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Bernd Mühlenbeck

Drei Jahre lang Geisel der Taliban in Pakistan

12. Oktober 2018, 18:05 Uhr

"Es kann jederzeit passieren – wir wissen nicht wann. Heute, vielleicht morgen, möglicherweise auch in drei Tagen. Ich will leben und meine Familie wiedersehen." Das sagte Bernd Mühlenbeck aus Twistringen in einem Video, das seine Entführer drehten. Er war als Entwicklungshelfer der Welthungerhilfe in Pakistan und wurde drei Jahre von Taliban-Kämpfern entführt.

Bernd Mühlenbeck [Quelle: Radio Bremen, Cengiz Tarhan]
Bernd Mühlenbeck [Quelle: Radio Bremen, Cengiz Tarhan]

2012 ist Bernd Mühlenbeck in Pakistan, um nach einem verheerenden Hochwasser zu helfen. Seine Aufgabe ist, die Spendengelder zu kontrollieren und darüber Berichte zu schreiben. Jeden Abend spricht er mit seiner Frau über Skype und schaltet dazu auch die Kamera an seinem Laptop ein, damit sie sich sehen können. Eines Abends hört er Lärm auf dem Flur und schaut nach.

Da standen drei Männer vor mir, bewaffnet mit Kalaschnikow, Maschinenpistole und Pistole.

Zunächst denkt er an einen Überfall, doch dann wird er gefesselt und verschleppt. Seine Frau schaut zu, weil die Skype-Verbindung noch steht.

Meine Frau hat das Ganze verfolgt und hat die Männer gesehen und konnte das gar nicht glauben, was sie gesehen hat.

"Entführer haben mich gut behandelt"

Mühlenbeck berichtet, wie er an unterschiedlichen Orten in Pakistan gefangen gehalten wurde, wie er teilweise Angst um sein Leben hat. Rückblickend bedankt er sich bei seinen Entführern.

Man hört von Entführungen und auch davon, wie die manchmal endeten. Im Gegensatz zu manchen Berichten, wo Entführte gefoltert wurden, teilweise sogar umgebracht wurden, war es in meinen Fall so, dass die Entführer mich wirklich innerhalb ihrer Möglichkeiten gut behandelt haben. Was allerdings nichts daran ändert, dass das Fernhalten einer Person von seiner Familie für drei Jahre ein unglaubliches Verbrechen ist.

Nicht unbeschadet rausgekommen

Nach rund drei Jahren kommt Mühlenbeck frei. Es fließt Lösegeld. Wer gezahlt hat, bleibt unklar.

Das absolute Freiheitsgefühl hat sich eingestellt, als ich am Flughafen in Hannover meine Frau in die Arme nehmen konnte.

Drei Jahre danach hat der 65-Jährige das Buch "Very soon is far away - 33 Monate als Geisel in Pakistan" veröffentlicht und sieht das als einen Schritt der Aufarbeitung.

Ich bin nicht ganz unbeschadet da rausgekommen. Habe mir das zwar immer eingeredet, dann aber feststellen müssen, dass ich mich selbst belüge.

Bis heute leidet er unter anderem an Schlafproblemen und hat Angst, wenn er Kampfflugzeuge hört. Auf Bremen Zwei in der "Gesprächszeit" spricht der Twistringer Bernd Mühlenbeck über sein Leben als Entwicklungshelfer, die bewegende Geschichte seiner Entführung in Pakistan und die drei Jahre seines Lebens als Geisel der Taliban.

Das Gespräch zum Anhören:
"Drei Männer vor mir, bewaffnet mit Kalaschnikows" – Taliban-Geisel Bernd Mühlenbeck [36:42 Minuten]

Moderation: Cengiz Tarhan

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. Oktober 2018, 18:05 Uhr

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