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Gesprächszeit

Anna von Boetticher

Apnoe-Taucherin

19. Februar 2020, 18:05 Uhr

Jeder hat wohl mal probiert, wie lange er die Luft anhalten kann. Die meisten schaffen vielleicht ungefähr eine Minute. Anna von Boetticher hat es schon geschafft, über sechs Minuten die Luft anzuhalten. Mit einem Atemzug ist die Apnoe-Taucherin ohne Geräte 125 Meter tief getaucht – und ist Fischschwärmen und sogar einem Orca begegnet.

Anna von Boetticher [Quelle: DPA, Malte Ossowski/Sven Simon]
Anna von Boetticher [Quelle: DPA, Malte Ossowski/Sven Simon]

Das Gespräch zum Anhören:
"Ich wurde ohnmächtig, völlig überraschend" – Taucherin Anna von Boetticher [38:13 Minuten]

Schon als Kind hat Anna von Boetticher ihre Grenzen ausgetestet. In der Badewanne und im Pool hat sie als 8-Jährige schon herausgefunden, dass man den Wunsch, wieder einatmen zu wollen, immer weiter hinauszögern kann. Dass sie sich damals in Lebensgefahr gebracht hat, gibt von Boetticher zu. Mit 17 machte sie dann den ersten Tauchschein im klassischen Geräte-Tauchen mit Tauchcomputer und Sauerstofftanks auf dem Rücken.

Ich hatte diese wahnsinnige Faszination mit der Tiefe. Dieses Erkunden dieses unbekannten Universums da unten hat mich irrsinnig fasziniert.

Ohmächtig in 50 Metern Tiefe

Auch beim Geräte-Tauchen war Anna von Boetticher ehrgeizig. Sie wollte immer tiefer hinab. 130 Meter tief führte ihr Weg mit Flaschen. Doch für ihre Sicherheit wollte sie herausfinden, wie lange sie die Luft anhalten kann. Wieviel Zeit sie wirklich hätte, falls sie unter Wasser mal ein Problem hätte. 2007 schnupperte sie in einen Apnoe-Tauchkurs hinein, also in das Tauchen ohne Geräte und ohne Sauerstoff. Inzwischen hat Anna von Boetticher alle Geräte abgelegt und wagt sich auch als Apnoe-Taucherin immer weiter in die Tiefe vor. Erst schaffte sie 110 Meter mit einem Atemzug und schließlich 125 Meter. Ein Weltrekord-Versuch auf 130 Meter Tiefe scheiterte, weil ihre Tauchmaske zu eng war und sie beim Auftauchen ohnmächtig wurde.

Mein Coach war in 50 Metern Tiefe mit einem Unterwasser-Scooter und ich dachte "Vielleicht schaffe ich das jetzt nicht." (...) Und als ich ihn dann gesehen habe, hab ich dann schon gedacht "Ist ja super, jetzt hab ich gleich einen Weltrekord, gleich bin ich oben". Und wenig später wurde ich ohnmächtig, völlig überraschend. In viel zu großer Tiefe!

Tatsächlich ist von Boetticher bei diesem missglückten Weltrekordversuch wenig passiert. Auch weil sie und ihr Tauchpartner Andreas Zuccari alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatten.

Schwebend durch die Stille der Tiefe

Wenn es runter geht, hat Anna von Boetticher die Augen geschlossen und konzentriert sich ganz und gar auf den Druckausgleich in den Ohren. Wenn sie unten ist, öffnet sie die Augen. Im Roten Meer ist Anna von Boetticher erfolgreich 125 Meter tief getaucht – in 24 Grad warmem und glasklarem Wasser.

Dann sieht man da dieses Dämmerlicht, sieht dieses Riff, das da so schräg abfällt in die Tiefe weiter unter uns. Neben uns sind Felsblöcke und Riffblöcke und bei einem Trainingstauchgang hat uns mal ein Schwarm Fische von oben bis nach unten begleitet und ist von unten wieder mit hoch geschwommen. Das ist einfach faszinierend.

Momente, die in der Seele festgehalten werden

Bei ihren Tauchgängen sieht die 50-Jährige Dinge, die sonst kaum jemand zu sehen bekommt. In Norwegen ist sie in einem gefrorenen Fjord Buckelwalen und Orkas, die dort vorbeiziehende Heringsschwärme fressen, begegnet. In einer Polarnacht mit einhalb Stunden Dämmerlicht ist sie einmal in die schwarze Tiefe getaucht – bis plötzlich ein schwarz-weißer Orka direkt vor ihr auftauchte.

Die sind sehr neugierig und die tasten einen dann mit so einem Echolot ab. Das fühlte ich in der Brust wie Bässe im Club. Das Vibrieren, wie er mich abtastet. Und der ist ganz nah an mich rangekommen, hat mich umkreist und in diesem Moment denke ich gar nichts. Da bin ich völlig ergriffen in der Schwebe, im Wasser, in diesem Moment.

Wenn sie nicht selbst trainiert, berät und trainiert Anna von Boetticher auch die Minen- und Kampftaucher der Bundeswehr. In ihren Übungen geht es vor allem darum, nicht in Panik zu geraten, wenn unter Wasser Stresssituationen entstehen und die Luft wegbleibt. Mehr davon und von ihrer Unfähigkeit einen Handstand zu machen, erzählt die Apnoe-Taucherin in der "Gesprächszeit".

Moderation: Ziphora Robina

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 19. Februar 2020, 18:05 Uhr

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