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Gesprächszeit

Ayse Bosse

Trauerbegleiterin und Autorin

17. Mai 2019, 18:05 Uhr

Schauspielerei und Trauerbegleitung sind auf den ersten Blick zwei sehr unterschiedliche Tätigkeiten – dass sie doch vielmehr gemeinsam haben, weiß Ayse Bosse. Sie hat viele Jahre als Schauspielerin und Model gearbeitet bis sie gemerkt hat, dass sie noch eine Berufung hat: Kindern und Jugendlichen in ihrer Trauer beizustehen. Inspiriert durch diese Arbeit hat sie darüber die Bücher "Weil du mir so fehlst" und "Einfach so weg" geschrieben. In der Gesprächszeit erzählt sie von Himmeln mit Diskokugeln, ihrer deutsch-türkischen Familie und warum sie eine gute Tatortkomissarin wäre.

Ayse Bosse [Quelle: Radio Bremen, Kerstin Burlage]
Ayse Bosse [Quelle: Radio Bremen, Kerstin Burlage]

Ayse Bosse hat lange Jahre vor der Kamera gestanden: als Model, als Moderatorin, dann als Schauspielerin. Bis ihr Zweifel kamen. Sie spürte:

Man kann nicht nur sich um den eigenen Bauchnabel drehen – ich hab´ Bock, was zu machen, was Sinn macht und was irgendwie nicht so egobesetzt ist, wie die Schauspielerei oder das Modeln. Da ist man immer mit seiner Außenwirkung beschäftigt. Aber dass man auch in sich drin noch ganz viel Tolles hat, das bekommen ganz viele überhaupt nicht mit.

Ausgerechnet Trauerbegleiterin?

Sie arbeitete darum zunächst ehrenamtlich in einem Kinderhospiz und entschied dann, beruflich etwas ganz anderes zu machen als bisher: Ayse Bosse wurde Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche. Ausgerechnet könnte man jetzt denken, größer könnte der Unterschied ja gar nicht sein. Doch das sieht sie anders:

Auch als Schauspielerin muss man sich ja in Figuren hineinversetzen können, die mit Trauer und Schmerz zu tun haben. (…) Andersherum glaube ich, dass die Trauerbegleiterin mich zu einer besseren Schauspielerin macht.
Zwei Bücher fürs Abschniednehmen von Ayse Bosse [Quelle: Radio Bremen, Christian Bordeaux]
Ayse Bosse schreibt Bücher über das Abschiednehmen für Kinder und Jugendliche. "Weil du mir so fehlst" und "Einfach so weg" sind bei Carlsen erschienen und kosten 14,99 € und 15 €. [Quelle: Radio Bremen, Christian Bordeaux]

Kinder haben klare Vorstellungen vom Tod

Kinder und Jugendliche zu begleiten, das heißt für die 43-jährige, sie emotional zu unterstützen, sie zu stärken und ihnen dabei zu helfen "nach vorne zu trauern" – also kreativ mit all den Gefühlen umzugehen, die Trauer mit sich bringt. Aber auch sie selbst bekomme dabei ganz viel von ihren Schützlingen, betont Ayse Bosse:

Weil da so `ne unheimliche Weisheit auch immer rüber kommt, gerade zu dem Thema. Kinder haben ganz klare Vorstellungen davon, was zum Beispiel ist nach dem Tod. Da kann man viel lernen.

"Ich habe mir schon eine Urne ausgesucht – ein gutes Gefühl!"

Aufgewachsen ist Ayse Bosse sozusagen in zwei Kulturen – ihr Vater stammte aus der Türkei und ihre Mutter ist Deutsche. Beim Tod ihres Vaters hat sie selber viel für ihre Arbeit gelernt und konnte mit ihrer Tochter gemeinsam den Trauerprozess durchleben. Sie fährt immer noch jedes Jahr in die Türkei zu ihrer Familie und zu dem Grab des Vaters, das ganz romantisch auf einem Hügel unter einem Feigenbaum liegt. Für ihre eigene Beerdigung hat sie auch schon ganz bestimmte Vorstellungen:

Ich weiß, welches Bestattungsunternehmen, ich hab mir da sogar schon eine Urne ausgesucht, also ich habe das alles aufgeschrieben, welche Songs auf meiner Trauerfeier gespielt werden sollen. Das ändert sich vielleicht auch über die Jahre, das muss man updaten. Das gibt mir ein gutes Gefühl, dass ich nicht ein absolutes Chaos hinterlasse, wenn es doch mal ganz plötzlich passieren sollte.

Was sie außerdem noch von Kindern lernt, warum sie Bücher für trauernde Kinder und Jugendliche geschrieben hat, weshalb sie mal bei der Einreise in die Türkei vom Grenzbeamten wiedererkannt wurde und welche Pläne sie für die Zukunft hat – darüber spricht Ayse Bosse in der "Gesprächszeit" auf Bremen Zwei.

Das Gespräch zum Anhören:
"Kinder trauern besser und gesünder" – Trauerbegleiterin Ayse Bosse [38:06 Minuten]

Moderation: Kerstin Burlage

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 17. Mai 2019, 18:05 Uhr

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