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Gesprächszeit

Bernd Klose

Bremen-Zwei-Redakteur zu Besuch in Bangui

11. Oktober 2018, 18:05 Uhr

Vor rund vier Jahren besuchte Bremen-Zwei-Redakteur Bernd Klose die Zentralafrikanische Republik, um über Projekte der Welthungerhilfe zu berichten. Jetzt ist er wieder hingeflogen. Da ihm sein Sohn vor dem ersten Besuch einen Fußball für die Kinder mitgegeben hatte, entstand vor Ort die Idee, eine Fußballschule zu bauen. Das erste Spiel wurde jetzt angepfiffen.

Naomi und Bernd Klose in Bangui [Quelle: Kai Löffelbein, Kai Löffelbein]
Naomi und Bernd Klose in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik [Quelle: Kai Löffelbein, Kai Löffelbein]

Die Zentralafrikanische Republik ist ein rohstoffreiches Land und hat ein vergleichsweise gutes Klima. Fast eine Million Menschen leben dort. Die Infrastruktur ist schwach bis nicht vorhanden. Die allermeisten Menschen, die hier leben, sind furchtbar arm. Sie zahlen den Preis für Korruption, dreckige Geschäfte und jahrelange blutige Unruhen.

Offener Konflikt zwischen Christen und Moslems

Georg Dörken von der Welt-Hunger-Hilfe im Gespräch mit Bernd Klose [Quelle: Kai Löffelbein, Kai Löffelbein]
Mit Georg Dörken von der Welthungerhilfe hat Bernd Klose viel gesprochen. [Quelle: Kai Löffelbein, Kai Löffelbein]

Nur etwa sechs Flugstunden hat Bremen-Zwei-Redakteur Bernd Klose von Paris nach Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, gebraucht. Schwüle Hitze und roter Staub empfingen ihn. Bei der Fahrt durch Bangui hieß es "Augen auf!", denn die Stadt ist nicht sicher. Von Georg Dörken von der Deutschen Welthungerhilfe wusste Klose, dass die Interventionen der UN und der Franzosen bisher keine Stabilität ins Land gebracht haben. Das französische Militär hat sich längst zurückgezogen. Russland interessiert sich für die entstandene Lücke. Die Vereinten Nationen versuchen für ein Mindestmaß an Stabilität zu sorgen, aber das Mandat ist schwach. Zu schwach, um den offenen Konflikt zwischen Christen und Moslems befrieden zu können, sagen viele Beobachter.

Fußballschule für den Frieden

Lucas und seine Familie verkaufen Kaffee und frittierte Teigbällchen um die Familie zu ernähren und Schulgeld zu haben. [Quelle: Bernd Klose]
Lucas und seine Familie verkaufen Kaffee , um die Familie zu ernähren. [Quelle: Bernd Klose]

Wie beim letzten Besuch hat Bernd Klose als erstes das Büro der Deutschen Welthungerhilfe besucht. Beim ersten Mal vor rund vier Jahren ist hier eine Idee entstanden: Eine Fußballschule für den Frieden. Die Idee ist einfach: Fußball vermittelt Werte. Teamgeist, Freundschaft, Gemeinschaft und Zusammenhalt. Alles bitter nötig in diesem tief gespaltenen Land, sagt Georg Dörken. Er hat jahrelang für dieses Projekt gearbeitet – und am Ende die deutsche Bundesregierung überzeugt, Geld zu geben. Mit Dörken hat Bernd Klose dann mitten im Getümmel der Stadt – am Straßenrand – in einer Blechhütte auf Lucas gewartet. Kaffee gab es aus verbeulten Emaille-Tassen. Lucas' Familie versucht mit dem Kaffee etwas Geld zu verdienen. Lucas hilft hier nach der Schule – und danach geht er Fußball spielen.

Die Kette der Armut aufbrechen

Lucas ist einer der ersten, die in die Fußballschule für den Frieden aufgenommen wurden. Gott hat ihm den Platz gegeben, hat er Bernd Klose erzählt. Er hat im Radio davon gehört, dass man sich für diese Fußballschule bewerben kann. Er hat im Stadion von Bangui vorgespielt – und wurde angenommen. Genau wie Naomi. Sie liebt Fußball und gerade für ein Mädchen kann der Platz in der Fußballschule eine Chance sein, die Kette der Armut aufzubrechen. Alle Kinder, die die Fußballschule besuchen, werden regelmäßig in Sozialprojekten arbeiten, hat Bernd Klose vor Ort erfahren. Die Fußballschule soll in der Nachbarschaft sichtbar sein und über den Sport hinaus der Gemeinschaft helfen. Die gelernten Werte sollen die Kinder später mit in ein friedliches Leben nehmen.

Erstes Spiel in Bangui [Quelle: Bernd Klose]
Das erstes Spiel in Bangui: Die Kinder der Fußballschule trugen Werder-Trikots. [Quelle: Bernd Klose]

Die Zahl der Unterstützer wächst. Auch Werder Bremen zählt dazu. Der Verein hat großzügig Ausrüstung gespendet. Faustin Touadéra, der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, wünscht jetzt persönlich eine große Eröffnung dieser Fußballschule. Ende November soll sie stattfinden. Die Kinder werden dann Werder-Trikots tragen, so wie beim ersten kleinen Eröffnungsspiel.

In der "Gesprächszeit" berichtet Bernd Klose von seinen beiden Reisen in die Zentralafrikanische Republik und erzählt die Geschichte, wie aus einem geschenkten Ball eine Idee heranwuchs, die mit Hilfe engagierter Arbeit zu einem ambitionierten Hilfsprojekt wurde.

Das Gespräch zum Anhören:
Ein Bolzplatz für Bangui - Reporter Bernd Klose [35:03 Minuten]

Moderation: Jörn Albrecht

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 11. Oktober 2018, 18:05 Uhr

Weitere Informationen:

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