bringen.

Bijan Moini vor dem Bundesverfassungsgericht [Quelle: Bijan Moini, Paul Lovis Wagner]
Bijan Moini vor dem Bundesverfassungsgericht [Quelle: Bijan Moini, Paul Lovis Wagner]

Das Gespräch zum Anhören:
"Eine fehlgeleitete Digitalisierung droht unsere Freiheit zu beschneiden" – Bürgerrechtler Bijan Moini [39:16 Minuten]

Bijan Moini hat gerade sein zweites Buch veröffentlicht. Seine Streitschrift "Rettet unsere Freiheit!" will der 35-Jährige als "Weckruf im digitalen Zeitalter" verstanden wissen. Ein Weckruf an uns alle:

Eine von Machtinteressen fehlgeleitete Digitalisierung droht gerade unsere Freiheit zu beschneiden, vielleicht sogar abzuschaffen im Extremfall. Dafür gibt es leider schon Beispiele auf der Welt. In den USA in Anfängen, in China bereits in großem Maße. Und wenn wir nicht verdammt aufpassen, dann droht auch uns ein Staat, in dem vor allem Minderheiten schon bald nichts mehr zu lachen haben könnten.

Technik gegen die Freiheit des Einzelnen

Informationen zu Moinis Büchern

"Rettet unsere Freiheit! Ein Weckruf im digitalen Zeitalter" ist im Januar im Atrium-Verlag erschienen. Moinis Roman "Der Würfel" über eine von einem Algorhythmus beherrschte Gesellschaft ist bereits 2019 erschienen.

In China habe die Überwachung bereits ein beängstigendes Ausmaß angenommen – dank unzähliger intelligenter Videokameras, die die Bürger auf Schritt und Tritt verfolgen. Und dank des geplanten "Sozialkreditsystems": Es soll regimetreue Handlungen der Bürger belohnen, unliebsames Verhalten mit Punktabzug und Sanktionen bestrafen. Szenarien, von denen Deutschland noch weit entfernt ist. Allerdings gebe es auch hierzulande erste Versuche, die voranschreitende Technik gegen die Freiheiten der Bürger einzusetzen. Zum Beispiel, wenn künstliche Intelligenz die Arbeit von Polizei und Sicherheitsbehörden unterstützt, so Moini:

Es wird wahrscheinlich sehr viel mehr Festnahmen von Menschen geben, von denen man meint, dass sie gefährlich geworden wären, bzw. Straftaten begangen hätten. Aber man wird natürlich nie wissen, ob sie diese Straftaten tatsächlich begangen hätten. Das ist ein Kernproblem unseres Vertrauens in Technik und in Algorithmen, in das Vertrauen von Big Data – dass wir ihnen mehr zusprechen, als sie tatsächlich leisten können.

"Regulieren, was uns nützt – verbieten, was uns schadet"

Als Syndikus für die in Berlin ansässige "Gesellschaft für Freiheitsrechte" hat Moini wesentlich dazu beigetragen, das bayerische Polizeiaufgabengesetz vor das Bundesverfassungsgericht zu bringen. Dieses erlaubt Polizei und Staatsanwaltschaften etwa, Personen auch dann zu überwachen, wenn kein konkreter Tatverdacht gegen sie vorliegt. Dennoch, so Moinis Fazit, könne es nicht darum gehen, auf die Annehmlichkeiten moderner Technik zu verzichten: 

Das ist wie bei einem Küchenmesser. Das kann zum Brotschneiden verwendet werden, aber auch zum Töten von Menschen. Ähnlich ist es mit Algorithmen und Software. (...) Hier sollten wir Lösungen finden nach dem Motto: Regulieren, was uns nützt, verbieten, was uns schadet.

Wie wir Künstliche Intelligenz zähmen können, ohne auf ihre Vorteile zu verzichten – darüber spricht Bijan Moini in der Bremen Zwei "Gesprächszeit". Außerdem verrät er, was ihn dazu bewogen hat, seinen gut bezahlten Job in einer Wirtschaftskanzlei zu kündigen, um in Ruhe seinen ersten Roman schreiben zu können und wie es sich als junger Familienvater in Berlin lebt. 

Moderation: Christian Erber

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 17. Februar 2020, 18:05 Uhr

Mehr interessante Gespräche:

Petra Klein, Außenstellenleiterin des "Weißen Rings" Oldenburg Kriminalbeamter Jan Kunze: "Die erste Leiche vergisst man nicht" Karolin Schwarz, Expertin für rechte Propaganda
Gesprächszeit
Mehr zur Sendereihe "Gesprächszeit"