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Mittelalterliches Dokument

Die Bremer Fischeramtsrolle

70 Jahre lang war die älteste Fischeramtsrolle Bremens aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts verschollen. Vor vier Jahren tauchte das Dokument auf einer Auktion in New York auf. Jetzt liegt es im Bremer Staatsarchiv. Mirjam Steger konnte es ansehen.

70 Jahre lang war die 500 Jahre alte Fischeramtsrolle Bremens verschollen. Vor vier Jahren tauchte das Dokument auf einer Auktion in New York auf.

Autor/-in: Mirjam Steger
Länge: 3:59 Minuten
Datum: Freitag, 29. November 2019
Sendereihe: Online | Radio Bremen

Konrad Elmshäuser, Leiter des Bremer Staatsarchivs, nimmt ein uraltes, handgroßes, in Leder gebundenes Büchlein mit Messingschnallen aus dem  Schmuckschuber. Er wurde eigens dafür angefertigt.

500 Jahre altes Pergament. Es fühlt sich dick und ledrig an, manche Seiten sind dicker, andere dünner. Die letzten Seiten bestehen aus Papier, das Buch wurde also über Jahrzehnte geschrieben. Sogar die Handschrift variiert. Anfangs sind es Schmuckbuchstaben in schwarz-rot, später eine fast fließende Handschrift. Mit vielen Statuten wurde hier um 1540 der Fischfang in der Weser festgeschrieben.

Lachsfang im Mittelalter

Konrad Elmshäuser hat die Fischeramtsrolle aus dem Niederdeutschen übersetzt und dabei jede Menge über die Fischerei im Mittelalter erfahren: "Der Fisch, der am eifersüchtigsten gehütet und vom Fischeramt als Monopol verteidigt wird, das ist tatsächlich der Lachs. Man kann sagen, die Hälfte der fast 100 Paragrafen der Amtsrolle dreht sich um den Lachsfang." Mit Treibnetzen, so genannten Lachszesen wurde der Fisch im Mittelalter gefangen, und zwar ausschließlich von Amtsfischern. An der Fischerschlachte – eine Sandbank auf der heutigen Neustädter Seite der Weser – wurden die Lachszesen aus der Weser gezogen.

Zwei alte Bücher mit geprägtem Ledereinband und Messingbeschlägen [Quelle: Radio Bremen, Mirjam Steger]
70 Jahre lang waren die alten Bücher verschollen. [Quelle: Radio Bremen, Mirjam Steger]

Dabei war Lachs gar nicht der häufigste Fisch in der Weser, sondern eher selten. Quappe, Aal, Neunauge, fette Fische, die man räuchern konnte, aber auch Hering und Dorsch, waren die beliebtesten Speisefische im Mittelalter. Quappenleber galt als Delikatesse und war sehr teuer. Schon im Mittelalter bemühten sich die Fischer, die Flüsse nicht leer zu fischen.

Man hat durchaus den Zusammenhang zwischen Fischfang, Überfischung und Zusammenbruch von Beständen begriffen und hat sehr eifersüchtig darüber gewacht, dass niemand mit Netzen die Fischbrut ausfängt.

Konrad Elmshäuser, Staatsarchiv Bremen

Die Weser als Fischgewässer

Auch heute hat das Fischeramt, das die mittelalterliche Fischeramtrolle gekauft hat, ein wachsames Auge auf das ökologische Gleichgewicht der Weserfische. Dieses Jahr wurden 110.000 kleine Aale ausgesetzt, weil ihr Bestand geschrumpft war. Insgesamt sieht es aber sehr gut aus mit der Artenvielfalt der Fische in der Weser, sagt Peter Koch-Bodes, seit fast 30 Jahren Altmeister des Fischeramtes in Bremen.

Ein Angler fischt am Osterdeich einen Aal aus der Weser. [Quelle: Radio Bremen, Philipp Johannßen]
Die Weser ist ein gutes Fischrevier. [Quelle: Radio Bremen, Philipp Johannßen]

Zander, Aal, Hecht, Barsche und auch noch wenige Lachse – insgesamt 24 Fischarten wurden letztes Jahr von Bremern aber auch von Auswärtigen in der Weser gefangen, die meisten davon Rotaugen. Das Fischeramt vergibt die Scheine für Korbfischerei und auch Stockangelscheine. Die Berufsfischerei ist zum Schutz der Fische nach wie vor stark reglementiert. Probleme gibt es eigentlich kaum, sagt Altmeister Koch-Bodes, weder mit den Fischern, noch mit den Fischen. In einer Hinsicht hat sich in den 500 Jahren, als die Fischeramtsrolle verfasst wurde, gar nicht so viel verändert.

Netzfischerei ist nur den Amtsfischern vorbehalten, und dadurch können wir sagen: das Fischgewässer Weser ist in einem sehr guten Zustand. Wir tun, was wir können.

Peter Koch-Bodes, Altmeister des Fischeramtes

Mittelalterliches Dokument: die Fischeramtsrolle Bremens [3:59 Minuten]

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 29. November 2019, 9:40 Uhr.

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