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Andreas Altenburg

Autor der NDR 2-Comedy "Wir sind die Freeses"

9. Oktober 2019, 18:05 Uhr

Zwischen zarter Säuselei und kratzigem Gekrächze fühlt sich Andreas Altenburg zuhause. Der 49-Jährige ist der Erfinder der Comedy "Wir sind die Freeses" und gesteht: "Ich bin eigentlich wie Bianca – leider – möchte aber sein wie Oma Rosi." Als "Treibholz im Karrierestrom" hat er bei den Kollegen von NDR 2 angedockt und dort seine Nische gefunden.

Andreas Altenburg [Quelle: Radio Bremen, Stephanie Giese]
Stellvertretend für Oma Rosi, die immer eine Dose "Mockturtle" im Handschuhfach hat – haben wir Andreas Altenburg die einzig wahre "Mockturtle" aus dem Oldenburger Münsterland mitgebracht. [Quelle: Radio Bremen, Stephanie Giese]

Das Gespräch zum Anhören:
"Ich möchte sein wie Oma Rosi" – Andreas Altenburg [57:29 Minuten]

Seit fünf Jahren schon kann man in die Wohngemeinschaft der "Freeses" reinhören – Oma Rosi hat inzwischen ihren eigenen Videoblog, Prominente wie Sky Dumont, Jan Fedder, Olli Dittrich, Till Schweiger oder Peter Maffay gaben sich die Klinke bei ihnen in die Hand. Andreas Altenburg ist die Stimme von Svenni, Heiko, Bianca und Rosi, er entwickelt und spricht alle Rollen. Jede Figur, sagt er, hat ein bisschen mit ihm und seinem Leben zu tun.

Ich bin eigentlich wie Bianca – leider – möchte aber sein wie Oma Rosi.

"Im Karrierestrom bin ich das Treibholz"

Geboren wurde Altenburg in Pfaffenhofen in Bayern, wo er bis zu seinem sechsten Lebensjahr aufwuchs. Noch heute ist Bayern eine zweite Heimat für den 49-Jährigen. Wenn er im Süden zu Besuch ist, spült er das Norddeutsche aus seiner Sprache heraus und fängt nach drei Tagen wieder an, bayerisch zu reden. Beruflich zog es die Eltern dann wieder in den Norden nach Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Dass er am Ende beim Radio landen würde, ahnte Andreas Altenburg noch lange nicht, als er in Lüneburg dann Kulturwissenschaften studierte. Werbegrafiker, Psychologe, Museumskurator – all das spukte in seinem Kopf als Berufsfantasie herum, bis er in einem Medienseminar auf einen NDR 2-Kollegen traf, der ihn als freien Mitarbeiter engagierte.

Ich hab tatsächlich als Reporter angefangen und weiß jetzt noch, dass ich das furchtbar fand, irgendwo in der Fußgängerzone zu stehen und Umfragen einzuholen.

Deswegen dauerte es nicht lange, bis Witz und Comedy in seinen Arbeitsalltag einzogen.

Im Karrierestrom bin ich das Treibholz, das immer irgendwo mal hängen bleibt und dann ein bisschen länger verweilt. Und wenn ich dann etwas gefunden habe, wo ich andocken kann, dann schaffe ich mir auch meine Nischen und schaue, was ich daraus machen kann.

"Wenn man uns mal so richtig lässt..."

Mit Harald Wehmeier fand Andreas Altenburg 2008 seinen Partner für die Comedy "Frühstück bei Stefanie". Fünf Jahre und 1066 Folgen lang lief "Stefanie" erfolgreich bei NDR 2, wurde prämiert mit dem Deutschen Radiopreis. Die Serie wurde zur wahrscheinlich längsten und stärkste Promotion, die man mit einer Comedyserie für einen Radiosender machen kann.

Wir haben gesagt: "Pass mal auf: Wenn man uns mal so richtig lässt und wir das machen, was wir schon immer mal machen wollten – denn das gab es vorher nicht – dann kann es nur richtig, richtig gut werden. Und tatsächlich hat der Sender uns dieses Vertrauen entgegen gebracht.

"Svenni knödelt ja so unglaublich"

Als Wehmeier in den Ruhestand ging, schloss das Schlemmerbistro von Stefanie. Die Latte für die "Freeses" hing anschließend natürlich sehr hoch.

Ich wusste: Ich hab keine Chance. Egal was ich mache: "Das ist aber nicht Steffi... Wir wollen die Steffi wieder haben."

Nun also die Freeses, bei der auch jede Figur ganz besondere Eigenheiten hat: Oma Rosi zum Beispiel trinkt Jack Daniels-Cola aus der Dose, raucht Lord, trägt Perücken in unterschiedlichen Farben, geht in Kneipen, baggert jüngere Männer an, isst Soleier und Mockturtle-Suppe. Und Oma Rosi ist eine stimmliche Herausforderung. Die Rollen seiner Freeses spricht Altenburg deswegen bei der Produktion nacheinander ein.

Ich fang an mit Heiko, der hat eine relativ neutrale Stimme, dann Bianca, die auch noch ein bisschen soft ist, dann Svenni, der knödelt ja so unglaublich, und dann kommt eben die kratzige Oma. Wenn ich das andersrum machen würde, könnte ich, glaube ich, Heiko und Bianca nicht mehr mit dieser Zartheit ausstatten.

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Andreas Altenburg und Stephanie Giese [Quelle: Radio Bremen, Stephanie Giese]
Andreas Altenburg und Stephanie Giese [Quelle: Radio Bremen, Stephanie Giese]

Seine Arbeit als Comedy-Autor liebt Andreas Altenburg über alles. Aber er sagt auch: "Die Arbeit ist nur ein Teil von mir". Mit seinem Privatleben geht er weder auf Facebook noch auf Instagram hausieren, dafür gärtnert er mit Vorliebe und hätte am liebsten mal ein halbes Jahr frei, um sein Haus von Grund auf zu sanieren. Privat, sagt er, kann er sich total gehen lassen, aber auch richtig in einen Putz- und Ordnungsrausch verfallen.

In der "Gesprächszeit" erzählt Andreas Altenburg, warum Musik eine so wichtige Rolle bei den "Freeses" spielt, was alles auf seiner Bucketlist vor dem 50. Geburtstag steht – und wann er sich das Ende seiner "Freeses" vorstellen kann.

Moderation: Stephanie Giese

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 9. Oktober 2019, 18:05 Uhr

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