Livestream

Bremen Zwei Rubriken Reportagen

Reportage aus Verden

Der versteinerte Küster

Wer nach Verden kommt, muss sich den Dom angesehen haben. Die gotische Kirche gilt als Wahrzeichen der Stadt und steckt voller Geschichten. Eine davon ist die vom Steinernen Mann.

Eine Schrifttafel zeigt den steinernen Mann im Dom zu Verden. [Quelle: Radio Bremen, Stephanie Alvarez]
Eine Infotafel im Innenhof des Doms weist auf den steinernen Mann hin. [Quelle: Radio Bremen, Stephanie Alvarez]

Der steinerne Mann im Dom zu Verden [2:58 Minuten]

Der Steinerne Mann vom Dom zu Verden ist verdammt schwierig zu finden, steht zumindest so im Internet. Beate Grotheer, Küsterin im Verdener Dom, kann das bestätigen. Sie musste schon vielen Touristinnen und Touristen den Weg weisen.

Die haben innen drin gesucht im Dom. Oder im Kreuzgang oder hier unten irgendwo. Als wenn der hier liegen sollte. Es war eigentlich schon fast alles dabei.

Beate Grotheer, Küsterin

Im Dom ist er eigentlich ganz gut ausgeschildert. Im Kreuzgang direkt hinter dem Eingang hängt ein Täfelchen mit Wegbeschreibung. Raus in den Innenhof. Dann links und noch mal links.

Irgendwann klappt es dann schon. Ich weiß auch nicht, wie man’s machen soll. Vielleicht muss man irgendwie Schritte machen auf den Boden. Aber eigentlich ist es ja auch das Spannende, dass die Leute ein bisschen suchen sollen.

Beate Grotheer

Der steinerne Küster guckt in zwanzig Metern Höhe aus der Mauer des Doms. [Quelle: Radio Bremen, Stephanie Alvarez]
In 20 Metern Höhe ragt der steinerne Mann aus der Domsmauer. [Quelle: Radio Bremen, Stephanie Alvarez]

Im Innenhof hängt noch eine weitere Infotafel mit einer Kurzfassung der Sage und einem Bild. Überschrift: “Der steinerne Mann.” Darunter in Klammern: “Oben links.” Und da steckt er auch. Ziemlich weit oben in ungefähr 20 Metern Höhe neben einem Kirchenfenster.

Es sieht wirklich so aus, als ob er aus dem Gebälk noch rausklettern will. Er hat ja auch die Hand richtig am Stein. So wie wenn man irgendwie aus der Kiste rauskrabbelt oder aus dem Karton.

Beate Grotheer

Der gräulich-grüne Steinmann hängt bis knapp unter die Brust an der Kirchenwand. Darunter krallen sich seine Hände in die Mauer aus rotem Sandstein. Augen und Mund sind weit aufgerissen. Aber warum hängt da überhaupt ein schreiender Mann? Beate Grotheer kennt die Geschichte:

Es soll ein Domküster Geld veruntreut haben. Ein Kirchdiener oder Kirchküster. Und dann hat der gesagt: “Nein. Das stimmt nicht. Das ist nicht so. Und wenn das so sein sollte, dann soll der Teufel mich holen.” Da kam natürlich prompt der Teufel. War hinter ihm her, wollte die Seele aus ihm rausprügeln.

Beate Grotheer

Und jetzt gibt es zwei Versionen: In der ersten versucht der Küster, irgendwie durch ein Loch in der Kirchenmauer zu fliehen. In der zweiten erwischt ihn der Teufel und schleudert ihn durch die Wand. In beiden Fällen bleibt er in dem Gemäuer stecken und wird zu Stein.

Die Küsterin des Doms zu Verden Beate Grotheer steht neben der Schrifttafel. [Quelle: Radio Bremen, Stephanie Alvarez]
Beate Grotheer ist seit 18 Jahren die Küsterin des Doms zu Verden. [Quelle: Radio Bremen, Stephanie Alvarez]

Die Sage vom diebischen Küster soll – früher wie heute – vor allem Gesellen auf der Walz davor warnen, in Verden Unsinn zu treiben, immer ehrlich zu bleiben und nicht zu stehlen. In Wirklichkeit ist der Steinerne Mann einfach nur ein Wasserspeier.

So richtig was vorstellen konnte man sich nie unter dem Steinernen Mann und manche sind auch enttäuscht, wenn sie ihn sehen: “Ach das ist der Steinerne Mann?” Ich sag: “Naja, ist eben ne Sage.” Und jede Kirche hat was, was man suchen muss.

Beate Grotheer

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 25. März 2020, 13:40 Uhr

Reportagen