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Annegret Kramp-Karrenbauer

Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverband und Bundesministerin

12. November 2019, 18:05 Uhr

Ihr Weg führte immer nach oben: Erste Innenministerin eines Bundeslandes, dann Ministerpräsidentin, heute CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin. Was aber viele nicht wissen: Annegret Kramp-Karrenbauer ist auch Vorsitzende des Deutschen Volkshochschulverbandes. In der Digitalisierung sieht sie die größte Bildungsherausforderung unserer Gesellschaft.

Annegret Kramp-Karrenbauer [Quelle: DPA, Sven Hoppe]
Annegret Kramp-Karrenbauer [Quelle: DPA, Sven Hoppe]

"Ein Schritt über Grenzen hinaus" – VHS-Präsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer [38:31 Minuten]

Als Mutter war es ihr wichtig, ihren Kinder die Lust am Lesen zu vermitteln – als Bildungsministerin des Saarlandes 2007 konnte sie sich dann auch beruflich für Bildungsprojekte einsetzen. Und die Leidenschaft für dieses Politikfeld ist geblieben. 2015 trat Annegret Kramp-Karrenbauer die Nachfolge von Rita Süßmuth als Präsidentin des Volkshochschuleverbandes an und hat das Amt weder an den Nagel gehängt als sie oberste CDU-Frau wurde noch als sie ins Amt der Verteidigungsministerin berufen wurde. Sie hat selbst immer mal wieder einen Sprach- oder Sportkurs der VHS besucht und schätzt die Idee des "Lebenslangen Lernens".

Volkshochschulen sind ein Ort, wo man diese Leidenschaft fördert und wo man sie ausleben kann und es vollkommen egal ist, ob jemand eine neue Sprache lernen will oder ob er nur lernen will, mit einer Nähmaschine umzugehen. Es ist ein Schritt, weit über Grenzen hinauszugehen, ein Schritt weit, etwas mehr aus sich zu machen. Und das ist eine ungeheuer wichtige Antriebskraft.

Der Schlüssel zur Zukunft ist "digital"

Klar ist es terminlich nicht einfach, die Jobs einer CDU-Vorsitzenden, einer Verteidigungsministerin und einer Präsidenten des Deutschen Volkshochschulverbandes unter einen Hut zu bekommen. Doch Annegret Kramp-Karrenbauer versucht, Synergieeffekte zu nutzen, wo sie kann. Als Verteidungsministerin konnte sie zum Beispiel im Ausland schon Volkshochschulvertreter anderer Länder begrüßen. Und über alle drei Ämter hinweg hält sie vor allem das Thema "Digitalisierung" für zentral für unsere Zukunft.

Es ist vielmehr als nur eine Technologie. Es wird vieles an der Art und Weise, wie wir zusammen leben, wie wir arbeiten, wie wir miteinander reden, verändern. Tut es heute schon! Aber es ist ein Thema, das für viele so wenig greifbar ist, dass sie sich nicht damit beschäftigen.

Engagement war immer selbstverständlich

Annegret Kramp-Karrenbauer ist als zweitjüngste von sechs Kindern in Püttlingen im Saarland groß geworden. Der Vater war Sonderschulrektor, die Mutter Hausfrau. Am Mehrgenerationen-Familientisch ging es um die Kabbeleien der Geschwister, aber auch um politische Themen. Ihre älteren Geschwister, so Kramp-Karrenbauer, waren klassische "Achtundsechziger", die öfters wild mit der älteren Generation debattierten.

Wir waren alle irgendwie engagiert. Alle waren irgendwie in einem Verein, haben nicht nur ihr Hobby ausgeübt, sondern waren da auch in Verantwortung. Deswegen war es für mich auch immer selbstverständlich, dass man etwas tun muss, dass man sich engagieren muss, dass man nicht nur zuhause in den eigenen Wänden sitzen bleiben kann. Das hat mich sehr geprägt.

Politisch sozialisiert in den Achtzigern

In der Schule war sie eine gute Schülerin, erzählt Annegret Kramp-Karrenbauer in der "Gesprächszeit". Blau zu machen oder einen Spickzettel zur Klassenarbeit mitzuschmuggeln – das hätte sie sich nicht getraut. Als Oberschülerin trat sie dann mit 18 Jahren schon in die CDU ein. Es war die Zeit der Umstürze im Iran, des Einmarschs der Sowjetunion in Afghanistan und es war der Beginn der Nato-Doppelbeschluss-Debatte.

Das hat mich schon sehr interessiert. Und ich hatte das Riesenglück, einen fanstastischen Lehrer im Politik-Leistungskurs zu haben. Klassischer "Altachtundsechziger", sicherlich politisch sehr viel weiter links als ich das war. Aber jemand der gesagt hat: "Es muss jede Meinung gelten, solange sie ordentlich argumentiert ist."

Auf lokaler Ebene fing sie an, sich politisch zu engagieren. Eine klassische Hausfrauenkarriere war nie ihr Ding. Die Kinderbetreuung organisierte sie mit ihrem Mann ganz pragmatisch: Wer mehr verdient, arbeitet länger. Und das war eben ein Großteil der Zeit Annegret Kramp-Karrenbauer. Ihre Kinder, sagt die Saarländerin, sind mit Vater und Mutter ziemlich gleichberechtigt aufgewachsen, aber sie kennt die Zerrissenheit von Eltern, die tagtäglich Familie und Beruf unter einen Hut bekommen müssen, nur zu gut.

In der Gesprächszeit spricht sie auch über die schwierige Entscheidung, Bundesministerin der Verteidigung zu werden, über den harten Wind, der in der Berliner Bundespolitik weht und über Fehler, aus denen man lernen muss.

Moderation: Jutta Günther

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 12. November 2019, 18:05 Uhr

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