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Reportage

Warum hat Bremen keine U-Bahn?

10. Dezember 2018, 10:40 Uhr

Wer in eine bekannte Suchmaschine die Worte: "Warum hat Bremen…" eingibt, bekommt als ersten Vorschlag in der Suchleiste die Frage: "Warum hat Bremen keine U-Bahn?" Ja, warum denn eigentlich? Bremen-Zwei-Reporterin Jana Wagner hat sich durch alte und neue Pläne gewühlt und ist auf Spurensuche ganz tief in den Untergrund gegangen.

Fotomontage: Eine Bremer U-Bahn mit Ziel Huchting in einer U-Bahn-Station. Grundlage für diese Bildmontage ist ein Foto der Berliner U-Bahn aus den1960er Jahren. [Quelle: Archiv Bremer Zentrum für Baukultur]
Fotomontage einer U-Bahn-Station mit Bremer Endhaltestellen. [Quelle: Archiv Bremer Zentrum für Baukultur]

Warum hat Bremen keine U-Bahn? [3:31 Minuten]

Es ist das Jahr 1965. Eine gelbe Lok taucht aus dem Dunkel auf und kommt ächzend zum Stehen: die Bremer U-Bahn in den 60er Jahren. Ein Foto zeigt sie sogar: Zwei Gleise, eines in Richtung Huchting, das andere führt nach Osterholz. Also gab es die Bremer U-Bahn wirklich mal? Nein, sagt der Architekturhistoriker Eberhard Syring.

Das ist eine Fotomontage. Da hat man vielleicht in Hamburg, Berlin oder sonst wo und die Schilder geändert. (…)  die Montage liegt bei uns im Archiv, das kann man sehen, dass das eine Montage ist.

Eberhard Syring.

Wie nah war Bremen am Bau einer U-Bahn dran?

Die Bremer U-Bahn war eine Utopie. Aber wie nah war Bremen am Bau einer U-Bahn dran? Im Bremer Staatsarchiv suche ich nach Gutachten, Zeitungsausschnitten und Vorlagen für Senatssitzungen – und stoße auf einen Plan aus dem Jahr 1952. Das Gutachten sah vor, die Straßenbahnlinien 2 und 3 in der Innenstadt zwischen Ostertor und dem Doventor in einen Tunnel zu legen: 1,7 Kilometer Länge, sieben Haltestellen. Doch trotz positiver Resonanz kam die Bremer U-Bahn nicht. Denn es fehlte die Anbindung an die neuen Stadtteile Vahr und Huchting. Der Plan verschwand wieder in den Schubladen.

Fünf Jahre später, 1957, verlängerte der Verkehrswissenschaftler Walther Lambert die unterirdische Bahn um die Linie 4. Und seine Pläne wurden tatsächlich konkret. Am 2. August 1963 titelten die "Bremer Nachrichten" – "Erste Löcher für Unterpflasterbahn. Bohrungen an 50 Stellen"

Letzer Versuch in den Achtzigerjahren

Bohrungen ja, doch die U-Bahn ließ weiter auf sich warten. Mittlerweile war es das Jahr 1964 und die geplante Unterpflasterbahn war schon wieder viel zu klein. Professor Walter Grabe plante deswegen ein Jahr später vier Linien – unter anderem eine Linie von der geplanten Universität bis nach Huchting, welche die Weser unterfahren sollte. Aber eines hatte Grabe vergessen: Bremen Nord. Wenig später kamen deswegen S-Bahn Pläne hinzu – aus dem U-Bahn-Plan entstand ein Großprojekt – für Bremen zu teuer. Doch das war noch nicht das Ende, sagt Eberhard Syring.

Der letzte Versuch etwas zu machen, der stammte vom Senatsbaudirektor Kulenkampff. Der erstellt Anfang der 80er nochmal ein Gutachten. Es war nur ein kleines Stück. In der Obernstraße, also am Ansgarikirchhof taucht die Unterpflasterbahn ab und dann taucht die vor dem Gerichtsgebäude in der Ostertorstraße wieder auf. Aber auch dafür gab es keine Bereitschaft in der Politik, das Projekt in Angriff zu nehmen.

Eberhard Syring

Student macht Bremer U-Bahn lebendig – im Netz

Ist das Projekt also begraben? Nicht ganz – denn wer heute im Internet nach der Bremer U-Bahn sucht, findet die Bremer U-Bahn plötzlich ziemlich real – zumindest digital. Christian Bode hatte 2005 als Student die Idee, das Projekt U-Bahn wieder lebendig werden zu lassen.

Im Rahmen der Bremer U-Bahn habe ich wirklich alles erstellt. Von einem Fahrplan über den gesamten Internetauftritt. Und im Endeffekt habe ich dafür gesorgt, dass auch mit Bildmaterial die Website so aussieht, dass man damals wirklich darauf reinfallen konnte.

Christian Bode

Seine Seite machte die U-Bahn plötzlich wieder ganz lebendig. Auch Eberhard Syring glaubt nicht, dass die Bremer U-Bahn für immer eine Utopie bleiben muss.

Alles kommt wieder – deswegen würde ich nie sagen – das ist endgültig vom Tisch.

Eberhard Syring

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 10. Dezember 2018, 10:40 Uhr

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