Livestream

Bremen Zwei Rubriken Reportagen

Reportage

Bauruinen der Bundeswehr

3. Februar 2020, 10:40 Uhr

Wer ziellos kreuz und quer durch den Oldenburger Stadtteil Osternburg läuft oder fährt, abseits der Hauptverkehrsstraßen, stößt auf einige Überraschungen. Zum Beispiel den Wunderburgpark. Einen jüdischen Friedhof. Eine 100 Jahre alte Wohnsiedlung namens Kamerun. Und plötzlich steht man vor zwei riesigen, klotzigen Gebäuden, die offenbar seit Jahrzehnten niemand mehr betreten hat. Wer lässt die da einfach so stehen? Was war das eigentlich mal? Und ließe sich daraus nicht irgendwas machen?

eine verfallene graue Kaserne mit bemoostem Dach [Quelle: Radio Bremen, Gerhard Snitjer]
Seit Jahrzehnten ungenutzt: die Lagerhallen für Soldatenverpflegung in Oldenburg-Osternburg. [Quelle: Radio Bremen, Gerhard Snitjer]

Ein Beitrag von Gerhard Snitjer:
Verfallene Lagerhallen der Bundeswehr in Oldenburg [3:36 Minuten]

Betreten verboten!

Niemand darf die beiden Gebäude betreten oder ihnen auch nur zu nahe kommen, denn sie sind, wie es im Liegenschafts-Deutsch heißt, "abgängig". Und zwar offenbar schon sehr lange. Ein Blick von außen genügt, um zu sehen, dass hier nichts zu retten ist. Es fehlen Dachziegel, die Dachrinnen lösen sich, die Fenster sind blind oder kaputt, und an den vormals hell verputzten Fassaden hat sich großflächig ein dicker, grünlicher Belag gebildet. Die identischen Häuser stehen da wie aus der Zeit gefallene, bemooste Dinosaurier. Oder wie eine Kulisse für einen Gruselfilm.

Welchem Zweck sie einmal dienten, weiß Gerhard Kindl, Experte für Oldenburgische Militär-Historie: Dies waren ursprünglich Lagerhäuser der Deutschen Wehrmacht.

In den Jahren 1938 bis 40 entstanden auf dem Gelände das Heeresverpflegungsamt mit Gleisanschluss , drei Botenspeicher und ein Verwaltungsgebäude.

Lagerhallen für Soldaten-Verpflegung

Das war in einer Zeit hektischer Aufrüstung, das Heer wuchs, und die Verpflegungs-Logistik musste mitwachsen. Hier im Oldenburger Stadtteil Osternburg war Platz dafür. Den riesigen Viehmarkt, der an dieser Stelle vorher angesiedelt war und vorwiegend von jüdischen Händlern beschickt wurde, hatten die Nazis geschlossen, und so konnten vor rund 90 Jahren die Lagerhäuser entstehen. Knapp 60 Meter lang ist jedes der beiden, fast 15 Meter breit. Sie überragen alles, was an Wohnhäusern, Bürogebäuden und sonstigen Funktionsbauten in der Nähe steht. Die unterste Ebene verfügt beidseitig auf ganzer Länge über Laderampen und große Rolltore, darüber erstrecken sich vier volle Etagen mit unzähligen Fenstern, und oben im maroden Satteldach verbergen sich offenbar weitere zwei Stockwerke, den Dachgauben nach zu urteilen.

eine verfallene graue Kaserne mit bemoostem Dach [Quelle: Radio Bremen, Gerhard Snitjer]
Die riesige Lagerhalle wurde von der Wehrmacht für die Heeresverpflegung gebaut. [Quelle: Radio Bremen, Gerhard Snitjer]

Jede Etage dieser beiden Häuser war einmal eine riesige Lagerhalle für Heeresverpflegung. Da gab es Bereiche voller Schüttgut, und andere Abteilungen mit Kartons und sonstigen Behältern, erklärt Gerhard Kindl.

Darin wurde gelagert: Frischfleisch und Gemüse für die Soldaten der Deutschen Wehrmacht. In den Kartons hatte man Einsatzverpflegung, die länger zu lagern war. Dafür wurden die Gebäude genutzt.

Einsatzverpflegung – jeder Soldat in Deutschland kannte und kennt die Abkürzung EPa für die sogenannte Einmann-Packung mit unverderblichen Lebensmitteln. Gerade so umfangreich, dass sie im Einsatz mitgeführt werden kann.

Was dort verpackt ist, ist die Grundverpflegung für den Soldaten,  Dosenfleisch, Kaffee in Pulverform, Zucker, Aufstrich und so weiter.

Gebäude stehen seit Jahrzehnten leer

In den Nachkriegsjahren wurden die Lagerhäuser zivil genutzt, aber später dienten sie wieder dem Militär, genauer dem Bundeswehrverpflegungsamt gleich nebenan. Gerhard Kindl, Hauptmann außer Dienst, hat diesen Standort um die Jahrtausendwende einmal geleitet, aber schon da waren diese beiden Lagerhäuser längst außer Betrieb. Weitere Jahrzehnte sind vergangen. Wie mag es da drinnen aussehen? Wenn man hineindürfte, könnte man wahrscheinlich bizarre Fotos machen oder unheimliche Krimi-Szenen drehen. Aber das steht gar nicht zur Debatte. Hausherrin ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben BIMA – und was die mit Bauwerken und Gelände vorhat, weiß hier am Standort niemand.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 3. Februar 2020, 10:40 Uhr

Reportagen