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Riensberger Friedhof

Eines der ersten Krematorien Norddeutschlands

23. April 2019, 10:30 Uhr

Wer schon einmal auf dem Riensberger Friedhof in Bremen war, dem ist das Gebäude bestimmt aufgefallen: der auffällige, palastartige Bau mit wuchtigen Säulen, steinernem Treppenaufgang und Kuppeldach am Ufer des Sees im Nordwesten des Friedhofs – das Kolumbarium. Vor über hundert Jahren war das Gebäude eines der ersten Krematorien Norddeutschlands. Denn Bremen war Vorreiter für die moderne Feuerbestattung. Bremen-Zwei-Reporterin Jana Wagner hat sich diesem – zugegeben, etwas morbiden – Thema angenommen.

Ein altes Gebäude aus Stein [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]
Das Kolumbarium des Riensberger Friedhofs [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]

Eine Reportage von Jana Wagner:
Erstes Krematorium in Bremen [3:29 Minuten]

Eine schmiedeeiseren Tür öffnet sich. Friedhofsleiterin Irma Gerken setzt das schwere Portal mit einem Schlüssel wie von Zauberhand in Bewegung. Die Tür schiebt sich nach innen auf. Gedämpftes Licht umnebelt die Wand von quadratischen Urnen-Nischen. Sie sind im Halbkreis angeordnet. Über ihnen wölbt sich das Rund des Kuppeldachs. Hinter der Wand aus Urnen-Fächern ist im Boden ein Art marmorner Sarg eingelassen, der mit einer Kupferkuppel abgedeckt ist.

Hier hat es früher eine Versenkanlage gegeben, darunter befindet sich ein Fahrstuhl. Auf diesem Fahrstuhl stand der Sarg, und nach der Beisetzung hat der Pastor auf einen Knopf gedrückt. Dann hat sich der Sarg abgesenkt, und die Kuppel hat sich geschlossen. Irma Gerken

Raumnot auf den Friedhöfen

Eine Frau in einer roten Jacke steht nemeb einem Schild [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]
Irma Gerken, Friedhofsleiterin des Riensberger Friedhofs in Bremen. [Quelle: Radio Bremen, Jana Wagner]

Weil die Feuerbestattung Anfang des 20. Jahrhunderts für viele noch ungewohnt war, brauchte es diese neuen Bestattungsrituale, sagt Irma Gerken. In dieser Zeit wuchsen die Städte und damit auch die Raumnot auf den Friedhöfen. Neue Ideen mussten her – und die kamen auch von den Bürgern selbst. "Und was vielleicht besonders ist, dass sich 1902 ein Verein für Feuerbestattung gegründet hat, und die haben am Ende auch dieses Krematorium gebaut und erst nach Fertigstellung der Stadt übergeben."

"Verein für Feuerbestattung"

Einer, der sich in diesem Verein engagierte, war Johann Diedrich Stubbe – ein ehemaliger Tischler, der sich später auf den Sargbau spezialisierte. Er gründete das Bremer Bestattungsunternehmen "Gebrüder Stubbe". Sein Enkel Christian Stubbe leitet heute das Unternehmen.

Nicht nur der Verein veränderte die Art und Weise zu bestatten, sondern auch Entwicklungen in der modernen Technik – die hatten sich die Gebrüder Stubbe zu Eigen gemacht:

1913 hat die Familie einen der ersten motorisierten Leichenwagen in Auftrag gegeben. Früher wurden die Särge ja alle mit Pferdetransporten gefahren, und da es ja auch viel über Land ging, war dann das motorbetriebene Auto dann doch ein großer Vorteil. Christian Stubbe
Firmengründer J.D. Stubbe bei der Arbeit  [Quelle: Christian Stubbe]
Firmengründer J.D. Stubbe bei der Arbeit [Quelle: Christian Stubbe]

Mit dem Auto konnten die Stubbes jetzt auch Menschen erreichen, die weit außerhalb der Stadt verstorben waren. 1903 beauftragte der "Verein für Feuerbestattung" den Architekten Heinrich Wilhelm Behrens, das Riensberger Krematorium zu erbauen – von der Stadt gab es keinen Pfennig dazu. Drei Jahre später stand der neoklassizistische Bau mit seinen Säulen und dem Kuppeldach. Der Verein äscherte den ersten Toten ein, erzählt Friedhofsleiterin Gerken: "Das war sozusagen ein Test, mit einem, der dem Verein Feuerbestattung angehört hat und der sich damals zu Lebzeiten zur Verfügung gestellt hat. Und 1907 wurde das Krematorium dann offiziell eröffnet."

Das Krematorium kurz vor der Fertigstellung [Quelle: Staatsarchiv Bremen]
Das Krematorium kurz vor der Fertigstellung, (1906), mit Architekten, Bauleuten, Initiator Holzkaufmann Franz Holscher (Bildmitte, Blick nach rechts) [Quelle: Staatsarchiv Bremen]

Knapp 80 Jahre später legte die Friedhofsleitung das Krematorium dann aber still. Es war nicht mehr zeitgemäß und hätte umgebaut werden müssen. Seit dem Jahr 2000 steht das ehemalige Krematorium unter Denkmalschutz. Heute ist das Gebäude eine Beisetzungsstelle für Urnen – und gleichzeitig ein wichtiges Dokument für die Bewegung der Feuerbestattung in Bremen im frühen 20. Jahrhundert.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 23. April 2019, 14:38 Uhr

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