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Premiere in Bremen

Moks-Theater zeigt "IOTA.KI"

Künstliche Intelligenz begegnet uns bereits überall im Alltag:  Algorithmen agieren ziemlich selbstständig in Handykameras und beim Onlineshopping und lernen immer noch dazu. Die Entwicklung wird rasant weiter gehen. Gerade hat die Bundesregierung dafür sechs Milliarden Euro locker gemacht. Künstliche Intelligenz – kurz KI – ihr scheint die Zukunft zu gehören, aber eigentlich gehört sie ja immer noch den nächsten Generationen. Die Jugendsparte Moks des Theaters Bremen hat im Brauhaus dem Thema "Künstliche Intelligenz" eine Uraufführung gewidmet. Sie heißt IOTA.KI. und unsere Theaterkritikerin Christine Gorny war dabei.

Kerstin Pohle, Julian Anatol Schneider, Judith Goldberg, Fabian Eyer in "IOTA.KI" in Bremen. [Quelle: Theater Bremen, Jörg Landsberg]
Kerstin Pohle, Julian Anatol Schneider, Judith Goldberg, Fabian Eyer in "IOTA.KI" in Bremen. [Quelle: Theater Bremen, Jörg Landsberg]

Inszeniert hat das Ganze das "Sputnic-Kollektiv". Es besteht aus drei Medienkünstlern, die sich diesmal kreativ verstärkt haben mit zwei Comic-Zeichnerinnen. Sputnic betreibt ein besonderes Format, das sie selbst "Live-Animation-Cinema" nennen. Der englische Name drückt es schon ganz gut aus: Man fühlt sich ein bisschen wie im Kino, ein bisschen wie im Theater. Originelle Animationen auf einer sehr lebendigen Bühne.

Gespräch mit Christine Gorny – Küntliche Intelligenz mit etwas Retro-Flair [5:31 Minuten]

Vier Schauspielende bedienen sechs Tageslichtprojektoren, legen bemalte Folien auf, schieben und bewegen ausgeschnittene Figuren drüber. Das Ganze wird projiziert auf Leinwände und Stoffbahnen auf der ansonsten leeren Bühne. Dabei sieht das Publikum eine recht stilisierte Ästhetik. Scherenschnitte, die ziemlich retrohaft wirken und mich an meine Kinderbücher erinnert haben aus den 1960er Jahren. So wie mich übrigens die Tageslichtprojektoren an meine Schulzeit erinnern, die ebenfalls lange zurückliegt. Und so entsteht insgesamt ein reizvoller Kontrast zur Zukunftsthematik des Stückes.

Das ist die Geschichte des Stücks

Anna, Informatikerin und Astronomie-Studentin, hat eine Software entwickelt: Eine Künstliche Intelligenz mit Namen "IOTA". Die soll Signale außerirdischen Lebens aufspüren. Stattdessen führt IOTA Anna aber in irritierende Parallelwelten, wo sie ungewöhnliche Bekanntschaften macht. Sie lernt den Teilchenphysiker Dot kennen und die Biologin Eleva. Beide arbeiten in ihren Welten ebenfalls mit IOTA zusammen. Die Realitätsverwirrung wird sehr anschaulich und originell umgesetzt. Allerdings sorgt Annas Entdeckung dann in der irdischen Realität für gefährliches Chaos. Das ruft nicht nur die Staatsmacht auf den Plan, sondern auch digitale Reparaturprogramme, die IOTA löschen wollen.

Künstliche Intelligenz – kritisch oder positiv?

Auf solch eine Schwarz-Weiß-Sicht will sich Niels Voges von Sputnic gar nicht einlassen, der das Stück geschrieben hat und Regie führte.. Ihm schwebt weder ein Schreckensszenario vor noch eine Werbung für die schöne neue KI-Welt. Sondern er interessiert sich dafür, was es mit den Menschen macht, wenn sie technologisch in andere Dimensionen vorstoßen. Und zum Menschsein gehören auch existenzielle Fragen, nach dem Sinn des Lebens, nach der Angst vor dem Tod oder nach Gott. Auch darum geht es in diesem Stück.

Julian Anatol Schneider, Fabian Eyer in "IOTA.KI" [Quelle: Theater Bremen, Jörg Landsberg]
Julian Anatol Schneider, Fabian Eyer in "IOTA.KI" [Quelle: Theater Bremen, Jörg Landsberg]

Ich kann tatsächlich nicht sagen, wie es für das jugendliche Zielpublikum ist – mir ging es an manchen Stellen ein bisschen zu verspielt zu: Wenn Avatare und echte Figuren im Kunstnebel zwischen Echtzeitprogrammierung und Verfolgungsjagd mal eben die Quantenphysik erläutern, ist mein persönlicher Prozessor an seine Grenzen gekommen. Aber das ändert nichts am äußerst positiven Gesamteindruck: Das Multitasking der Schauspielenden an den Overheadprojektoren war nicht nur extrem beweglich, sondern auch tief bewegend: "IOTA.KI" zeigt nicht nur unterhaltsame, spannende und witzige Szenen, die sehr kunstvoll und poetisch illustriert sind, sondern führt eben auch den Herstellungsprozess live vor Augen. Man kann also gewissermaßen den Algorithmus der Inszenierung beobachten. Und insofern wird hier künstliche Intelligenz bestens dargestellt – mit menschlicher Kreativität.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 25. November 2018, 9:38 Uhr

Hinweis: Die nächsten Aufführungen am 27. und 28. November 2018 im Brauhaus auf dem Gelände des Theaters Bremen.

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