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Reportage

Illjes-Mausoleum, eine tragische Liebesgeschichte

16. Dezember 2019, 10:40 Uhr

Zwischen Bremerhaven und Bremen liegt ein Wäldchen, das eigentlich eine Art Friedhof ist. Hier befindet sich ein Grabmal, zu erkennen an einem großen Steinkreuz, das ein paar Schritte in den Wald hinein neben einem Feldweg aufragt. Wer ist am Weißen Berg begraben? Catharina Spethmann war auf Spurensuche.

Das Illjes-Mausoleum, ein Steinkreuz auf einem Mausoleum.  [Quelle: Radio Bremen, Catharina Spethmann]
"Hier ruht Jacob Illjes aus Sandstedt, dem seine Eltern diesen Hügel zur Grabstätte wählen." [Quelle: Radio Bremen, Catharina Spethmann]

Die Reportage zum Anhören:
Das Mausoleum am Waldrand – tragische Liebesgeschichte [3:38 Minuten]

Fast ein bisschen gruselig ist es am Waldrand – dichter Nebel dämpft alle Geräusche und die Farben der herbstbunten Bäume. Auch der verwitterte und mit Flechten bewachsene Stein, aus dem das Kreuz gemacht ist, verschwimmt fast mit dem Hintergrund. Es ist das Mausoleum von Jacob Illjes.

"Hier ruht Jacob Illjes aus Sandstedt"

Karla Mombeck wohnt in Sandstedt und hat sich mit der Geschichte des Ortes im Landkreis Cuxhaven beschäftigt. Sie steht vor der niedrigen Mauer aus groben Steinen, die den Eingang zur Gruft bildet. Darüber wurde 1854 ein Hügel aufgeschichtet. Auf ihm steht das Kreuz. Karla Mombeck klettert voran bis zu einer Inschrift am Sockel:

Mit Mühe kann man die lesen: 'Hier ruht Jacob Illjes aus Sandstedt, dem seine Eltern diesen Hügel zur Grabstätte wählen. Den letzten Wunsch ihres einzigen Sohnes erfüllten und selbst an seiner Seite ruhen.'

Inschrift am Mausoleum von Jacob Illjes

Das Mausoleum von Jacob Illjes. [Quelle: Radio Bremen, Catharina Spethmann]
Jacob Illjes wünschte sich in Blickrichtung Sandstedt und Rechtenfleth begraben zu werden. [Quelle: Radio Bremen, Catharina Spethmann]

Tragische Liebesgeschichte

Bei seinem Tod hatte sich Jacob Illjes gewünscht, in Blickrichtung Sandstedt und Rechtenfleth begraben zu werden. Denn dort wohnte seine große Liebe, die 15 Jahre jüngere Allrike Allmers. Sie und keine andere hatte er heiraten wollen. Zuerst sah auch alles gut aus: Allrike, die aus der weitläufigen Familie des Marschendichters Hermann Allmers stammte, verlobte sich mit dem Sohn wohlhabender Marschenbauern. Dann aber löste sie die Verbindung – warum, ist unklar, erzählt Karla Mombeck. Jacob Illjes konnte das nicht ertragen. Er hat nach der gescheiterten Verlobung seinen Hof in Sandstedt aufgegeben und hier einen neuen Hof gegründet. Nur etwa 200 Meter vom Mausoleum entfernt, der Hof steht heute noch. Dort lebte Jacob Illjes bis zu seinem Tod am 9. Januar 1854.

Zwei unglücklich Verliebte: Jacob und Allrike

Allrike hatte unterdessen den Rechtenflether Hermann Joppert geheiratet, Sohn eines Anwalts aus Lehe und einer weiteren Allmers. Joppert war eine schillernde Figur: Vor seiner Heirat hatte er im Krieg zwischen Mexiko und den Nordstaaten gekämpft. Glücklich wurde aber auch Allrike nicht: Ihre einzige Tochter starb als kleines Kind. Allrike wurde kurz danach krank und starb nur Wochen nach Jacob Illjes auf Madeira, wohin ihr Mann mit ihr zu Erholung gefahren war.

Karla Mombeck steht am Mausoleum von Jacob Illjes. [Quelle: Radio Bremen, Catharina Spethmann]
Karla Mombeck steht am Mausoleum von Jacob Illjes. [Quelle: Radio Bremen, Catharina Spethmann]
Das Interessante ist, dass Hermann Joppert nach ihrem Tod ein paar hundert Meter weiter am Weißen Berg auch ein Haus gebaut hat, die Villa Heidpark. So dass sozusagen die beiden Ehemaligen von Allrike Allmers beide am Weißen Berg gelebt haben.

Karla Mombeck

Tiefe Trauer um den Sohn

Eine tragische Liebesgeschichte, die nur Verlierer hinterließ – nicht zuletzt die Eltern von Jacob Illjes, die den Tod ihres Sohnes offenbar nie verwinden konnten. Sein Vater folgte ihm vier Jahre später. Seine Mutter überlebte beide um mehr als 20 Jahre.

Auf allen Inschriften lesen wir, dass das ganz wichtig ist: Der Wunsch des Sohnes wurde erfüllt, die Eltern ruhen neben ihrem Sohn – also nicht: 'Ich ruhe neben meinem Ehegatten.' Sondern immer: Der Sohn wird betont. Das zeigt die tiefe Trauer um den Sohn.

Karla Mombeck

Inzwischen steht das Kreuz leicht schief zwischen den Birken, aber es steht noch, in der Dämmerung am Waldrand am Weißen Berg bei Sandstedt.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 16. Dezember 2019, 10:40 Uhr

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