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Kälberverlosung für den guten Zweck in Bremen

11. November 2019, 10:38 Uhr

Eine Lotterie für den guten Zweck – diese Idee steckt hinter der so genannten "Kälberverlosung" aus dem Jahr 1738. Eine Tradition, die bis heute überlebt hat, wenn auch in einer modernisierten Art und Weise. Bremen-Zwei-Reporterin Marina Weidenhaupt stellt sie vor.

Ein Kälbchen aus Holz steht vor einem Hauseingang [Quelle: Alten Eichen/Christian Stoll]
Die Tradition lebt in Bremen weiter – auch ohne echtes Kälbchen. [Quelle: Alten Eichen/Christian Stoll]

Die Reportage zum Anhören:
Kälberverlosung für den guten Zweck in Bremen [3:06 Minuten]

Im 18. Jahrhundert gab es in Bremen drei Waisenhäuser, die bis dahin nur von Spenden finanziert wurden. Das reichte aber irgendwann nicht mehr, und deswegen musste etwas Neues her, erklärt Stadtteilchronist Michael Koppel: "Irgendwann kam dann um 1750 irgendjemand auf die Idee zu sagen: Mensch, wir können das doch mit einer Lotterie machen, dann verkaufen wir Lose, und dafür gibt es dann als Gewinn einen Teil des Kalbes."

Mit geschmückten Ochsen und Kälbern durch die Stadt

Kleines Mädchen steht auf dem Bauernhof vor einem Kalb, 1880, Holzschnitt. [Quelle: Imago, imagebroker]

Damals war das nicht nur eine Verlosung – es war ein richtiges Spektakel, bei dem auch lebendige Tiere eine große Rolle spielten: Zur Freimarktszeit, wenn alles etwas bunter und freier zuging, wurde ein Ochse geschmückt durch die Stadt geschickt. Auch die Kälber wurden durch die Stadt getrieben, bunt geschmückt und mit Jubelrufen begleitet. Am damaligen roten Waisenhaus angekommen wurde dann geschlachtet, direkt vor Ort in der Bremer Innenstadt – und die Gewinner konnten dort dann auch das Fleisch der Tiere mitnehmen, die sie eben noch durch den Ort gejagt hatten.

Heute unvorstellbar – damals hatte die öffentliche Schlachtung nichts Seltsames, weiß Michael Koppel: "Das hat es hier in Bremen auch noch bis in die 1950er Jahre gegeben, dass Schweine auf Höfen oder auf Hinterhöfen geschlachtet worden sind, die wurden dann auf ein Türblatt gespannt und dann ist der Bauch aufgeschnitten worden."

An Traditionen festhalten

Das rote Waisenhaus ist heute die gemeinnützige Einrichtung für Kinder und Jugendliche "Alten Eichen". Den Viehtrieb und die Schlachtung gibt es heute so nicht mehr: Fleisch und Kaffee für die Verlosung werden eingekauft. Allerdings kein Kalbfleisch, weil für die Gewinne keine Jungtiere ihr Leben lassen sollen. Und trotzdem: "Alten Eichen" hält an der Tradition fest. Alles andere wäre für Geschäftsführerin Barbara Suchland auch undenkbar:

Wir sind eine moderne Jugendhilfe-Einrichtung, aber wir hängen auch an unseren Traditionen. Und das ist eben für die Stiftung ein Merkmal, die Kälberverlosung ist verknüpft mit der Stiftung Alten Eichen. Und deswegen halten wir das aufrecht.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 11. November 2019, 10:38 Uhr

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