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Übertherapie am Lebensende

Über den Umgang mit Sterbenskranken

25. Februar 2019, 21:05 Uhr

von Martina Keller

Übertherapie am Lebensende  [Quelle: ARD.de]

Ein ARD-Radiofeature über fragwürdige Praktiken im deutschen Gesundheitswesen und ihre Folgen für Patienten in ihrer letzten Lebensphase.

Unser Gesundheitssystem ist gut darin Menschen zu retten. Aber schwerkranke Menschen über ihren Zustand aufzuklären und Ihnen Behandlungsalternativen aufzuzeigen, ist oftmals nicht vorgesehen. Viele Sterbenskranke leiden unnötig. So erhalten über zehn Prozent der Krebskranken in Deutschland in den letzten 30 Tagen vor ihrem Tod noch eine aggressive Chemotherapie, die oft mehr schadet als nützt. Dabei könnte so mancher Krebskranke dank Palliativmedizin besser, manchmal sogar länger leben. Schwer Demenzkranke bekommen noch in der letzten Lebensphase eine Magensonde gelegt, obwohl intensives Füttern ihnen gefährliche und schmerzhafte Komplikationen ersparen würde.

Die Ursachen der Überversorgung von Menschen am Lebensende sind komplex: Manche Ärzte fühlen sich Gesprächen über das Lebensende nicht gewachsen. Andere lassen sich durch falsche finanzielle Anreize zu zweifelhaften Therapien verleiten. So mancher Betreiber einer Beatmungs-WG setzt auf Gewinnoptimierung und lässt die Kranken an der Maschine, weil er gar kein Interesse hat, die Menschen von der Maschine zu entwöhnen, damit sie wieder selbständig atmen. Bei all dem bekommen Patientenverfügungen nicht immer die Beachtung, die ihre Verfasser sich wünschen.

Martina Keller ist freie Journalistin in Hamburg und arbeitet als Autorin zu Themen aus Medizin und Wissenschaft für den ARD Hörfunk, für Printmedien wie DIE ZEIT, Geo oder Der Spiegel. 2012 gehörte sie einem Team des "International Consortium of Investigative Journalists" an, das die Verflechtungen des internationalen Leichenhandels recherchierte. 2010 erhielt sie den Feature-Preis der Stiftung Radio Basel, 2011 den Pater-Hans-Hofschneider Recherchepreis und 2012 den Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus in der Kategorie Text.

Produktion: WDR 2019

ARD Radiofeature Logo [Quelle: ARD.de]

Das ARD Radiofeature

Im Januar 2010 startete das ARD-Radiofeature. Die Sendereihe legt den Fokus auf investigativ-journalistische Produktionen. Jedes Feature wird in den Kultur- und Wortprogrammen der sieben beteiligten ARD-Sender gesendet.

Insgesamt neun einstündige Features sind 2019 in der Sendereihe zu hören. Damit knüpfen die Wort- und Kulturwellen BR 2, HR 2-Kultur, SR 2 KulturRadio, SWR 2, NDR Info, Bremen Zwei und WDR 5 an die Erfolge der Vorjahre an.

Alle Produktionen stehen nach Ausstrahlung für zwölf Monate unter www.radiofeature.ard.de zum Download zur Verfügung.

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