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Grenzstreit

Wem gehört der "Schlickzipfel"?

7. Oktober 2019, 10:30 Uhr

Zwischen Bremen und Niedersachsen gibt es eine ungelöste Grenzfrage. Seit über 150 Jahren gibt es Streit über etwa 300 Meter Land.

Eine Karte von Bremerhaven und der gegenüberliegenden Weserseite mit Grenzverlauf zu Niedersachsen (Montage) [Quelle: Bing Maps/Radio Bremen]
Luftaufnahme: Links oben sieht man den schraffierten Landzipfel und den Ländergrenzen-Verlauf. Rechts sieht man Bremerhaven mit dem Weserstrandbad und der Einfahrt zur Geeste. [Quelle: Bing Maps/Radio Bremen]

Wem gehört der "Schlickzipfel"? [3:09 Minuten]

Wo endet Bremerhaven? Wer sich in Bremerhaven vor das Sail-City-Hotel stellt und vom Deich aus über die Weser blickt, schaut genau auf einen Zipfel Land. Auf den ersten Blick gehört er zum Nordenhamer Stadtteil Blexen und damit zum Landkreis Wesermarsch  – also zu Niedersachsen. So ist es aber nicht, sagt Marco Kewes vom Bremerhavener Katasteramt.

Vertrag von 1867 legt Wasserlinie als Grenze fest

Der Grund für den Grenzkonflikt liegt in einem 150 Jahre alten Staatsvertrag, 1867 geschlossen zwischen Preußen auf der östlichen und dem damaligen Großherzogtum Oldenburg auf der westlichen Weserseite. Darin heißt es:

Von der Blexer Hörne ab läuft die Grenze in der Höhe der gewöhnlichen Ebbe am östlichen Ufer des Oldenburgischen Festlandes entlang, bis sie eine vom Blexer Kirchthurm nach dem Bremerhavener Leuchtthurm zu ziehende Linie schneidet.

Staatsvertrag zwischen Bremen und dem Herzogtum Oldenburg, 1867

Grenzlinie sollte freie Hafenzufahrt sichern

Damals, als Oldenburg dem Norddeutschen Bund beigetreten ist, wollte man die Grenze regeln. Dafür habe man die damalige Ebbelinie in der Weser genommen, weiß Marco Kewes. Es ging um wirtschaftliche Interessen:

Man hat damals ganz bewusst eine solche feste Grenze in den Vertrag geschrieben, weil die Preußen ihren Hafen auf jeden Fall unter Kontrolle haben wollten. Sie wollten nicht mit anderen Ländern abstimmen, wo eine Grenze zu laufen hat, sondern die wollten genug Platz vorm Hafen haben.

Marco Kewes

Unterschiedliche Eintragungen im Kataster

1880 trug man auf der Bremerhavener Weserseite die Grenze ins Kataster ein, und zwar die 1867 festgelegte Ebbelinie. Auf der oldenburgisch-niedersächsischen Seite geschah das erst 100 Jahre später, allerdings verzeichnete man dort die Deichgrenze und nicht die Ebbelinie aus dem Staatsvertrag von 1867, erklärt Marco Kewes.

In diesen hundert Jahren hat sich die Deichlinie durch die natürlichen Veränderungen verändert. Und weil sie nie im Kataster nachgewiesen war, hat man auch nicht gemerkt, dass man schon auf Bremerhavener Gebiet ist mit dem Deich.
Marco Kewes

Alter Grenzstreit spielt keine große Rolle

Streit gebe es deswegen zwar nicht. Doch ganz wirkungslos ist der ungelöste Konflikt auch nicht. Bei den Verhandlungen über einen Gebietstausch bei der Bremerhavener Luneplate wurde der Blexer Landzipfel ausgeklammert. Man habe wohl die Dinge nicht unnötig verkomplizieren wollen. Ansonsten spielt der alte Grenzstreit tatsächlich keine große Rolle – es sei denn, es würden jenseits der Weser einmal Bodenschätze gefunden. Wahrscheinlich ist das aber nicht – oder? "Die Hoffnung stirbt zuletzt", lacht Marco Kewes.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 7. Oktober 2019, 10:40 Uhr

 

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