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Bremen Zwei Sendungen ARD-Radiofestival

ARD-Radiofestival 2020

Täglich ab 20 Uhr Lesungen, Live-Mitschnitte und Gespräche mit spannenden Persönlichkeiten

Während die Corona-Krise die Besuche von Konzerten und anderen kulturellen Angeboten immer noch ziemlich schwierig macht, kommt das ARD-Radiofestival gerade recht: Acht Wochen lang präsentieren wir Ihnen mit Unterstützung vieler Menschen aus der Kulturbranche ein hochkarätiges Festivalprogramm. Ab dem 18. Juli hören Sie bei Bremen Zwei jeden Abend ab 20 Uhr Lesungen, Live-Mitschnitte von Konzerten aus Klassik oder Jazz und hintergründige Gespräche mit spannenden Persönlichkeiten.

Logo des ARD Radiofestival 2020 [Quelle: SWR]
ARD Radiofestival 2020 [Quelle: SWR]

Die Corona-Krise bringt das finanzielle Fundament vieler Autor*innen ins Wanken. Die ARD Kulturradios haben darauf in einer gemeinsamen Aktion reagiert und Aufträge an Schriftstellerinnen und Schriftsteller vergeben, für das ARD Radiofestival eine Erzählung zu schreiben. Bremen Zwei hat dafür mit den Autoren Jochen Schimmang, Sasha Marianna Salzmann, Nora Bossong und Helga Bürster zusammengearbeitet. Außerdem hat Bremen Zwei auch viele Konzert-Mitschnitte – und anderem auch aus dem Sendesaal Bremen – zum Radiofestival beigesteuert. Das komplette Programm finden Sie auf der offiziellen Website des ARD-Radiofestivals, hier einige Empfehlungen, die von Bremen Zwei initiiert wurden:

Unsere Jazz-Mitschnitte beim ARD Radiofestival Unsere Konzert-Mitschnitte beim ARD Radiofestival

Lesung Jochen Schimmang: "Heimkehr eines Badegastes"

Jochen Schimmang [Quelle: Jochen Schimmang, Eric Wolfe]
Jochen Schimmang [Quelle: Jochen Schimmang, Eric Wolfe]
Kurz vor Brügge hörst du, wie die Zeitung neben dir leise zusammengefaltet wird, und gibst deinen Fensterblick auf, damit dein Nachbar dir zum Abschied zunicken kann. So viel Höflichkeit von beiden Seiten, denkst du, muss sein.

Jochen Schimmang

Immer wieder zieht es ihn nach Belgien, an die See, nach Ostende. Der reizarme Ort am Meer ist sein Königsversteck. Schon diese Reise wird zum Ritual, mit all den Zufallsbegegnungen und dem sich wandelnden Ausblick hinter dem Zugfenster. Wer aber ist dieser Mann? Und was zieht ihn hierher? Roman- und Hörspielautor Jochen Schimmang schickt uns gemeinsam mit seinem rätselhaften Helden auf eine Reise voller Zeichen und Erinnerungen, deren Zielpunkt lange offenbleibt.

Erzählung von Jochen Schimmang [23:06 Minuten]

Sendung am 11. August 2020, 23:04 Uhr

Lesung Sasha Marianna Salzmann: "Bloß nicht Japan"

Eine Frau sitzt auf einer Steintreppe [Quelle: Robert Hauspurg]
Sasha Marianna Salzmann [Quelle: Robert Hauspurg]
Das mit dem Reisen ist so eine Sache! Du siehst Dinge, und dann kannst du nicht mehr zurück, dann kannst du nicht mehr nach Hause ..., sagte irgendwer, sie konnte die Stimme nicht mehr zuordnen und dachte daran, dass im Sommer, wenn sie wiederkommen würde, um ihre Papiere für die Ausreise abzuholen, Moskau ganz bestimmt anders aussehen würde.

(Sasha Marianna Salzmann)

1990 – das Jahr, in dem der Horizont plötzlich ganz weit wird. Eine junge Frau kommt aus der Ukraine nach Moskau und erlebt die Perestroika: Sie sieht "die Hauptstadt" in Aufruhr, sie steht in der Schlange zum ersten McDonald's des Ostens, die Grenzen sind offen – sie könnte reisen! Und sie begreift: Von jetzt an wird sie nicht länger Sowjetbürgerin sein, sondern für immer Ukrainerin. Sasha Marianna Salzmann ist unter anderem Hausautorin am Maxim-Gorki-Theater in Berlin. 2017 erschien bei Suhrkamp ihr erster Roman, "Außer sich", der für den Deutschen Buchpreis nominiert war.

