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Gesprächszeit

Anke Metscher

Sozialpädagogin aus Bremen-Nord

22. August 2019, 18:05 Uhr

Sie ist seit langem mal wieder im Bremer Viertel unterwegs gewesen. Sonst hat Sozialpädagogin Anke Metscher einen anspruchsvollen Job in der Schwerstbehindertenbetreuung in Bremen-Nord. Sie war neugierig, als sie im März 2019 das Bremen-Zwei-Schild "Eine Stunde reden?" und die Kamera sah und wollte wissen, was da los ist. In unserer Gesprächszeit erzählte sie uns ihre Geschichte.

Anke Metscher [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]
Anke Metscher [Quelle: Radio Bremen, Mario Neumann]

Als wir Anke Metscher trafen, suchte die 60-jährige eine günstige 2-Zimmer-Wohnung, maximal 450 Euro warm. Denn sie geht gerne auf Reisen und braucht dafür Geld. Auch eine Mitwohngelegenheit ist für Anke Metscher denkbar, sie würde auch gerne im Garten mithelfen. Sie mag die Natur, Naturmaterialien – und kann sich auch vorstellen, ihr eigenes Zuhause irgendwo hinzubauen.

Wand kommt von winden. Und das wurde früher aus Weiden gemacht, mit Lehm drauf. Damit kann man Wände bauen. Und mich ärgert so was, dass man nicht einfach ein Stück Land zur Verfügung bekommt, am besten am Wasser, wo man sich ein Zuhause hin bauen kann.

Eine Nomadin, die in Bremen-Nord zuhause ist

Sie sei schon immer so etwas wie eine Nomadin gewesen, erzählt Anke Metscher. Deshalb sucht sie noch den Ort, wo sie dauerhaft wohnen kann. Dabei kann das auch ein Ort sein, mit dem man unterwegs sein kann. Nicht nur ein Bauwagen kommt ihr dabei in den Sinn, auch eine Jurte oder ein schwimmendes Zuhause wie ein Boot findet sie vorstellbar. Bremen ist dabei Anke Metschers erste Wahl. Ein Abstecher nach Detmold, in die Nähe der Externsteine, die ja auch als Kraftort gelten, dauerte nur zwei Jahre. Dann war das Heimweh nach ihrem Sohn und der Weser zu groß. 

Musik ist die Schwingung ihres Lebens

Anke Metscher tanzt gerne und hört gerne Musik. Daraus zieht sie seit jeher Lebensmut. Als Teenager dachte sie, jeden Tag geht die Atombombe hoch, da war die Zukunftsperspektive ähnlich trüb wie bei Jugendlichen heute vor dem Hintergrund des Klimawandels. Sie hört von Rock über Funk und Soul bis hin zu Klassik, Folk und Flötenmusik aus Nepal viele musikalische Stilrichtungen.

Viele Klänge verbindet sie auch mit ihren zahlreichen Reisen. Zu ihren Lieblingsorten gehört die portugiesische Atlantikküste. Dass dort heute immer mehr Plastik angespült wird, stört die umweltbewusste Bremerin. Anke Metscher würde es freuen, wenn wir Menschen mehr in der Lage wären, uns selbst zu versorgen, anstatt immer vorgefertigte Dinge zu nutzen. Ihr ist ein Leben im Einklang mit den Elementen Erde, Feuer, Wasser und Luft wichtig. Auch die Liebe gehört natürlich dazu.

Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass es wichtig ist, mich selber immer mehr anzunehmen und zu lieben. Auf die Idee bin ich früher gar nicht gekommen.

Eine Stunde reden?

Jeder hat eine Geschichte zu erzählen – einmal im Monat trifft sich Bremen-Zwei-Moderator Mario Neumann mit Menschen, die er zufällig auf der Straße getroffen hat.

Schock in der Kindheit 

Es gibt eine Erfahrung, auf die Anke Metscher gerne verzichtet hätte. Als sie 11 Jahre alt ist und auf der Straße spielt, hört sie einen Schuss, mit dem sich ihr Vater das Leben nimmt. Der Herren- und Kinderfriseur mit Hang zum Alkohol hatte sich nach einem eigens verschuldeten Autounfall dazu entschieden. Erst im Studium gelingt es Anke Metscher, diesen Teil ihrer Biografie ein Stück weit zu verarbeiten. Rückblickend kann sie den Freitod ihres Vaters akzeptieren, hatte er ja als Kind die Nazizeit und als Jugendlicher den Zweiten Weltkrieg durchgemacht, inklusive Einsatz als Soldat. Einerseits war er lustig, andererseits hatte er depressive Momente, erinnert sich Anke Metscher heute.

Damals gab’s ja noch nicht so Therapien, dass man so was hätte behandeln können oder so – jedenfalls nicht so für normale Leute.

Das Gespräch zum Anhören:
"Ich bin schon immer Nomadin gewesen" – Anke Metscher aus Bremen-Nord [37:48 Minuten]

Moderation: Mario Neumann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 22. August 2019, 18:05 Uhr

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