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Gestorben wird erst Morgen

Wenn Kinder aus dem Leben gehen

21. September 2019, 18:05 Uhr

Christian Chang-Langhorst gewährt Einblicke in für uns kaum bekannte Orte, an denen sterbenskranke Kinder noch voller Leben sind. Auf seiner Reise trifft er Menschen, die sich mutig mit dem Tod beschäftigen.

Christian Chang-Langhorst gewährt Einblicke in für uns kaum bekannte Orte, an denen sterbenskranke Kinder noch voller Leben sind. Auf seiner Reise trifft er Menschen, die sich mutig mit dem Tod beschäftigen.

Autor/-in: Christian Chang-Langhorst
Länge: 48:57 Minuten
Datum: Samstag, 21. September 2019
Sendereihe: Feature | Bremen Zwei

In Deutschland leben etwa 45.000 Kinder und Jugendliche mit lebensbegrenzenden Erkrankungen. Einmal im Jahr, am 2. Sonntag im Dezember, gedenken wir verstorbener Kinder. Am "Worldwide Candle Lighting". Kinder, die versterben, bekommen wir ansonsten kaum zu Gesicht. Auch weil wir wegschauen.

Auf Christian Chang-Langhorsts Reise kommt es zu einer innigen Begegnung mit der zweijährigen Henriette im Berliner Kinderhospiz Sonnenhof. Henriette ist unheilbar krank, und soll nicht im Krankenhaus sondern im Kinderhospiz versterben.

Abschiedsraum im Sonnenhof [Quelle: SR, Christian Chang-Langhorst]
Der Abschiedsraum im Berliner Kinderhospiz Sonnenhof [Quelle: SR, Christian Chang-Langhorst]

Glücksmomente und Kämpfe

Eindringlich beschreibt Henriettes Mutter Michaela, was das Schicksal mit ihr und sie aus dem Schicksal macht: "Man hört mehr auf sich, man wertet anders, man sieht, was wichtig ist. Es ist auch eine Chance für andere, da Sachen zu sehen, die sie vielleicht sonst erst sehen würden, wenn sie alt sind." "Alles vor dem Tod ist Lebenszeit", sagt Pia, Leiterin des Pflegedienstes im Kinderhospiz Sonnenhof.

Es geht um Glücksmomente, an die sich verwaiste Eltern lebhaft erinnern, und um einen Schwur, dass der Tod sich nämlich noch zu gedulden habe. Aber auch um Kämpfe: mit Krankenkassen, um Inklusion und Rechtfertigungen gegenüber der Gesellschaft.

Kinder spielen bis zuletzt

In Bremen ist der Autor mit Klinik-Clownin Wilma verabredet. Auf der Station 5 der Prof.-Hess-Kinderklinik. Die Kinderkrebsstation. Clownin Wilma kommt gar nicht auf die Idee, ein trauriges Gesicht aufzusetzen. Sie hopst, sie tutet, sie singt und spielt die Kalimba. Dabei schaut sie ganz genau auf die Kinder, auf deren Wünsche, die sie zum Teil von den Augen ablesen muss.

Clownin Wilma und Christian Chang-Langhorst [Quelle: SR, Christian Chang-Langhorst]
Clownin Wilma und Christian Chang-Langhorst auf der Kinderkrebsstation der Prof.-Hess-Kinderklinik in Bremen [Quelle: SR, Christian Chang-Langhorst]

Wilma: "Kinder spielen, egal ob sie krank sind, und bis zuletzt spielen Kinder. In dem Moment, wo ich in der Clownin bin und die Kinder besuche, nehme ich gar keinen Unterschied wahr zu sonstigen Spielen mit anderen Kindern."

Empathie, Ehrenamt und Spenden

Wenn Kinder aus dem Leben gehen, sollten sie von Menschen begleitet werden, die Zeit und Hingabe investieren, wie Christiane Wagner. Sie arbeitet ehrenamtlich für den ambulanten Kinderhospizdienst Saar. In Sulzbach kümmert sie sich um die schwerkranken Zwillingsschwestern Bisan und Layan.

"Nachdem ich aufgehört habe, beruflich zu arbeiten, wollte ich gerne noch irgendwas Sinnvolles machen und habe mir dann so gedacht, das ist so meins mit behinderten Kindern, habe dann diesen Befähigungskurs gemacht, und dann hatten wir das Glück, dass wir dann zueinander gefunden haben", erklärt Christiane Wagner.

Bisan und Layan mit Familie [Quelle: SR, Christian Chang-Langhorst]
Die Zwillinge Bisan und Layan mit Familie [Quelle: SR, Christian Chang-Langhorst]

Ohne diese Empathie und ohne Ehrenamt und Spenden könnten die meisten Kinderhospizdienste nicht arbeiten. Eigentümlich für eine Wohlstandsgesellschaft. Auch damit beschäftigt sich dieses Feature.

Das Sterben junger Menschen aus einer jungen Perspektive. "Gestorben wird erst morgen" erzählt Chang-Langhorsts Figur, der 19-jährige Milan Flubis.

  • Autor: Christian Chang-Langhorst
  • Produktion: SR 2018

ARD-Audiothek: Gestorben wird erst morgen

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. September 2019, 18.00 Uhr

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