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Reportage

Der Bremer Bürgermeister, der in Jerusalem starb

11. Mai 2020, 10:40 Uhr

Der Bremer Bürgermeister Friedrich Wigger schrieb 1416 sein Testament, pilgerte ins Heilige Land und kehrte nie wieder. Spuren von ihm gibt es in Bremen aber bis heute. Das prächtige Rathaus zum Beispiel und ein Epitaph in der Kirche St. Johann.

Ein Epitaph in der Kirche St. Johann. [Quelle: Radio Bremen]
Ein Wandrelief aus Sandstein in der Bremer Kirche St. Johann erinnert an Friedrich Wigger. [Quelle: Radio Bremen]

Eine Reportage von Peter Meier-Hüsing:
Der Bremer Bürgermeister, der in Jerusalem zu Tode kam [3:10 Minuten]

Sein Geburtsdatum kennen wir zwar nicht, aber sicher ist: Friedrich Wigger gehörte zum Establishment im spätmittelalterlichen Bremen: Er amtierte als Ratsherr, wurde später Kämmerer, also quasi Finanzchef der Stadt, und ab 1410 dann Bürgermeister.

Bauleiter für den Rathaus-Neubau

Bis dahin hatte der Holzhändler Wigger schon deutliche Spuren in der Stadt hinterlassen, denn er fungierte zusammen mit seinem Ratskollegen von der Trupe als Bauleiter für den Neubau des Rathauses. Das belegen alte Rechnungsbücher, die dort in einem vergessenen Schrank vor 200 Jahren wiederentdeckt wurden. "Er war dafür zuständig, die Verträge mit den Künstlern und Bauarbeitern zu schließen. Er war dafür zuständig, dass sie ordentliche Kleidung hatten, dass sie versorgt wurden, und er hat dafür gesorgt, dass aus seinem Wald Holz für das Rathausdach gestiftet wurde", weiß Wilhelm Tacke, früher Sprecher der Katholischen Kirche in Bremen und gut vertraut mit der Stadtgeschichte.

Epitaph für Friedrich Wigger

In der katholischen Kirche St. Johann im Bremer Schnoor findet man weitere Spuren vom Bürgermeister Wigger. Zu Wiggers Zeiten diente St. Johann als Klosterkirche der Franziskaner, die schon seit dem frühen 13.Jahrhundert in Bremen ansässig waren. Die früheren Klostergebäude sind längst abgerissen, die Neubauten gehören der Katholischen Gemeinde. Dort, wo einst die Franziskanermönche den Kreuzgang entlangeilten, hängt ein Wandrelief aus Sandstein, eine Kreuzigungsszene in blassen Farben – ein Epitaph, eine Gedenktafel für Friedrich Wigger.

Man kann annehmen, dass die Witwe für ihren Mann nicht nur dieses Epitaph hat stiften lassen, sondern auch Seelenmessen. Damit für sein Seelenheil weiter gebetet wurde und Seelenmessen weiter gefeiert wurden.

Wilhelm Tacke

Seelenmessen für die Toten

Für die gläubigen Menschen im Mittelalter gehörten die Toten immer noch mit zur Gemeinde, und die Aufgabe der Lebenden war nicht nur, deren Andenken zu bewahren, sondern auch, durch die Seelenmessen noch ungesühnte Verfehlungen zu Lebzeiten zu tilgen. Das war dann die Aufgabe der Priester und Mönche.

Berühmt oder beliebt in Bremen waren dafür die Franziskaner, das waren Minderbrüder, asketische Typen, und deswegen hat man hier die Totenmessen eher bestellt als bei den fetten Domherren am Dom.

Wilhelm Tacke

Es mag makaber klingen, aber gerade die nur wenige Jahrzehnte zuvor grassierende Pest raffte viele Bremer hinweg und gab damit den Franziskanermönchen reichlich Arbeit fürs Seelenheil – und reichlich Einkommen. Und sicher werden die Mönche im Kreuzgang beim Passieren des Epitaphs oft ein kurzes Stoßgebet für den prominenten Bremer Bürgermeister gen Himmel gesandt haben.

Wallfahrt nach Jerusalem

Was Friedrich Wigger als hochgeachteten und wohl auch vermögenden Bürger der Stadt umtrieb, die beschwerliche und gefährliche Wallfahrt nach Jerusalem auf sich zu nehmen, wissen wir nicht. Jedenfalls verfasste er noch sein Testament und verschwand Richtung Heiliges Land. 1417 starb er dort auf dem "Berg Zion". Und wahrscheinlich liegen die Gebeine eines Bremer Bürgermeisters dort noch irgendwo vergraben

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 11. Mai 2020, 10:40 Uhr.

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