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Reportage

Die Hinrichtung von Nicolaus Junge

25. November 2019, 10:40 Uhr

Was ist eigentlich am 28. September 1787 passiert? Das sagt Ihnen gar nichts? Wenn Sie in Bremen leben, arbeiten oder hin und wieder da sind, dann sind Sie mit ziemlicher Sicherheit schon einmal an diesem Datum vorbeigelaufen oder haben sogar davorgesessen. Es steht nämlich auf einem Stein am Bremer Rathaus, über einer Bank im Bogengang.

Das Datum 28.9.1787 steht auf einem hellen Stein [Quelle: Radio Bremen, Marina Weidenhaupt]
Am 28. September 1787 fand die letzte Hinrichtung mit dem Bremer Richtschwert statt. [Quelle: Radio Bremen, Marina Weidenhaupt]

Die ganze Reportage zum Anhören:
Die Hinrichtung von Nicolaus Junge [3:14 Minuten]

Das Bremer Rathaus, Unesco-Weltkulturerbe und Mittelpunkt der Bremer Altstadt, ist eigentlich weltberühmt – und doch gibt es da ein unbekanntes Detail: Ein kleiner, sandfarbener, viereckiger Stein, der sich über einer Bank unter dem Bogengang in der Mauer des Rathauses befindet. "28.9.1787" steht darauf – aber warum? Das wusste auch Hobby-Historiker Peter Strotmann lange nicht.

Erst vor ein paar Jahren kam ein Todesurteilshistoriker auf ihn zu und erklärte ihm: Dieser Stein erinnert an die öffentliche Hinrichtung von Nicolaus Junge auf dem Galgenberg in Bremen-Walle. Er hatte die Witwe seines Bruders beraubt und tödlich verletzt, deswegen wurde gegen ihn ein "peinliches" Urteil gesprochen.

Dieses "Pein", das bedeutete, dass das mit Leid verbunden war. Für den Angeklagten peinlich, heißt also, mit Pein und Schmerz verbunden ist.

Peter Strotmann, Hobby-Historiker

Das Bremer Richtschwert

Aber warum wird dieser Hinrichtung ein Datumsstein gewidmet? Zum einen war Nicolaus Junge der letzte, der mit dem Bremer Richtschwert geköpft wurde. Das wurde 1755 angefertigt und kam vor seiner Hinrichtung erst einmal zum Einsatz. "Und dann hat es wieder 30 Jahre rumgelegen, weil man hier in Bremen nicht so gerne solche Urteile sprach“, sagt Peter Strotmann.

Der andere Grund für den Stein: In Bremen waren Hinrichtungen sehr selten. Das hatte damit zu tun, dass das Bremer Landgebiet damals zu Hannover gehörte. Und bevor man den Aufwand betrieb, mit den Hannoveranern in Kontakt zu treten, ließ man den Kriminellen lieber laufen.

Laxer Umgang

Das Bremer Rathaus [Quelle: Radio Bremen, Marina Weidenhaupt]
Am Bremer Rathaus kann man den Datumsstein finden. [Quelle: Radio Bremen, Marina Weidenhaupt]

Über den vermeintlich laxen Umgang mit Straftätern in Bremen gab es sogar ein Sprichwort: "Wer stehlen will und nicht bangen, der gehe nach Bremen und lasse sich fangen“. Nicolaus Junges Hinrichtung war nicht die letzte öffentliche überhaupt. Das war die der Giftmörderin Gesche Gottfried im Jahr 1831, an die heute noch der Spuckstein erinnert.

Wenn es nur so wenige Hinrichtungen in Bremen gab, warum traf es dann ausgerechnet Nicolaus Junge? Peter Strotmann vermutet: Vielleicht stecken hinter der Beschreibung seiner Tat – "tödlich verletzt" – noch andere Details:

Es kann natürlich sein, dass das ganz grausam gewesen ist, dass er sie malträtiert hat oder irgendwas. Dass das irgendwie doch Aufsehen erregt hat, dass man sagte, Mensch, das ist ein besonderer Fall, da müssen wir mal ein abschreckendes Beispiel… aber das ist Spekulation.

Dieses Thema im Programm: 25. November 2019, 10:40 Uhr.

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