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Reportage

Eine unverwüstliche Ruhestätte

27. Januar 2020, 10:38 Uhr

Von außen sieht die Stadtkirche Jever sehr modern aus, denn sie musste nach einem verheerenden Brand Mitte des 20. Jahrhunderts neu aufgebaut werden. Erst nach dem Feuer wurde klar, dass sich hinter diesen Mauern ein ganz besonderes Grabmal befindet.

Das Edo-Wiemken-Grabmal in Jever [Quelle: Radio Bremen, Frank Jakobs]
Das Grabmal ist ein Kenotaph, also ein leeres Grab. Oben ruht Edo Wiemken. Unter ihm stehen mehrere leere Sarkophage, die von weiblichen Figuren getragen werden. [Quelle: Radio Bremen, Frank Jakobs]

Die Reportage von Frank Jakobs:
Reportage: Das Edo-Wiemken-Grabmal in Jever [2:55 Minuten]

Vor fast dreihundert Jahren brennt die Stadtkirche in Jever nieder – und wird mühsam wieder aufgebaut. Doch im Oktober 1959 brennt das evangelisch-lutherische Gotteshaus erneut und wird fast komplett zerstört. Nur der Chor bleibt stehen. Darin befindet sich bis heute das Grabmal des ostfriesischen Häuptlings und Regenten der Herrschaft Jever, Edo Wiemken.

Das Grabmal blieb erhalten, weil es geschützt war durch eine Brandmauer. Jevers ehemaliger Pastor Volker Landig erklärt, das Grabmal sei für die Gemeinde damals gar nicht sichtbar gewesen. Auch gehörte es nicht der Kirchengemeinde, sondern es war Eigentum des Herzogs von Oldenburg.

Grabmal im Zentrum der Kirche

Wer heute die Stadtkirche Jever betritt, dem fällt sofort eine meterhohe, dicke Glaswand ins Auge. Sie ersetzt die alte Brandmauer – und zeigt so, was früher verborgen blieb.

Man hat das traurige Ereignis eines Kirchenbrandes als Anlass  genommen, das erhaltene einmalige Grabmonument nun künftig sichtbar zu machen.

Volker Landig, ehemaliger Pastor von Jever

Dieses Denkmal Edo Wiemkens ist eines der bedeutendsten Renaissance-Grabmäler in Norddeutschland. Seine Tochter Maria von Jever hatte es wohl in Auftrag gegeben. Es wurde 1564 fertiggestellt.

Das Grabmal besteht aus Holz, Stein und Alabaster und wurde von Heinrich Hagart geschaffen. Er war ein Schüler des bekannten Antwerpener Bildhauers Cornelis Floris II., dessen Werke auch in Bauwerken in den Niederlanden, in Süddeutschland und in den Küstenländern an Nord- und Ostsee und zu finden sind.

Zweifel an Widmung des Grabes

Laut Pastor Landig gibt es ein Pendant zu dem Grabmonument im Schleswiger Dom. Dort ist es koloriert und ist das Grabmal von König Friedrich dem Ersten von Dänemark. So eindeutig wie in Schleswig ist das in Jever aber offenbar nicht. Denn auch wenn das Monument Edo-Wiemken-Denkmal heißt, gibt es Zweifel daran, ob es tatsächlich zu Ehren des Häuptlings gebaut wurde.

Es gibt auch Wissenschaftler, die sich nicht vorstellen können, dass man von weiblichen Figuren diesen Sarkophag mit dem symbolischen Leichnam eines Mannes tragen lässt.

Volker Landig, ehemaliger Pastor von Jever

Es könne auch sein, dass das Grabmonument für Maria selbst gedacht war, so Landig. Der weiße Sarkophag mit Edo Wiemken könne ursprünglich daneben gestanden haben.

Möglich wäre es – zumal ihr Vater bereits 50 Jahre tot war, als das Grabmal fertiggestellt wurde. Maria hatte dagegen ihren Lebensabend erreicht. Bis heute ist nicht klar, wo die einstige berühmte Regentin Jevers begraben ist. Einer Legende nach soll sie in einem unterirdischen Gang im Schlosspark verschwunden sein.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 27. Januar 2020, 10:40 Uhr

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