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Ansgar Möller

Pilger

29. Juli 2019, 18:05 Uhr

Seit Hape Kerkeling sein Buch "Ich bin dann mal weg" geschrieben hat, kennt jeder den Jakobsweg. Doch Ansgar Möller kennt den Weg nicht nur, er ist auf dem "Camino" quasi zu Hause. Mit seiner Firma bietet er Pilgerreisen an und auch privat zieht es ihn immer wieder in den Nordwesten Spaniens, auf einen der zahlreichen Wege die Pilger aus aller Welt nach Santiago de Compostela führen. Seit fast 30 Jahren ist er von der bekannten Pilgerroute fasziniert, seit gut einem Jahrzehnt ist der Jakobsweg für ihn nicht nur Berufung, sondern auch Beruf – von beidem erzählt er in der Gesprächszeit.

Ansgar Möller auf einer Bank mit seinem Hund Santi auf dem Schoß. [Quelle: Pilgino]
Der Pilger und Weinkenner Ansgar Möller mit seinem tierischen Pilgerbegleiter Santi. [Quelle: Pilgino]

Es gibt nicht nur den einen Jakobsweg, sondern mehrere. Am bekanntesten ist der "Camino Frances", der an der französischen Grenze beginnt. Aber auch von Lissabon, Porto, Sevilla und Granada in Südspanien führen Pilgerwege nach Santiago de Compostela. Wobei, so erklärt es Ansgar Möller, der Jakobsweg vor der Tür jedes Pilgers beginnt – es führen also sehr viele Wege nach Santiago.

Der Hauptweg ist aber immer noch der "Camino Frances", den man über das Buch von Hape Kerkeling kennt und das ist auch der, wo einem am meisten Geschichte begegnet.

Jakobsweg immer populärer

Doch auch wenn der Jakobsweg immer populärer wird, überlaufen ist er in den Augen von Möller nicht. Zur Hauptsaison Anfang August wird es auf den Wanderstrecken schon etwas enger und wenn ein Kreuzfahrtschiff in Santiago de Compostela liegt und mehrere tausend Passagiere die Stadt fluten, drängelt es sich ganz schön – aber das sei schnell wieder vorbei, meint Möller. Die Pilgerzahlen auf dem klassischen Camino sind zwar hoch, aber sie steigen nicht mehr. Und auch am Ende des Weges, in Santiago, gebe es noch Potential, meint Möller.

In andere Pilgerorte fährt man mit der Bahn oder man fliegt – aber nur der Jakobsweg hat diese Tradition des Zufußgehens, man kann auch mit dem Rad fahren, aber auf jeden Fall mit eigener Kraft und mit Anstrengung.

Jakobsweg inspiriert die Pilger*innen

Nach 20 oder 25 Kilometern auf dem Jakobsweg tun eigentlich allen Pilgern die Füße weh, wobei jeder unterschiedlich leidet, erzählt Möller. Auf der anderen Seite sind die Menschen, wenn sie nach einem Tagesmarsch in die Herberge kommen stolz, dass sie es geschafft haben. Und weil sie tagsüber beim Pilgern viel Zeit zum Nachdenken haben, kommen sie irgendwann auch zu den existenziellen Fragen ihres Lebens. Das Religiöse, das Spirituelle schleicht sich langsam an. Aber vielleicht ist es auch die spezielle Atmosphäre des Jakobswegs, die die Menschen spirituell werden lässt. Viele Pilger, die mit Ansgar Möller unterwegs sind, haben studiert, sind in der Mitte ihres Lebens und sorgen sich um die Welt. Aber auch schon 80-Jährige hat Möller mit auf den Camino genommen. Der ausgebildete Seelsorger hat auf seinen Reisen immer auch ein offenes Ohr für die Pilger und er weiß auch, wo am Wegesrand sich eine Rast lohnt – sei es in einem Hotel, einer Pilgerherberge oder einer Bodega:

Wenn man gute Erinnerungen an eine Pilgerreise hat, schmeckt der Wein vom Jakobsweg ein bisschen besser.

Pilgerroute durchs Weingebiet

Die Pilgerrouten im Norden Spaniens führen auch durch zahlreiche Weingebiete wie zum Beispiel Rioja. Auch dorthin bietet Ansgar Möller inzwischen Reisen an, auf denen weniger gewandert, aber dafür mehr Wein verkostet wird. Und weil die Nachfrage nach dem Wein vom Jakobsweg groß war, verkauft er ihn inzwischen auch über das Internet, genauso wie Pilgerausrüstung – von der Jakobsmuschel bis zum Rucksack. Auch privat pilgert Ansgar Möller gern – rund 800 Kilometer legt er pro Jahr zu Fuß zurück. Dass der Jakobsweg ihm einmal langweilig werden könnte, daran glaubt Möller nicht.

Das Gespräch zum Anhören:
"Ein Paar Wandersandalen pro Saison gehen drauf" – Pilger Ansgar Möller [37:33 Minuten]

Moderation: Marius Zekri

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 29. Juli 2019, 18:05 Uhr

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