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Das Loch in der Bremer Kunsthalle

Die Bremer Kunsthalle hat ein Loch – und das schon seit einigen Jahren. Das Loch ist Kunst. Doch kaum einer der Besucherinnen und Besucher bemerkt dieses Loch. Wo es genau ist und welche Geschichten dahinter stecken – Bremen-Zwei-Reporterin Jana Wagner hat es aufgespürt.

Kunsthalle Bremen [Quelle: Radio Bremen, Martina Raake]
Die Kunsthalle Bremen beherbergt auch eine unsichtbare Sammlung. [Quelle: Radio Bremen, Martina Raake]

Ein Beitrag von Jana Wagner:
Kunsthalle Bremen: ein Loch als Kunstwerk [3:21 Minuten]

Ein unbekanntes Kunstwerk

Die Treppen hoch in den ersten Stock, durch die Räume mit Französischer Malerei, vorbei an Picasso und dann im ersten Raum des Anbaus, rechts auf der Seite ist es: das Loch. Es liegt auf circa 1,80 Meter Höhe in der Wand und ist ganz unscheinbar, handgroß und kreisrund. Hinter der Öffnung führt ein Sandsteinrohr schräg nach unten. Nur auf Zehenspitzen erhasche ich einen Blick ins Dunkle. Obwohl das Loch schon viele Jahre in der Kunsthalle überdauert hat, ist es vielen unbekannt, sagt Sophie Stuve, eine Sprecherin der Kunsthalle Bremen.

Tatsächlich gehen die meisten dran vorbei. (...) Die meisten denken, glaube ich, dass es vielleicht eine Klimaanlage ist, bleiben vielleicht kurz irritiert stehen, trauen sich dann aber nicht ganz und laufen weiter.

Sophie Stuve, eine Sprecherin der Kunsthalle

Ein Loch in der Wand. [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]
"A Hole in the Wall": ein oft übersehenes Kunstwerk. [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]

Entstanden bei Umbauarbeiten

Entstanden ist das Loch ursprünglich auch ein bisschen aus Zufall – bei den Umbauarbeiten der Kunsthalle in den Jahren 2009 bis 2011. Damals wurde der alte Anbau abgerissen. Zwei neue Anbauten sollten das alte Hauptgebäude ergänzen. Dabei machte der Bremer Künstler Wolfgang Hainke eine interessante Entdeckung:

Dann bin ich durch die Räume gelaufen und habe diese kleine Nische entdeckt – zwischen Altbau-Außenfassade und Neubau-Innenfassade. Dann kam der Gedanke, eine Arbeit zu machen, die eigentlich unsichtbar bleibt. Beim Studium der Pläne bei den Architekten habe ich gesehen, dass dahinter ein Schacht in die Tiefe führt. Und da war der Gedanke einer unsichtbaren Sammlung entstanden. 

Wolfgang Hainke, Künstler

Ein Loch in der Wand. [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]
Was sich in der Sandsteinröhre in der Kunsthalle befindet, weiß niemand. [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]

Ein Speicher für die Ewigkeit

Die Idee zu "A Hole in the Wall" war geboren. Aus einem Sandsteinblock aus der Fassade der alten Kunsthalle ließ er eine Röhre schneiden und legte diese in den Schacht. Für die Besucher und Besucherinnen sichtbar bleibt nur die Öffnung im ersten Obergeschoss. Doch das Loch soll nicht leer bleiben, sagt Sophie Stuve.

Es ist tatsächlich unser verstecktes Kunstwerk, es ist ein Speicher, in dem sich Sachen befinden können für die Ewigkeit von kleinen Notizen, Visitenkarten über Eintrittstickets können Besucher dort lagern.

Sophie Stuve

Besucher und Besucherinnen können zwar nicht sehen, was sich im Loch befindet, aber es ist ihnen erlaubt, neue Dinge hineinzuwerfen. Eine Geschichte eines Besuchers hat Wolfgang Hainke dabei besonders berührt.

Die Partnerin war kurz vorher gestorben, und er hat tatsächlich seinen Ehering da rein geworfen, nein versenkt. Der hat eigentlich das realisiert, was ich mir vorstelle.

Wolfgang Hainke

Was noch alles in dem Loch versteckt ist, wissen weder der Künstler noch die Mitarbeitenden der Kunsthalle. Erst wenn das Gebäude irgendwann einmal abgerissen werden sollte, tritt die unsichtbare Sammlung ans Licht.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 18.März 2019, 10:35 Uhr.

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