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Warum die Ostfriesen-Flagge ein historischer Irrtum ist

21. Januar 2019, 13:40 Uhr

Wer durch Ostfriesland fährt, der sieht sie immer mal wieder in dem einen oder anderen Vorgarten wehen: Die Ostfriesland Flagge. Schwarz-rot-blau waagerecht gestreift und oftmals ein Wappen in der Mitte. Doch eigentlich ist die Flagge gar nicht das Symbol der Freien Friesen, sondern die einer Adelsfamilie. Also ein Widerspruch oder doch nicht? Frank Jakobs weiß mehr.

Flagge Ostfrieslands mit Wappen. [Quelle: Radio Bremen, Montage]
Die Flagge der stolzen Friesen. [Quelle: Radio Bremen, Montage]

Die Ostfriesland Flagge sei ein Markenzeichen geworden, sagt der Historiker und ehemalige Direktor der Ostfriesischen Landschaft Hajo van Lengen.

Die Ostfriesenfahne mit ihren Farben schwarz, rot, blau, die leitet sich vom Wappen des früheren Fürstenhauses her. Und diese Farben und auch dieses Wappen des Fürstenhauses, das ist so ein Markenzeichen geworden für das Selbstverständnis vieler Ostfriesen.

Hajo van Lengen

Friesische Freiheit

Oft ist darauf noch ein Spruch zu lesen: "Eala Frya Fresena". Übersetzt heißt das so viel wie "Seid gegrüßt, ihr freien Friesen" und erinnert an 800 Jahre "Friesische Freiheit".  Ein einmaliges Gesellschaftmodell im Mittelalter, das im Gegensatz zur feudalen Struktur des übrigen Europas stand, so van Lengen. Demnach sind die Friesen keinem verpflichtet außer dem Kaiser. Heerfolge oder gar ein Feudalsystem gab es nicht.

Also, ich würde sagen die Fürsten würden sich im Grab umdrehen, wenn sie über ihrem Wappen den Freiheitsspruch der Friesen lesen würden. Auf die Idee würden sie natürlich nie kommen, aber für die Identität der Ostfriesen gehört beides zusammen.

Hajo van Lengen

Eigentlich hatten die Landstände in Ostfriesland neben den Farben Schwarz-Rot-Blau der Fürsten ein eigenes Wappen, das sie sogar vom Kaiser verliehen bekommen haben, so van Lengen. Damit wurde dokumentiert, dass die ostfriesischen Landstände in der Vergangenheit eine große politische Bedeutung hatten.

Doppelspitze

Dennoch spielten im 13. Jahrhundert auch die einheimischen Fürsten, auch Häuptlinge genannt, politisch eine Rolle. Sie mussten allerdings das Privileg der friesischen Freiheit beachten so, van Lengen.

Also, insofern ist es kein Widerspruch, weil nämlich die Landschaft mit ihrem Wappen und Ostfriesland mit seinem Fürstenwappen beide zusammen ja Ostfriesland regiert haben.  Ostfriesland hatte zwei Hoheitsträger. Heute würden wir sagen eine Doppelspitze.

Hajo van Lengen

Die Ostfriesische Landschaft gilt als demokratisch verfasstes, vollwertiges regionales Parlament und als echte Repräsentanz der gesamten Bevölkerung Ostfrieslands.  Und sie darf seit dieser kleinen Änderung ihrer Verfassung bei offiziellen Anlässen neben der deutschen und niedersächsischen auch die ostfriesische Flagge hissen. Und so hängt die Fürstenflagge am Gebäude der Landschaft in Aurich und in den Gärten zwischen Weener und Wittmund und soll an die Friesische Freiheit erinnern. Ein Widerspruch? "Laat de Lüü man proten", sagen sich die Ostfriesen und sind stolz auf ihre Flagge und ihre Identität. Kein Widerspruch, klar?

Warum die Ostfriesen-Flagge ein historischer Irrtum ist [3:15 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. Januar 2019, 13:40 Uhr.

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