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Premiere in Bremen

Madonna: Erinnerungen an eine lebende Legende

7. Dezember 2019

Die Poplegende Madonna hat – wegen Krankheit – ihre Konzerte am vergangenen Sonntag und Montag in Boston abgesagt. Dafür konnte man ihr jetzt im Theater Bremen begegnen – in ihren Songs. Für den traditionellen Liederabend hat sich das Theater in dieser Spielzeit die Queen of Pop vorgenommen, erklärtermaßen als Geschenk zu ihrem 61. Geburtstag. "In bed with Madonna" heißt die Inszenierung. Unsere Theaterkritikerin Christine Gorny war bei der Premiere im Kleinen Haus dabei.

Szene aus 'In Bed with Madonna' [Quelle: Theater Bremen, Jörg Landsberg]
Großes Showtheater: Annemaaike Bakker, Ferdinand Lehmann und Justus Ritter. [Quelle: Theater Bremen, Jörg Landsberg]

Ein Madonna-Lieder-Abend, ganz ohne Madonna – das klingt schon nach einer ziemlichen Herausforderung. Nun geht es bei den Liederabenden am Theater Bremen ja nicht darum, das Leben der Stars nachzuerzählen oder ihre Songs zu covern, sondern es ist immer eine Art musikalische Entdeckungsreise – in diesem Fall also in die Welt von Madonna. Auf den Weg gemacht haben sich fünf Mitglieder aus dem Schauspielensemble sowie die Musikerin Maartje Teussink als Reiseleiterin. Wir kennen sie von den Alize-Zandwijk-Produktionen am Theater Bremen, in denen sie meistens am Bühnenrand mit verschiedenen Instrumenten einen Soundtrack zum jeweiligen Stück liefert. Diesmal spielt ihre Musik selbst gewissermaßen die tragende Hauptrolle

Der Weg ist das Ziel auf dieser musikalischen Reise

Szene aus 'In Bed with Madonna' [Quelle: Theater Bremen, Jörg Landsberg]
F. Lehmann, A. Bakker, A. Angeletta, D. Orta, J. Ritter. [Quelle: Theater Bremen, Jörg Landsberg]

Wir erleben eine Bandbreite von Madonnas Schaffen, Schwerpunkt sind die 1980er und 90er Jahre. Ihren Durchbruch schaffte Madonna mit dem Sommerhit "Holiday". Und damit startete auch der Bremer Liederabend. Annemaike Bakker war aber nur eine Stimme von Madonna auf der Bremer Bühne. Auch die Männer interpretierten ihre Songs. "Material Girl" zum Beispiel singt ein Männerduett, der eine in Korsage, der andere in eine lila Riesenschleife verpackt. Das Ensemble bringt unterschiedliche Facetten Madonnas zum Klingen – und gibt dem Ganzen dabei einen ironischen Touch. Natürlich waren alle großen Kracher zum Mitwippen am Start, vor allem die frühen, "Like a Virgin" , "Like a Prayer", "La Isla Bonita" und wie sie alle heißen.

Szene aus 'In Bed with Madonna' [Quelle: Theater Bremen, Jörg Landsberg]

Legende und Ikone

Madonna war und ist stilprägend für Generationen von Frauen. Keine einfache Aufgabe für ein Theaterstück. So war es oft Kunst im Dunst: reichlich Nebelmaschinen im Einsatz, schummrige Bühnenatmosphäre. Andererseits aber auch funkelnde Diskokugeln, die wie Satelliten Madonnas Welt umkreisen. Allerdings keine brennenden Kreuze oder Tanzeinlagen auf Straßenkreuzern. Die Inszenierung versucht gar nicht erst, mit Madonnas Original-Vorlagen zu konkurrieren. Sondern setzt auf Andeutungen und eben auf Ironie. Für einen Tanz um die goldene Kugel in lichter Höhe wird etwa eine Sängerin mit einem piependen Gabelstapler angeliefert. Und aus den perfekten Tanzeinlagen der Videoclips macht die Bremer Truppe eine fröhliche Aerobic-Show. Ein paar Mode-Markenzeichen von Madonna durften allerdings nicht fehlen: bauchfreie Tops, Leggings, schwarzer Lederanzug und auch die schwarzen Kapuzen aus "Frozen" waren zu sehen.

Das Leben von Madonna Louise Veronica Ciccone

Szene aus 'In Bed with Madonna' [Quelle: Theater Bremen, Jörg Landsberg]
Maartje Teussink sorgte für die Musik. [Quelle: Theater Bremen, Jörg Landsberg]

"In Bed with Madonna" heißt der Liederabend. Das ist auch der in Deutschland verwendete Titel eines Dokumentarfilms über Madonna aus dem Jahre 1990, der im Original allerdings "Madonna Truth or Dare" heißt. Die Show beginnt zwar "In Bed with Madonna", also im Bett, wo die junge Ciccone unter dem Bildnis der Jungfrau Maria das erste Lied singt und quasi künstlerisch erweckt wird. Aber das war es dann auch schon. Eigentlich spielt der Dokumentarfilm über eine Japan-Tournee keine Rolle. Und auch Madonnas Backstage-Leben wird hier nicht nacherzählt. Weder die Ehefrau noch die Geschäftsfrau, weder die Feministin noch die Kabbalistin kommen vor. Außer einem "Virgin-Suicide" gibt es keine Handlung auf der Bühne, stattdessen erzählt jeder Song von der Gabe einer Künstlerin, die sich immer wieder neu erfunden hat. Und so endet der Liederabend dann ganz konsequent mit einem vielstimmigen a capella von "Cherish".

Erinnerungen an lebende Pop-Legende auf Bremer Theaterbühne [4:50 Minuten]

Die Regisseurin Anne Sophie Domenz und die Musikerin Maartje Teussink haben eine würdige Geburtstagsfeier für Madonna arrangiert. Fröhlich statt provokant. Das künstlerische Motto von Madonna "Express yourself" haben alle Beteiligten schön aufgenommen. Allen voran Annemaaike Bakker, übrigens als schwarzhaarige Madonna. Sie hatte die meisten Songs zu interpretieren, war dabei kraftvoll, sensibel und hat einfach gut gesungen. Am Schluss gab’s für alle viel Applaus.

Dieses Thema im Pogramm: Bremen Zwei, 7. Dezember 2019, 9:50 Uhr

Hinweis: Nächste Vorstellung a 13. Dezember 2019 um 20 Uhr

Theater-Premieren