Sasha Marianna Salzmann: "Bloß nicht Japan" [23:32 Minuten]

Eine Erzählung exklusiv für die ARD Kulturprogramme
Produktion: Radio Bremen 2020

Sendung am 20. August 2020, 23:04 Uhr

Lesung Nora Bossong: "Fallen"

Nora Bossong [Quelle: DPA, Jens Kalaene]
Nora Bossong [Quelle: DPA, Jens Kalaene]

In einem Wohnhaus wird das Dach ausgebaut. Das setzt eine seltsame Mäusewanderung in Gang, die Tiere breiten sich in den angrenzenden Wohnungen aus. Eine Lebendfalle soll das Problem lösen. Dumm nur, dass die gefangene Maus die Falle nicht verlassen will! Stattdessen lockt sie ihre neue, menschliche Bekanntschaft auf eine surreale Reise durch die Stadt, aber auch durch einige Schattenbilder der Vergangenheit. Lässig-souverän fügt Nora Bossong in ihren Romanen, Gedichten und Erzählungen zusammen, was scheinbar nicht zusammenpassen will: Philosophie und Alltag, Politik und menschliche Schwächen.

Ich las von Leuten, die den Weg zur Arbeit oder sogar ihre eigenen Kinder nicht mehr fanden, bis sie begriffen, dass sie nie welche gehabt hatten, und weinend in ihrer Wohnung zusammenbrachen. Man fand auch manches wieder, Badewannenstöpsel, die man gar nicht verloren hatte, Apothekenschränkchen, Leergut und Boxhandschuhe, Pfefferminzpastillen, eine Korkensammlung und ein Dutzend Schlüssel, die zu nichts passten.

(Nora Bossong)

"Fallen" – Erzählung von Nora Bossong [22:51 Minuten]

Sendung am 25. August 2020 23:04 Uhr

Lesung Helga Bürster: "Zum Fluss"

Helga Bürster [Quelle: Helga Bürster]
Helga Bürster [Quelle: Helga Bürster]

Eine alte Frau sitzt auf der Bank vor ihrem Haus, während sich die Nachbarn auf den Urlaub vorbereiten: Kasseler Berge, Campingurlaub, "so für zwischendurch". Aber der Start in die Ferien verläuft alles andere als problemlos. Ilse auf ihrer Bank war noch nie in den Kasseler Bergen. Oder sonst irgendwo. Sie sehnt sich nach einem Ort, der für sie fast mythische Bedeutung hat – ganz nah und dennoch unerreichbar fern. Mit trockenem Humor und einer tragisch-sympathischen Hauptfigur erzählt Helga Bürster ("Luzies Erbe") von Sehnsüchten und Missverständnissen und vom großen Glück in kleinen Dingen.

"Zum Fluss" – Erzählung von Helga Bürster [23:38 Minuten]

Sendung am 10. September 2020 23:04 Uhr

Heinz Helle: "Ich liebe dich sehr, wenn es regnet"

Heinz Helle, Schriftsteller [Quelle: DPA, Gaetan Bally/Keystone]
Heinz Helle [Quelle: DPA, Gaetan Bally/Keystone]
Und als mir ein wenig Sand ins Gesicht wehte, schloss ich die Augen, und erinnerte mich an den Moment, als ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, dass vielleicht etwas nicht stimmt mit diesem Planeten, es war so heiß, dass die Luft wehtat auf der Haut, als hätte man mit der flachen Hand darauf geschlagen, wir waren auf der Rückreise aus Norddeutschland, das Thermometer im Auto zeigte 37 Grad…

Heinz Helle

Eine Reise in die Abgründe des Alltags: Ein Paar erwartet das zweite Kind. Die Töpfe werden nicht richtig sauber. Mehrere Messer fehlen. Das Trampolin ist zerlegt im Keller. Anstatt zu verreisen, erinnert man sich auf dem frisch gestrichenen Balkon. Heinz Helle, Wahl-Schweizer und promovierter Philosoph, sucht beim Schreiben die Nahtstelle zwischen Verzweiflung und Optimismus – zuletzt in seinem preisgekrönten Bruderroman “Die Überwindung der Schwerkraft“. Die Musikalität eines Textes ist ihm dabei mindestens so wichtig wie der Inhalt.

Erzählungen zum Reisen [56:36 Minuten]

Sendung am 28. August 2020 23:04 Uhr

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 18. Juli, 20:05 Uhr

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