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Alte Eichen im Hasbruch

3. Juni 2019, 10:35 Uhr

Mehr als 1.000 Jahre lang sind mehrere Eichen im Waldgebiet "Hasbruch" bei Hude im Landkreis Oldenburg gewachsen. Nur eine davon steht noch und auch sie wird nicht ewig leben. Doch in dem unbewirtschafteten Naturwald mitten im Hasbruch haben jüngere Eichen die Chance, ebenfalls ein solch stolzes Alter zu erreichen.

Die 1200jährige Friederikeneiche im Hasbrucher Forst [Quelle: Radio Bremen, Walter Weber]
Die 1.200-jährige Friederikeneiche im Hasbrucher Forst [Quelle: Radio Bremen, Walter Weber]

Ein Beitrag von Gerhard Snitjer:
Alte Eichen im Hasbruch [3:44 Minuten]

Prachtvoll und erhaben ist dieses Stück Natur: rund 38 Hektar Urwald, und drumherum noch etwa sechseinhalb Quadratkilometer bewirtschafteter Eichenhochwald. Rainer Steding, Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten, ist hier nicht der Revierförster, aber er lässt sich immer wieder gerne in diese verzauberte Umgebung hineinziehen.

Ich hatte in meiner Laufbahn als Förster viel mit Eichenwäldern zu tun, und ein Stück weit hängen mein Försterherz und auch mein persönliches Herz an Eichen und Eichenwäldern.

Rainer Steding

Besonders gerne läuft Rainer Steding vom alten Forsthaus die sogenannte "Liebesallee" entlang in Richtung Friederiken-Eiche, am liebsten allein und ganz ungestört.

Wenn ich vom Wirtschaftswald in diesen Urwald reingehe, egal zu welcher Jahreszeit, dann ist das für mich wie ein Schritt durch ein Tor in eine andere Zeit, und in diesem Urwaldbereich bleibt für mich die Zeit stehen.

Rainer Steding

Die Amalieneiche [Quelle: Radio Bremen, Ariane Wirth]
Die Amalieneiche – sie brach am 10. Februar 1982 zusammen. [Quelle: Radio Bremen, Ariane Wirth]

Hier wird der Wald dunkler, die Baumkronen dichter, die Hainbuchen knorriger, und es liegt viel mehr Totholz am Boden, überwuchert von Moos, Gras und Farnen. So sähe hier in der Region überall der Wald aus, wenn die Natur wieder die Regie übernähme. Hier können Eichen über 1.000 Jahre alt werden, so wie die Friederiken-Eiche. Benannt wurde sie vor 200 Jahren, ganz im Geist der Romantik, nach einer Oldenburger Prinzessin. So wie auch die Amalien-Eiche, die wohl die schönste von allen gewesen sein muss: der Stamm drei Meter im Durchmesser. 1.250 Jahre alt war dieser Baum nachweislich, als ihn 1982 schließlich doch die Kräfte verließen, erzählt Gästeführerin Elisabeth Kühling.

Irgendwann hatte sie das Alter und konnte nicht mehr, sag ich jetzt mal so salopp. Bei Bäumen kann man wohl nicht sagen 'Herzinfarkt'. Sie ist einfach nachts umgefallen.

Elisabeth Kühling

Bäume mit Geschichte

Die alten Hasbruch-Eichen erlangten, als es noch über ein halbes Dutzend davon gab, große Berühmtheit. Rainer Steding erzählt eine wahre Geschichte:

Dass der bayrische König ein Bild von einer alten Eiche im Hasbruch gemalt gesehen hat. Er hat gesagt: 'Das kann nicht sein, dass es so dicke Eichen gibt. Der Maler hat übertrieben.' Und hat seinen eigenen Hofmaler von Bayern nach hier geschickt, um diese dicke Eiche zu begutachten und selber zu malen.

Rainer Steding

Damit wurde bewiesen: So dicke Eichen gibt es hier wirklich, und schon sehr lange. Davon kündet auch die Anekdote, wonach ein Bauer im umgestürzten, hohlen Stamm einer Eiche seine Kuh wiederfand, die in Panik vor einem Gewitter geflohen war. Von all den vielgepriesenen, tausendjährigen Schönheiten steht inzwischen nur die Friederiken-Eiche noch da – die zweitälteste Eiche in ganz Deutschland. 7,5 Meter Umfang, 2,4 Meter im Durchmesser, 30 Meter hoch.

Ein Baum mit Geschichte, das sieht man sofort. Der mächtige, knorrige Stamm teilt sich mehrfach, einige der Seitentriebe sind abgestorben und abgebrochen. Zum Teil geht der bemerkenswert unregelmäßige Wuchs auf die historische Viehhaltung zurück, die es in diesem sogenannten "Hutewald" schon im Mittelalter gab. Die Bauern trieben damals Schweine und Rinder hier herein.

Für die Herbst-Hutung brauchte man möglichst großkronige Eichen, die sehr viel und früh Eicheln produziert haben. Dieser alte Spruch 'An Eichen wachsen die besten Schinken' bezieht sich auf die Eichelmast der Schweine, die dann im Herbst eingetrieben wurden.

Rainer Steding

"Liebesallee"

Seit gut 150 Jahren ist der innere Bereich des Hasbruch streng geschützt. Einige der verwunschenen Pfade sind sogar für Radfahrer tabu. Für die schon genannte "Liebesallee" gilt das nicht. Sie ist breit und schnurgerade und vom ehemaligen Forsthaus aus in ihrer ganzen Länge gut einsehbar. So behielt angeblich früher ein Förster seine hübschen Töchter beim Flanieren mit ihren Ehe-Kandidaten stets im Blick. Ob hier jemals wirklich eine Ehe angebahnt wurde, ist nicht überliefert.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 3. Juni 2019, 10:35 Uhr

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