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Die Pünte von Wiltshausen

Mit Muskelkraft über den Fluss

1. Oktober 2019, 14:40 Uhr

Wo ein Fluss ist, da ist meist auch eine Brücke, über die man den Fluss überqueren kann. Und wenn nicht? Dann eben eine Fähre. Eine der ältesten ihrer Art gibt es in der Nähe der ostfriesischen Stadt Leer. Sie ist klein und ein wenig versteckt. Frank Jakobs hat sie gefunden und ist mitgefahren.

Wer in Wiltshausen bei Leer den Fluss überqueren will, nutzt die alte Fähre, die "Pünte".

Autor/-in: Frank Jakobs
Länge: 3:29 Minuten
Datum: Montag, 30. September 2019
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Im Süden Ostfrieslands, dort, wo die Jümme auf die Leda trifft, liegt die Pünte. Jeden Tag pendelt sie von Wiltshausen nach Amdorf und wieder zurück, sagt Ulrich Schmunkamp vom Pünten-Verein. Der Name "Pünte" leitet sich ab vom lateinischen "pontis" (Brücke). Auf die kleine Fähre passen drei Autos und 30 Passagiere. 22 Tonnen wiegt sie und ist einzigartig in Europa, sagt Schmunkamp.

Das absolut Besondere ist, dass sie definitiv die älteste noch auf diese Art und Weise betriebene Fähre ist. Also, sie wird tatsächlich noch per Hand betrieben von zwei Fährleuten, die diese Fähre über den Fluss ziehen.

Ulrich Schmunkamp, Pünten-Verein

Die Fähre ist mit einem Stahlseil verbunden, das über den Fluss gespannt ist. Fährmann Oliver Grensemann und sein Kollege haben jeder ein Kantholz mit einer Kerbe darin in der Hand.

Wenn wir jetzt rüberfahren wollen, dann müssen wir die Bremse lösen, dann nehmen wir unser Klemmholz und klemmen das ins Seil ein und legen uns mit unserm Körpergewicht rein, um die Fähre zu bewegen.

Oliver Grensemann, Fährmann

Arnold Höge und Oliver Grensemann, beide Fährmänner , ziehen die Fähre "Pünte" mit den Händen auf der Jümme. [Quelle: DPA, Mohssen Assanimoghaddam]
Dank der Kraft der Gezeiten und starker Muskeln überquert eine kleine Fähre in Ostfriesland den Fluss Jümme. [Quelle: DPA, Mohssen Assanimoghaddam]

Unterstützung durch die Tide

Für mehrere Stunden haben die Fährleute einen starken Verbündeten: Die Tide schiebt mit. Hoch- und Niedrigwasser der Gezeiten bestimmen den Fahrplan, und das schon seit Jahrhunderten. Bereits 1562 stand ein Fährhaus an der Straße bei Wiltshausen, sagt Ulrich Schmunkamp. Sie war Teil eines Heerweges  zwischen Münster und Emden, und Emden war zu damaliger Zeit eine wichtige Hafenstadt.

Die Pünte verlor im Laufe der Zeit an Bedeutung; gerettet wurde sie von den Bewohnern der Gegend.

In den 70er Jahren sollte die Fähre, wie so viele andere auch in der Gegend, eingestellt werden, aber da haben sich die Bürger und Einwohner zusammengetan und gesagt: "Nein, das ist ein so hohes Kulturgut, das möchten wir erhalten wissen." Und dann hat sich ein Verein gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Betrieb der Pünte aufrecht zu erhalten.

Ulrich Schmunkamp

Die 500 Mitglieder des Pünten-Vereins und Sponsoren geben Geld für den Unterhalt dieser einmaligen Schwimmbrücke. Eine Reparatur in der Werft vor einigen Jahren kostete 75 000 Euro. Und so kommt auch heute noch die schwimmende Brücke ganz ohne Motor, ohne Abgase, wenn man am Ufer der Jümme bei Wiltshausen im Landkreis Leer steht und den Fährmann ruft.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 30. September, 15:40 Uhr.

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