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Reportage

Der furchtbare Tod des Reformators Johann Bornemacher

17. Februar 2020, 12:38 Uhr

An einem Hang an der Aller verläuft der Burgberg in Verden. Hier steht gegenüber von Einfamilienhäusern und Villen ein rechteckiger, gut zwei Meter großer Gedenkstein. "Johann Bornemacher 1526" steht darauf. Aber warum? Wer war dieser Mann?

Ein Gedenkstein in der Natur [Quelle: Radio Bremen, Stephanie Alvarez]
Eigentlich ist der Gedenkstein nicht zu übersehen, aber die Geschichte von Johann Bornemacher kennt nicht jeder. [Quelle: Radio Bremen, Stephanie Alvarez]

Die Reportage zum Anhören:
Das qualvolle Ende des Reformators J. Bornemacher in Verden [3:53 Minuten]

Das Denkmal ist schon sehr verwittert, obwohl es erst nach dem Zweiten Weltkrieg aufgestellt wurde. Der Sandstein hat sich grün verfärbt, Inschrift und Verzierungen sind nur noch schwer zu erkennen. Es gibt auch keine kleine Tafel, die historische Hintergründe erläutert. Dafür weiß Gabriele Müller, Assistentin im Domherrenhaus und erste Vorsitzende der Verdener Domfestspiele, umso mehr über den Gedenkstein: "Aufgestellt worden ist er, weil Johann Bornemacher, die Straße runter bei Beginn des Burgbergs verbrannt worden ist."

Der arme Johann Bornemacher, der ein Vertreter der Reformation war, ein großer Anhänger Luthers, hatte den Fehler begangen, am 8. Dezember 1525 in den Verdener Dom zu gehen und war so entsetzt über diese alte Predigt, dass er aufsprang und ganz eifrig dagegen wetterte und die neuen Lehren Luthers verkündete.

Ein Reformator in Wallungen

Johann Bornemacher war ähnlich wie sein Vorbild Martin Luther Mönch gewesen. Als er dann dessen Lehren kennenlernte, verließ er das Kloster, heiratete eine Nonne in Bremen und war dann dort als reformatorischer Prediger tätig. Auf einer Rückreise von Wittenberg, wo er Luther besuchte, kam er ins katholische Verden, wo er zufällig ein Marienfest beobachtete und am Gottesdienst teilnahm.

Und das hat ihn so in Wallungen gebracht, dass er aufsprang und dagegen wetterte. Das ist natürlich toll. Ich stell mir dann diesen Menschen vor, der das alles von sich gibt, und dann sinkt der Adrenalinspiegel und plötzlich merkt der so: Oh Gott, was hab ich gemacht?

Erzbischof Christoph

Nach seiner Rede wurde Bornemacher festgenommen und gefoltert, indem man versuchte, ihm seine Gliedmaßen auszureißen, seine Genitalien mit glühender Kohle verbrannte und ihm nichts außer salziger Heringslake zu trinken gab. Das alles, um ihn zum Katholizismus zu bekehren. Denn die Reformation kam spät in das Bistum Verden.

Verden war wirklich eins der letzten Bistümer, in denen die Reformation überhaupt nicht in Gang kam. Da gab es damals den Erzbischof Christoph, von dem liest man überhaupt nichts Gutes in den Chroniken. Der war ganz eisern, was das anging, ließ das überhaupt nicht zu.

Gerüchte und Spottgedichte

Erst nach Tod des Erzbischofs im Jahr 1566 wurde in Verden die erste evangelische Predigt gehalten – 40 Jahre nach der Verbrennung Johann Bornemachers auf dem Scheiterhaufen vor der Stadt. Weil das Feuer nicht in Gang kam mussten Leute trockenes Reisig von den Weinbergen am Burgberg sammeln, um das Feuer für Bornemachers Scheiterhaufen zu entfachen. Das wurde im benachbarten Bremen als Anlass genutzt, Spottgedichte zu verfassen.

Und es gab dann auch noch das Gerücht, dass die Zunge von Johann Bornemacher in diesem Scheiterhaufen zum Schluss übrig geblieben sein soll. Womit nochmal quasi ein Beweis stattfand, dass er nicht mundtot gemacht werden konnte, obwohl er ja nun verbrannt worden war.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 17. Februar 2020, 12:38 Uhr

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