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Die Bremer Schlüsseltonne

Wer mit dem Boot aus der Nordsee kommend in die Wesermündung will, kommt an ihr vorbei, an der Schlüsseltonne, oder auch Bremer Tonne. Seit mehr als 350 Jahren markiert sie die Einfahrt in die Wesermündung. Und gleichzeitig ist sie viel mehr als nur ein Seezeichen. Was an Geschichte und politischer Bedeutung in ihr steckt, erzählt uns Catharina Spethmann. Ihr Bericht beginnt aber nicht auf See, draußen vor Wangerooge oder Helgoland, sondern in der Bremerhavener Fußgängerzone. 

Die historische Bremer Schlüsseltonne [Quelle: Gemeinfrei]
Historische Abbildung der Schlüsseltonne auf einem Ölgemälde aus dem 19. Jahrhundert. [Quelle: Gemeinfrei]

Mehr als ein Seezeichen: die Bremer Schlüsseltonne [3:22 Minuten]

Die meisten Passanten schenken dem Brunnen am südlichen Ende der Fußgängerzone keine sonderliche Beachtung. Noch ist er ohnehin abgeschaltet. Sonst sprudelt etwas Wasser über die angedeuteten Wellen aus Metall, die im Straßenpflaster verankert sind. Ein stilisierter Bug eines Schiffes erhebt sich zwischen ihnen. Oben lehnt sich eine Frau heraus. Sie greift nach etwas, was ein bisschen aussieht wie ein Fässchen mit einem Korb an der Spitze.

Es ist das älteste schwimmende Seezeichen, die Bremer Schlüsseltonne, erklärt Dirk Peters von der Schiffahrtsgeschichtlichen Gesellschaft Bremerhaven und führt aus, woraus die Tonne gebaut war: Ein mehrere Meter hoher Korpus aus bestem Eichenholz, gebaut wie eine riesige Regentonne, umschlossen von Eisenringen, mit einer Kette aus schwedischem Stahl an einem Sandsteinblock auf dem Seeboden befestigt. Zum Schutz war die 1664 ausgelegteTonne mit schwarzem Teer bestrichen. Auf ihrer Spitze prangte ein goldener Schlüssel – als Symbol für den Herrschaftsanspruch Bremens: 

Und das ist eben ganz wichtig, ganz entscheidend. Das passierte nicht nur in Bremen, sondern schon weit draußen, wo dann die Schiffe aus der Deutschen Bucht in die Weser, also in den bremischen Herrschaftsbereich, gelangen konnten. Und die Bremer mussten ja gegen die Bischöfe und gegen die damaligen Herrscher immer ihre Rechte verteidigen.

Markierung für den Seeweg nach Bremen

Der Bremer Senat hatte den Bremer Kaufleuten die Zuständigkeit für die Tonne übertragen – schließlich hatten die das größte Interesse daran, dass die Handelsschiffe den Weg nach Bremen fanden. Für die Auslegung der Tonne mussten sich die Bremer mit den anderen Anrainern abstimmen.

Metallskulptur in Bremerhaven: Schiffsbug und Seetonne [Quelle: Radio Bremen, Catharina Spethmann]
Schiffsbug und Tonne aus Mtall: Skulptur in der Innenstadt von Bremerhaven. [Quelle: Radio Bremen, Catharina Spethmann]
Sie mussten das immer mit Verträgen absichern, mit den Nachbarn. Das war eben ganz wichtig, Bremen war ja weit weg, geographisch gesehen. Das wurde dann durch Urkunden mehrfach auch bestätigt, seit dem Mittelalter bis 1664.

Damals hieß es in einer Bekanntmachung: 

Kundt und zu wissen sey hiermit jedermänniglich, sonderlich allen Schiffern und Seefahrenden Leuthen, so die Weser gedencken zu gebrauchen, daß daraussen vor der Weser noch schwarze Seetonne ist geleget, worauff eine Stange mit einem vergüldetem Schlüssel stehet, welches den Schifferen und Seefahrenden Leuthen zu gueter Nachrichtung dienet. Bremen den 20. Aprilis deß Eintausendt Sechshundert Vier und Sechtzigsten Jahres.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Tonne eingeholt und in den 50er Jahren wieder ausgelegt. Heute besteht sie nicht mehr aus geteertem Eichenholz, sondern aus Metall, mit einer LED-Beleuchtung und Photovoltaik-Anlage. Die moderne Tonne sei auch sehr schön, meint Dirk Peters. "Sie ist sehr viel schlanker, weiß-rot, und auch mit dem goldenen Schlüssel ausgezeichnet, das ist schon auch eine sehr schöne Erscheinung." 

Den meisten Passanten, die den Brunnen in der Bremerhavener Fußgängerzone mehr oder weniger achtlos links liegen lassen, dürfte die Schlüsseltonne heute wohl kein Begriff mehr sein – außer, sie haben mit der Seefahrt zu tun. Dann kennen sie die Tonne, die seit mehr als 350 Jahren fast ununterbrochen draußen vor der Wesermündung liegt.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 30. März 2020, 13:40 Uhr.

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